Problemflughafen BER 19.05.2014, 11:41 Uhr

Ein Schritt vor, zwei zurück: Die Entrauchungsanlage ist undicht

Eigentlich ein Grund zu feiern: Mit dem Bau des Berliner Problemflughafens BER geht es voran. Techniker können endlich die Kabel für die Brandschutzanlage verlegen – vor zwei Jahren der Grund für die bisher jüngste Verschiebung des Eröffnungstermins. Doch BER wäre nicht BER, wenn kein neues Hindernis auftauchen würde: Die Entrauchungsanlage ist undicht. 

Die Pannen am Berliner Hauptstadtflughafen reißen nicht ab: Ein Kaltgasrauchtest hat ergeben, dass die Entrauchungsanlage undicht ist.

Die Pannen am Berliner Hauptstadtflughafen reißen nicht ab: Ein Kaltgasrauchtest hat ergeben, dass die Entrauchungsanlage undicht ist.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Zuerst die guten Nachrichten: Mit dem Bau der Brandschutzanlage am Berliner Großflughafen BER geht es voran, berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“. Nach monatelangem Warten können 25 Siemens-Techniker jetzt damit beginnen, die 90 Kilometer Kabel für die Steuerungstechnik der intern „das Monster“ genannten Anlage im Hauptgebäude zu verlegen. Nachdem vor rund zwei Jahren Probleme mit dem Brandschutz dazu geführt haben, dass die Eröffnung des Flughafens auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste, gibt es jetzt ein neues Konzept für die zentrale Entrauchungsanlage. Sie werde in drei Teile aufgeteilt, zitiert der Focus Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Anders als ursprünglich vorgesehen, solle die Anlage jetzt nicht mehr alle sechs Stockwerke gleichzeitig entrauchen. Stattdessen werde es drei autarke Anlagen geben: eine Hauptanlage und zwei kleinere für die beiden oberen Geschosse sowie Keller und Lager.

Mehdorn spricht von „Pfusch am Bau“

Die Entrauchungsanlage des Flughafens verfügt über 18 Kilometer Entrauchungskanäle, die bei einem Brand den Rauch nach draußen transportieren sollen. Teile davon – und das ist der schlechte Teil der Nachricht – seien jedoch undicht, da Abdichtungs-Fugen unsachgemäß und schlampig verbaut wurden. Das habe ein Kaltgasrauchtest mit Überdruck ergeben, berichtet die „Bild am Sonntag“: Im Ernstfall hätte das bedeutet, dass ein Teil des Rauches im Gebäude geblieben wäre.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat die neuerliche Panne als „Pfusch am Bau“ bezeichnet.  

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat die neuerliche Panne als „Pfusch am Bau“ bezeichnet.  

Foto: dpa

Jetzt muss nachgebessert werden. Flughafenchef Mehdorn habe diese neuerliche Panne am Mittwoch vor dem Haushaltsausschuss des Bundestags als „Pfusch am Bau“ bezeichnet, gegen den er „radikal vorgehen“ werde, berichtet das Blatt. Die Baufirmen, auf deren Konto der Fehler gehe, müssten die Schäden auf eigene Kosten beheben, erklärte er demnach. Das werde mehrere Wochen dauern.

Kosten von 666 Millionen Euro verschleiert

Für die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg wird es aber auch anderweitig nicht langweilig. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wirft der Gesellschaft vor, die finanziellen Belastungen in der Bilanz für 2012 – der Geschäftsbericht für 2013 liegt noch nicht vor – geschönt zu haben. Zu erwartende Kosten in Höhe von insgesamt 666 Millionen Euro seien nicht korrekt erfasst, sondern geradezu verschleiert worden: 444 Millionen, die für den Schallschutz für die Anwohner bereitgestellt worden seien, und 222 Millionen für noch nicht beglichene Rechnungen und Nachträge von Baufirmen seien gerade einmal im Kleingedruckten erwähnt worden, hieß es. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft betont dagegen, man habe sauber gearbeitet, was auch die Wirtschaftsprüfer bestätigt hätten. Nach aktuellem Stand wird der Großflughafen insgesamt 5,4 Milliarden Euro kosten.

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