Lichttechnik 29.08.2008, 19:36 Uhr

Dioden sorgen für Scheinwerferlicht  

Wenige Monate nach der Weltpremiere des ersten Voll-LED-Scheinwerfers Automotive Lighting im Audi R 8 präsentiert Hella die gleiche Lichttechnik nun in Serienfertigung. Im Cadillac Escalade Platinum kommen diese Scheinwerfer ab Januar 2009 zum Einsatz.

Voll-LED-Scheinwerfer sind in den USA bereits für den Straßenverkehr zugelassen, in der EU soll es noch dieses Jahr auch geschehen. Audi hat für den Sportwagen R 8 eine Ausnahmegenehmigung.

In den kommenden Jahren erwartet der Licht- und Elektronikspezialist Hella, Lippstadt, einen wahren Boom für diese Lichttechnik und rechnet bis 2012 mit einem jährlichen Produktionsvolumen von rund 350 000 LED-Scheinwerfern.

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Die derzeit bereits lieferbaren Halogen- oder Xenon-Scheinwerfer mit integrierten Signalfunktionen in LED-Technik (lichtemittierende Dioden, elektronisches Halbleiter-Bauelemente) für Blinker, Positions- oder Tagfahrlicht werden dann bereits die Marke von zwei Mio. Fahrzeugen überschritten haben, meinte Steffen Pietzonka, Hella-Marketingleiter Licht.

Im Cadillac Escalade Platinum, einem bis zu 5,6 m langen 2,6- t-Monstrum mit 6,2-l-V8-Ottomotor (301 kW) des SUV-Premiumsegments, kommen laut Hella weltweit erstmalig so genannte Freiform-Projektionslinsen aus Glas zum Einsatz, die wegen ihrer individuellen optischen Auslegung jeweils einen bestimmten Teil der Lichtverteilung auf der Fahrbahn übernehmen.

Von den sieben Glaslinsen je Scheinwerfer sind nur zwei identisch, die restlichen fünf haben unterschiedliche Formen. Das Abblendlicht wird von fünf an der Außenseite des Scheinwerfergehäuses untereinander angeordneten Freiformlinsen erzeugt. Die obere runde Projektionslinse von 60 mm Durchmesser produziert einen asymmetrischen Lichtfinger auf die rechte Fahrbahnseite, während die darunter liegenden kissenförmigen Freiformlinsen die symmetrische Basis- und Vorfeldlichtverteilung übernehmen.

Durch Abdimmen des Abblendlichts wird das Tagfahrlicht generiert – ab 2010 in den EU-Staaten für Neufahrzeuge obligatorisch. Für das Fernlicht sind im Escalade-Scheinwerfer zwei innen im Gehäuse angeordnete Linsen zuständig. Zwischen Abblend- und Seitenmarkierungslicht sitzt ein Lichtleitstab als Positionslicht, in den das Licht von zwei weißen LED eingekoppelt wird.

Als Lichtquellen für Abblend- und Fernlicht nutzt Hella Mehr-Chip-Leuchtdioden. Damit die LED-Chips nicht den Hitzetod sterben, sorgt ein kleiner Hochleistungsventilator für das Thermomanagement im Scheinwerfergehäuse. Er leitet die entstehende Abwärme über die Innenseite der transparenten Abdeckung und sorgt so bei winterlichem Wetter für das notwendige Enteisen und Abtauen.

Als Vorteile von LED-Licht nennt Pietzonka vor allem die tageslichtähnliche weiße Lichtfarbe, die – im Gegensatz zur leicht gelben Tönung von Halogenlicht und der bläulichen Komponente im Xenonlicht – Wahrnehmung und Kontrast verbessere. Die Lebenserwartung von LED liegt laut Hella mit rund 10 000 Betriebsstunden deutlich über der durchschnittlichen Fahrzeuglebensdauer.

Der vorwiegend durch die Elektronik bedingte Energieverbrauch von 68 W im Abblendmodus liege heute höher als bei Halogen- oder Xenonlampen, werde bis etwa 2015 auf den Xenon-Level von 35 W sinken. Bis dahin sollen sich die Mehrkosten nivellieren haben: Derzeit kosten Voll-LED-Scheinwerfer noch gut doppelt so viel wie die teuren Xenon-Systeme. H. W. MAYER/WOP

Mehrchip-LEDs für Abblend- und Fernlicht

 

Ein Beitrag von:

  • Hans W. Mayer

    Hans W. Mayer ist Fachjournalist für Automobilthemen. Er u.a. für die FAZ und verschiedene andere Tageszeitungen und Magazine über Fahrzeugbau und Verkehrsthemen.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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