Zugausfälle 30.08.2013, 14:11 Uhr

Die Bahn gelobt Besserung

Die Lage auf dem Mainzer Bahnhof normalisiert sich. Nach Ansicht der Bahn reichen die bundesweit 12 000 Fahrdienstleiter aus, um den Fahrbetrieb sicherzustellen. Das Unternehmen richtet Puffer ein, um Abgänge auszugleichen. Die Gewerkschaft wirft der Bahn vor, Personal nicht nach Bedarf, sondern nach Budget zu planen. 

Das Schlimmste ist vorbei. Ab September verspricht die Deutsche Bahn ihren Kunden am Mainzer Hauptbahnhof wieder normale Verhältnisse.

Das Schlimmste ist vorbei. Ab September verspricht die Deutsche Bahn ihren Kunden am Mainzer Hauptbahnhof wieder normale Verhältnisse.

Foto: dpa/Fredrik von Erichsen

Entspannung am Mainzer Hauptbahnhof: Mit dem Ende der Sommerferien in Rheinland-Pfalz fahren fast alle Züge für Schüler und Pendler, im September soll dann der Fahrplan wieder eingehalten werden.

Obwohl sich die Situation gebessert hat, hält die Bundesnetzagentur an ihrer Drohung fest, die Bahn wegen der Zugausfälle mit einem Zwangsgeld von 250 000 € zu belegen. Für eine abschließende Bewertung müssten erst die kommenden Wochen abgewartet werden, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur.

Ursache für die Zugausfälle in Mainz ist die dünne Personaldecke auf dem Stellwerk, sagt Uwe Reitz, Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

18 Planstellen für Fahrdienstleiter

Für die rund 500 Züge, die täglich den Bahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt passieren, gibt es 18 Planstellen für Fahrdienstleiter. Diese Stellen sind auch alle besetzt, aber wegen längerer Krankheit und Vertretungen an anderen Stellwerken könnten nur elf Fahrdienstleiter eingesetzt werden, sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte. Da für den Drei-Schichtbetrieb insgesamt zehn Fahrdienstleiter gebraucht werden, könne nur einer Urlaub machen und es dürfe dann keiner krank werden.

Ab Herbst, so die Bahn, sollen in Mainz neun zusätzliche Fahrdienstleiter zur Verfügung stehen.

Es sind aber nicht nur Urlaub und Krankheiten, die für diesen Personalengpass bei Fahrdienstleitern verantwortlich sind. Gewerkschaftssprecher Reitz wirft der Bahn vor, dass sie den Bedarf an Fahrdienstleitern an elektronischen Stellwerken ausrichte, für die weniger Personal vorgesehen sei. Doch wurden diese elektronischen Stellwerke nicht in dem geplanten Umfang gebaut. „Die Personalplanung erfolgt offenbar nach Budget, nicht nach Bedarf.“

Hoher Krankenstand

Dass Fahrdienstleiter ihren Urlaub abbrechen, komme schon länger vor, sagt Reitz. Durch „starke Belastungen und eine hohe Zahl von Überstunden“ sei der Krankenstand unter den Fahrdienstleitern hoch. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner verweist darauf, dass im gesamten Bahn-Konzern 8 Mio. Überstunden und 9 Mio. Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen sind.

Die Pannen in Mainz sind gravierend. Kleinere Beeinträchtigungen gab es z. B. auch in Berlin (Halensee, Tempelhof), in Zwickau und Bebra. So soll die DB Netz AG 100 000 € zahlen, weil sie eine zugesagte Trasse bei Bebra nicht ordnungsgemäß zur Verfügung gestellt habe.

Stellwerke elektronisch zusammen legen

Die Bahn hält die bundesweit mehr als 12 000 Fahrdienstleiter bei der DB Netz AG für ausreichend. „Damit ist der Eisenbahnbetrieb auf Deutschlands Schienen gewährleistet.“ Derzeit baut die Bahn Puffer auf, etwa um Personalabgänge auszugleichen. In diesem Jahr sollen 600 Fahrdienstleiter eingestellt werden, darunter 340 zusätzliche Kräfte. Wie viele Fahrdienstleiter insgesamt gebraucht werden, hängt vor allem von der Zahl der Züge ab, heißt es bei der Bahn.

Das Unternehmen geht davon aus, dass durch Elektronik mehrere Stellwerke zusammengelegt werden können und damit weniger Arbeit anfällt. Die Gewerkschaft befürchtet jedoch, dass dann die Arbeit mehrerer Fahrdienstleiter auf weniger Beschäftigte konzentriert werde. Unter dem Strich steige dadurch die Arbeitsbelastung, sagt Gewerkschaftssprecher Reitz.

Den unmittelbaren Einsatz von Springern, um Lücken infolge von Urlaub oder Krankheit zu schließen, beurteilt die Bahn zurückhaltend. Jeder Mitarbeiter sei für eine spezielle Stellwerktechnik ausgebildet, z. B. für mechanische, für Relais- oder elektronische Stellwerke, und müsse erst „auf die örtlichen Besonderheiten eingearbeitet werden“.

Die Zugausfälle in Mainz nehmen Bahn-Vorstand und Gewerkschaft zum Anlass, die Dienstpläne des gesamten Unternehmens zu überprüfen. „Wir haben uns vorgenommen, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Dann werde sich zeigen, wo Neueinstellungen notwendig seien. Bis Mitte Oktober sollen die Ergebnisse der Überprüfung vorliegen. 

Von has/dpa Tags:

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