Streckensperrungen drohen 04.11.2013, 13:05 Uhr

Deutsche Bahn fordert Bundesgelder für Netzsanierung

Bahnchef Rüdiger Grube fordert vom Bund eine zusätzliche Finanzspritze von einer Milliarde Euro. Ansonsten müssten in wenigen Jahren Streckenteile schlimmstenfalls gesperrt werden.

Die Deutsche Bahn benötigt dringend mehr Geld zur Pflege des Schienennetzes.

Die Deutsche Bahn benötigt dringend mehr Geld zur Pflege des Schienennetzes.

Foto: dpa

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist rund 34 000 Kilometer lang, unterfinanziert, mangelhaft gepflegt und in wenigen Jahren so marode, dass Strecken gesperrt werden müssen. Das hätte für jährlich rund zwei Milliarden Bahnreisende und die Wirtschaft katastrophale Folgen. Deswegen hat Bahn-Chef Rüdiger Grube die Bundesregierung jetzt aufgefordert, die Investition in das Bestandsnetz um eine Milliarde Euro zu erhöhen. „Wenn wir das Schienennetz in der heutigen Qualität sichern wollen, brauchen wir über vier Milliarden Euro pro Jahr“, sagte er in einem Bericht des Spiegel. Die Bahn wolle sich an der Pflege des Netzes beteiligen, sei dabei aber zwingend auf diese Unterstützung angewiesen. Ohne Finanzspritze steigt die Unterfinanzierung der Gleise, Weichen und Stellwerke von derzeit 20 auf über 50 Milliarden Euro im Jahr 2020.

„Der Appell von Bahnchef Rüdiger Grube an die Bundespolitik kommt zwar reichlich spät, aber hoffentlich nicht zu spät“, nimmt Gerd Aschoff, Bundesvorsitzender von Pro Bahn, in einer Pressemitteilung Stellung. „Wir hoffen, dass die künftigen Koalitionäre von SPD und Union das Problem erkennen, benennen und die nötigen Gelder zur Verfügung stellen.“ Pro Bahn fordere die Deutsche Bahn gleichzeitig auf, ihrerseits Erlöse aus Stations- und Trassenpreisen für beschleunigte Investitionen bereitzustellen.

Bahn investiert in neue Schienenschleifmaschinen

Bereits im Mai 2013 hat die Deutsche Bahn für die Sanierung des Bestandsnetzes zwei neue Schienenschleifmaschinen gekauft. Diese bestehen aus jeweils vier Einzelfahrzeugen mit einer Gesamtlänge von über 80 Metern. „Mit 60 Schleifsteinen haben die neuen Maschinen eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit. Außerdem sind sie in der Lage, Hindernisse wie Magneten am Gleis zu umschleifen“, erklärt Frank Sennhenn, Vorstandsvorsitzender der DB Netz AG. Im Vergleich zu bisherigen Maschinen könne man die Arbeitsgeschwindigkeit sogar von sechs auf zwölf Kilometer pro Stunde verdoppeln. „Damit können wir die heute erforderlichen Sperrzeiten beim Schienenschleifen deutlich reduzieren und die Verfügbarkeit der Netze erhöhen.“ Kostenpunkt einer solchen Maschine: rund 20 Millionen Euro.

Moderne Stellwerke könnten Leistungsfähigkeit des Netzes erhöhen

Trotz aller Finanzprobleme forscht die Bahn gemeinsam mit Siemens an neuer Technologie. Im Sommer 2013 testeten beide Unternehmen in einem Pilotprojekt in Annaberg-Buchholz eine neue Stellwerkstechnik, die mit geringerem Aufwand steuerbar sein soll als gängige elektronische Stellwerke. Vision der Ingenieure ist ein IP-basiertes Ministellwerk, das sich von jedem Punkt der Welt steuern und überwachen lässt. „Intelligente Kommunikationstechnik und die damit einhergehende Standardisierung und Modularisierung der Technik sind richtungsweisend für die kommenden Jahre“, sagt Hansjörg Hess, Produktions-Chef der DB Netz AG, in einer Presseinformation. „Sie erlauben uns, den Verkehr auf der Schiene wirtschaftlicher, ressourcenschonender sowie für unsere Kunden leistungsfähiger zu gestalten.“ 

Von Patrick Schroeder Tags:

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