Bahn 11.06.1999, 17:21 Uhr

Der EU-Logistikzug nimmt Fahrt auf

Flexible Logistik ist für die Deutsche Bahn kein Fremdwort mehr. Ihr Güterverkehrsbereich DB Cargo liefert dafür auf der „transport “99″ in München vielfältige Belege. Auch wenn die Anforderungen von Fall zu Fall wechseln, sollen individuelle Lösungen künftig auf der Schiene möglich sein.

Hinter den Kulissen von DB Cargo „pulsiert die Veränderung“, verrät Dr. Eberhard Sinnecker im Vorfeld der 7. Internationalen Fachmesse für Logistik, Telematik, Güter- und Personenverkehr „transport ´99“ (8. bis 12. Juni) in München. Für den Chef der Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn AG, Frankfurt/Main, steht fest: „Der Weg führt weg vom produktionsbezogenen Verkauf, hin zur Spezialisierung in Marktbereichen mit umfassender Branchen- und Kundenkenntnis.“ Und die fünf Marktbereiche – Montan, Baustoffe/Entsorgung, Chemische Produkte/Mineralöl/Düngemittel, Industriegüter sowie Kaufmannsgüter, Land- und Forstwirtschaft – müssen sich im europaweiten Wettbewerb behaupten. Schon heute betrifft dabei nahezu die Hälfte aller Aktivitäten und Leistungen von DB Cargo grenzüberschreitende und internationale Transporte, mit kräftig steigender Tendenz.
Logistik ist in jedem Marktbereich anders definiert. Das erscheint nicht unverständlich denn die Bedürfnisse für die Distribution von Hygienepapier sind erkennbar andere als für Dienstleistungen beim Transport von Gefahrgut oder rund um Kohle und Stahl. Doch übereinstimmend gelten europäisch gesamtheitliche Konzepte aus einer Hand als Schlüssel für eine erfolgreiche Fahrt in die Zukunft. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen internationalen Transport- und Logistikdienstleistungen sowie leistungsfähigen Komplettangeboten wird auch künftig steigen“, prophezeiht beispielsweise Klaus Schymke, Marketingchef des Bereichs Kaufmannsgüter, Land- und Forstwirtschaft. Sein Marktsegment hat besonders augenfällige Logistikdienstleistungen vorzuweisen. So rollte kürzlich der 1000. Güterzug, beladen mit Kleinholz, sogenannten „Hackschnitzeln“, vom schwäbischen Herbertingen durch die Schweiz nach Italien. Dort wird das Recyclingholz zu Spanplatten für die Möbelherstellung verarbeitet.
Das Logistikkonzept, an dem neben den Bahnen das Empfangsunternehmen Mauro Saviola und die Spedition Kühne & Nagel beteiligt sind, umfaßt das Sammeln der Güterwagen von 15 Stationen, die Bündelung zu zwei bis drei Ganzzügen täglich, die kontinuierliche Anlieferung am Ziel und die Bereitstellung von Wagen, die optimal an das spezifisch leichte Ladegut angepaßt sind. Anfangs liefen die Transporte in erheblichem Umfang auf der Straße. Dank ihrer den Erfordernissen exakt angepaßten Logistikleistungen konnten die Bahnen hier schon 80 % Anteil für die Schiene gewinnen.
Bevor sich Logistik im internationalen Geschäft etablieren läßt, muß sie auf dem Heimmarkt funktionieren. Auch daraus hat DB Cargo Lehren gezogen und Büros, Lager und logistische Stützpunkte weitgehend flächendeckend in Deutschland eingerichtet. Inzwischen weitet sich der Horizont: In Berlin arbeitet seit Herbst 1998 das Logistikbüro Osteuropa. Manfred Rakowski, einer seiner Experten, hat starke Argumente: „Für hochwertige Güter organisieren wir sogar Eskorten oder ständige Laufüberwachung mit einem täglichen Statusbericht an den Kunden“. Zum Grundangebot zählten neben dem Transport vor allem Verpacken, Umschlag, Lagerung, Vor- und Nachlauf auf der Straße in den GUS-Staaten und einer Reihe von Ländern Asiens.
Für derartige Leistungen im Ausland sind zuverlässige und starke Partner nötig. Nicht zuletzt deshalb gehen die Bahnen strategische Bündnisse ein. Für den Verkehr via Ostsee nach Finnland und weiter in die GUS hat DB Cargo erst kürzlich eine Kooperation mit der Finnischen Bahn und der Reederei Finnlines/Finncarriers vereinbart. „Die Rußlandkrise hat uns zurückgeworfen, doch wir sind auf bestem Weg“, bekräftigt Hartwig Dahlem, vor Ort in Lübeck seit langen Jahren für den Railship-Verkehr über die Ostsee engagiert. Schon die Bundesbahn habe die Bedeutung logistischer Leistungen erkannt, doch erst DB Cargo zeige genügend Rückgrat, sie auch selbst zu erbringen und aus einer Hand anzubieten.
Starke Partner haben sich in einer Reihe von Relationen bereits gefunden. Neben der Kooperation mit der Finnischen Bahn zur Optimierung der Verkehre via Ostsee nach Finnland und weiter in die GUS zählt Sinnecker noch weitere wichtige Kooperationen auf: „Mit der niederländischen NS Cargo gründet DB Cargo eine neue europäische Eisenbahn mit dem Arbeitstitel Rail Cargo Europe. Hinzugekommen ist eine Beteiligung an POLZUG, dem Marktführer von regelmäßigen Containertransporten zwischen den deutschen Seehäfen und Polen in Partnerschaft mit der Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft (HHLA) und der Polnischen Staatsbahn (PKP). Mit dem italienischen Unternehmen Sifte Berti, einem Mitglied der internationalen Logistik-Kooperation „TEAM – Trans European Alliance Members“ wurde Zusammenarbeit vereinbart, um Terminal-Leistungen sowie logistische Zusatzleistungen wie Lagerung und Straßentransport optimiert anbieten zu können. Die Kooperation mit der BLS Lötschbergbahn zielt auf Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung im Schienengüterverkehr zwischen Mitteleuropa und Italien über die Lötschbergachse. Schließlich arbeitet DB Cargo auch mit der Mittelthurgaubahn in der Ostschweiz zusammen“.
Wenn nötig, kümmert sich DB Cargo verstärkt auch selber im Ausland um die Qualität der logistischen Leistungen. Jüngstes Beispiel ist der „Audi-Express“ zwischen Ingolstadt und dem ungarischen Györ, an dem vier Bahnen beteiligt sind: neben DB Cargo die Österreichischen Bundesbahnen, die Ungarische Staatsbahn und die private Raab-Ödenburg-Ebenfurter Eisenbahn (GySEV). Der Routenmanager in Ingolstadt hat jetzt am anderen Ende der fast 600 km langen Transportkette einen Partner für den östlichen Teil, wofür DB Cargo den Bahnhofsvorsteher von Hegyeshalom als Insider unter Vertrag genommen hat. Bis zu drei Züge täglich laufen inzwischen in beiden Richtungen, ein vierter ist bereits in Vorbereitung.
„Noch nicht am Ende der Zufriedenheit“ sieht sich Wilfried Kramer, Marktbereichsleiter für Industriegüter, mit der rollenden Transportkette zwischen Deutschland und Spanien: „DB Cargo will europäisch gesamtheitliche Konzepte aus einer Hand anbieten. Kooperative und zuverlässige Partner im Ausland spielen dabei eine Schlüsselrolle. Eine Mitarbeiterin aus unserer Mainzer Zentrale analysiert gegenwärtig in Paris genau die Verkehrsströme nach Spanien, besonders im Automobilverkehr, aber auch für Weißware. Wo Partner nicht ausreichen, werden wir zunehmend Kompetenz ins Ausland verlagern, die bestehenden Generalvertretungen stärken und mit eigenen Leuten vor Ort sein“. An der „trockenen Grenze“ zur GUS hat sich DB Cargo zum Beispiel schon ein eigenes Standbein geschaffen: Im weißrussischen Brest am West-Ost-Korridor Berlin – Moskau kümmert sich der einheimische Wladimir Budko als Leiter einer neuen DB Cargo-Agentur um die Anliegen der Kunden.
RALF ROMAN ROSSBERG
Eberhard Sinnecker will auf der „transport “99″ ein mit Shell und Kombiwaggon entwickeltes paneuropäisches Kesselwagen-Management-Projekt vorstellen.
Bremen-Roland – leistungsfähiger Umschlagterminal für Seehafen-Hinterlandverkehre und Startpunkt für Shuttle-Züge im Alpen-Transit.

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