Mobilfunk in der Bahn 12.11.2013, 11:40 Uhr

Das Handy bleibt in Regionalzügen zu oft stumm

Ungestörtes Telefonieren und Surfen in Regionalzügen ist unmöglich, weil das Funknetz Lücken und Schwachstellen hat. Selbst Verstärker helfen nicht zuverlässig, wie Messungen jetzt gezeigt haben.

Idylle ja, Handyverbindung nein: Bei Fahrten mit Regionalzügen werden Mobilfunktelefonate sowohl auf Strecken durch Wohngebiete als auch auf Strecken durch Wald und Feld wegen zahlreicher Versorgungslücken immer wieder unterbrochen.

Idylle ja, Handyverbindung nein: Bei Fahrten mit Regionalzügen werden Mobilfunktelefonate sowohl auf Strecken durch Wohngebiete als auch auf Strecken durch Wald und Feld wegen zahlreicher Versorgungslücken immer wieder unterbrochen.

Foto: Bombardier Transportation GmbH

Der Anruf kommt aus einem fahrenden Zug. Nach wenigen Minuten sagt der Anrufer: „Da kommt ein Tunnel.“ Wer Erfahrung hat weiß, was folgt. Das Gespräch bricht zusammen. In fast allen Tunneln der Deutschen Bahn gibt es keinen Empfang, was auch für die Mehrzahl der Straßentunnel gilt.

Dass das Mobiltelefon im Tunnel stumm bleibt und die Verbindung ins Internet abbricht leuchtet wohl jedem ein. Was nicht einleuchtet: Das passiert auch auf freier Strecke. Längst nicht jeder der 33 000 Gleiskilometer in Deutschland liegt im Einzugsbereich einer Funkzelle. Nötig wären zur Abdeckung 1750 Sende- und Empfangsstationen pro Netzbetreiber, hat Connect  ermittelt, Europas größtes Magazin für Telekommunikation.

Die Bahn wollte es genau wissen. Deshalb beauftragte sie das im Testen der Netzversorgung erfahrene Unternehmen P3 communications. Es prüfte auf zwei repräsentativen Strecken die Qualität der Mobilfunkversorgung: Zwischen Münster und Essen und zwischen Halle und Uelzen. Die erste Verbindung führt weitgehend durch bewohntes Gebiet, ist also mobilfunkmäßig gut versorgt, die zweite durch weitgehend ländliches Gebiet.

In den Fahrzeugen, in denen gemessen wurde, befanden sich Repeater, das sind Verstärker, die die Mobilfunksignale mit Hilfe einer Außenantenne einfangen und ins Zuginnere lenken und umgekehrt. Denn die Metallhülle der Waggons schwächt die elektromagnetischen Wellen. Allerdings waren die Repeater nicht auf dem neuesten technischen Stand.

Das Ergebnis: Sowohl auf der Strecke durch Wohngebiete als auch auf der durch Wald und Feld gab es zahlreiche Versorgungslücken. Die Repeater verschlechterten teilweise die Empfangsqualität, weil sie für die neuen Netze nicht ausgelegt waren. Probleme gab es auch beim Handover, also der automatischen Übergabe von einer Funkzelle zur anderen. Das funktioniert bei schwachen Signalen nicht zuverlässig. Die stark schwankende Übertragungsleistung bekommen vor allem Internetnutzer schmerzlich zu spüren.

Das superschnelle Netz LTE könnte helfen

Die Netzbetreiber scheuen sich, zusätzliche Sende- und Empfangsstationen zu bauen, an denen nur zweimal pro Stunde vielleicht 500 Menschen vorbeirauschen, von denen nur wenige telefonieren oder surfen. Das spiele kaum die Stromkosten ein, argumentieren sie. Ein wenig Abhilfe könnte das neue superschnelle Netz LTE bringen, dessen Zellen weitaus größere Flächen versorgen als beispielsweise das gängige UMTS-Netz. Ansonsten müssen sich Bahnfahrer zumindest in Zügen des Nahverkehrs mit dem wackligen Netz abfinden.

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