Hochgeschwindigkeitszüge 10.12.2013, 07:00 Uhr

China will seine Schnellbahn auch nach Großbritannien verkaufen

Wenige Wochen nachdem es der chinesischen Nuklearwirtschaft gelungen ist, sich an zwei britischen Kernkraftwerks-Neubauten als Juniorpartner der Franzosen zu beteiligen, drängt die chinesische Bahnindustrie ebenfalls nach Großbritannien. Sie will ihre selbst entwickelten Hochgeschwindigkeitszüge in Europa einführen.

Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug CRH 380A in Shanghai: China will mit seinen bis zu 500 km/h schnellen Zügen auch den europäischen Markt erschließen. Der CRH 380A erreicht langfristige Reisegeschwindigkeiten von bis zu 380 km/h. 

Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug CRH 380A in Shanghai: China will mit seinen bis zu 500 km/h schnellen Zügen auch den europäischen Markt erschließen. Der CRH 380A erreicht langfristige Reisegeschwindigkeiten von bis zu 380 km/h. 

Foto: Wikipedia

Das besondere Interesse der chinesischen Bahnindustrie an Großbritannien hat zwei Gründe: Erstens ist Großbritannien das einzige größere Land in Europa, das selbst keine Hochgeschwindigkeitszüge baut. Deutschland und Frankreich dominieren die Branche in Europa. Spanien und Italien sind ebenfalls etabliert. Zweitens wird in Großbritannien derzeit der Bau von wichtigen Hochgeschwindigkeitsstrecken – den HS2-Strecken –, die London mit Leeds und Manchester verbinden sollen, vorbereitet. Für diese Strecken werden die schnellen Züge benötigt, wie sie die Chinesen gerne liefern möchten.

In Großbritannien gibt es bisher eine Hochgeschwindigkeitstrecke von London zum Kanaltunnel, die mit französischen Zügen befahren wird. In zwei bis drei Jahren will hier die Deutsche Bundesbahn Züge aus Deutschland nach London fahren lassen. Auf der gleichen Strecke fahren auch Pendlerzüge zwischen London und der Küste, die immerhin Fahrgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern erreichen. Sie sind von Hitachi aus Japan gebaut und geliefert worden.

Das Beispiel Hitachi reizt die Chinesen

Hitachi ist für die chinesische Industrie ein Erfolgs-Musterbeispiel. Der japanische Konzern hat den Einstieg in den europäischen Markt über Großbritannien geschafft und baut gegenwärtig ein Werk, um in Großbritannien auch selbst produzieren zu können. Dabei geht es den Japanern aber um besonders schnelle Züge für den Kurzstreckenverkehr.

Die Chinesen möchten dagegen den japanischen Erfolg bei Hochgeschwindigkeitszügen wiederholen. Wie aus verschiedenen chinesischen Erklärungen zu entnehmen ist, ist die dortige Industrie durchaus bereit, für den Markteintritt in Europa einen relativ hohen Preis zu zahlen. Das bedeutet zum einen die Anpassung ihrer eigenen Züge an europäische Vorstellungen und Bedürfnisse und zum anderen wohl auch zumindest die Montage der Komponenten aus China in einem britischen Werk, das später dann auch andere europäische Märkte beliefern soll.

Europäer sollen zuliefern

Die Züge, die die Chinesen verkaufen wollen, sind ausdrücklich keine Magnetschwebezüge. Es handelt sich vielmehr um jene Lokomotiven und Waggons, die inzwischen innerhalb der Volksrepublik ein schon relativ dichtes Netz von Strecken mit Geschwindigkeiten von 250 bis 300 Kilometern in der Stunde befahren. Die elektrisch angetriebenen Züge sollen für den britischen Markt mit jener Stromart und -stärke geliefert werden, für die sich die Briten bei den Neubaustrecken entscheiden. Das Gleiche gilt auch im Blick auf die Signaltechnik. In beiden Fällen ist davon auszugehen, dass die chinesische Bahnindustrie dabei gewollt oder ungewollt auf größere europäische Zulieferungen setzen muss.

Die chinesischen Chancen werden recht unterschiedlich beurteilt

Zumindest innerhalb der britischen Eisenbahnunternehmen werden die Chancen der Chinesen auffällig unterschiedlich beurteilt. Das eine Lager setzt darauf, dass die Regierung viel tun wird, um den Chinesen entgegenzukommen. Das andere Lager geht davon aus, dass den für die Auftragsvergabe Zuständigen das Risiko, die Züge von den Chinesen bauen zu lassen, zu groß sein wird. Eine gelegentlich diskutierte Zweiteilung des anstehenden Auftrags in einen chinesischen und einen nicht-chinesischen Teil wird als wenig attraktiv angesehen, weil das nur die Kosten in die Höhe treiben würden.

Von Peter Odrich Tags:

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