Verkehr 18.06.2010, 19:47 Uhr

Busse und Bahnen befördern auch Wachstum

Mit Erleichterung haben die Verkehrsunternehmen im Branchenverband VDV auf ihrer Jahrestagung in München begrüßt, dass die Sparklausur der Bundesregierung den Rotstift vorerst nicht beim öffentlichen Verkehr ansetzen wird. Der VDV verwies auf eine aktuelle Studie, die ergeben habe, dass jeder in den ÖPNV investierte Euro eine Wertschöpfung von fast 5 € generiere.

Täglich bringen Busse und Bahnen in Deutschland rund 28 Mio. Menschen zur Arbeit, in die Schule, zum Einkaufen und zu ihren Freizeitaktivitäten regionale Güterbahnen transportieren rund 1,8 Mio. t Güter überwiegend im ländlichen Raum. Diese Aufgaben bewältigen 600 vielfach kommunale Betriebe, die im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zusammengeschlossen sind. Auf ihrer Jahrestagung am 8. Juni München erörterten rund 800 Experten die aktuellen Herausforderungen ihrer Branche.

„Der ÖPNV, der öffentliche Personennahverkehr, ist rentabel“, behauptete VDV-Präsident Jürgen Fenske gleich einleitend. Das ließ aufhorchen im Hinblick auf die Milliarden, die jährlich aus öffentlichen Kassen für Busse und Bahnen gezahlt werden.

„Über die enge betriebswirtschaftliche Sichtweise zahlen sich Investitionen in den ÖPNV gesamtwirtschaftlich aus“, so Fenske. Eine Nürnberger Studie habe ergeben, dass jeder in den ÖPNV investierte Euro eine Wertschöpfung von fast 5 € generiere. Das liege an den 500 000 Arbeitsplätzen und an den hohen Investitionen und Vorleistungen der Verkehrsunternehmen in der Größenordnung von 12 Mrd. € im Jahr.

„Das wirtschaftliche Gesamtvolumen von 32 Mrd. € ist mit dem von Industriesektoren wie der chemischen Industrie oder dem Metallgewerbe vergleichbar“, so der VDV-Präsident. Busse und Bahnen beförderten auch das Wirtschaftswachstum. Dabei arbeiteten sie zunehmend eigenwirtschaftlich: Konnten im Jahr 2000 nur 68 % der Kosten durch Fahrgeldeinnahmen gedeckt werden, seien es 2008 schon 77 % gewesen.

„100 % Kostendeckung können wir nie erreichen, wenn wir überall in Deutschland bezahlbare Mobilität gewährleisten sollen“, machte Fenske klar hier bleibe der Staat gefordert. Er müsse weiter seinen Beitrag zur Erhaltung und zum Ausbau der Infrastruktur sowie für den Betrieb leisten. Dabei seien diese Bereiche schon bisher „chronisch unterfinanziert“ gewesen.

Allein beim ÖPNV habe sich ein Sanierungsrückstand von 2,35 Mrd. € aufgestaut, der am Zustand von Strecken, Bahnhöfen und Haltestellen deutlich werde. Zum Aufholen dieses Rückstands seien ein Sonderprogramm des Bundes mit jährlich 480 Mio. € von 2011 bis 2015 und danach ein jährlicher Betrag von 330 Mio. € erforderlich, wenn laut Fenske „Busse und Bahnen nicht dauerhaft zum Sanierungsfall werden sollen“.

Weitere 150 Mio. € benötigten die Gleise der Güterbahnen. Um den ÖPNV im bisherigen Umfang aufrechtzuerhalten, müssten die Regionalisierungsmittel zum Ausgleich der Teuerung jährlich um 2,5 % erhöht werden. Schließlich seien die Investitionen in neue Strecken und Betriebsanlagen, die im Hinblick auf den prognostizierten Verkehrszuwachs vor allem in den Städten schon heute angegangen werden müssten, wieder auf eine zuverlässige Grundlage zu stellen wie früher beim GVFG, dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz.

Diese Bilanz vor dem Hintergrund des Sparzwangs im Bundeshaushalt ließ für Optimismus wenig Spielraum. Auch Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium vertiefte das Thema nicht und verwies darauf, dass „erfolgreiche Innovationen im Bereich von Bussen und Bahnen auch im Ausland wahrgenommen werden und für den Technologiestandort Deutschland neue Exportchancen eröffnen“.

In der Technik richtet sich besonderes Augenmerk auch beim ÖPNV auf die Elektromobilität. Dass sie in München schon vor mehr als 100 Jahren mit der ersten elektrischen Straßenbahn begann, merkte Oberbürgermeister Christian Ude an und rückte damit die gegenwärtig meist ausgeblendete Tatsache in den Blickpunkt, dass auf der Schiene 90 % der Güter und jeder dritte Fahrgast mit einer elektrischen Bahn oder einem O-Bus unterwegs sind.

Bis ein Elektrobus ohne Oberleitung seinen Tagesbedarf an Energie mit sich führen kann, würden wohl noch zehn Jahre vergehen, erklärte Dr. Eberhard Christ, beim VDV für den Busverkehr zuständig.

Auf der VDV-Tagung verdeutlichte Münchens Verkehrs-Chef Herbert König, dass auch die fortschrittlichen Hybridbusse, von denen bald rund 160 bei 23 Betrieben in Deutschland getestet werden sollen, noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt seien so habe zwar die Rückgewinnung der Bremsenergie den Kraftstoffverbrauch gesenkt, doch die nicht mehr mit der Abwärme des Verbrennungsmotors mögliche Wagenheizung im letzten strengen Winter in München zu einem leicht höheren Energieverbrauch geführt. Für den Dauerbrenner E-Ticket hat der VDV mit seiner „Kernapplikation“ die Standards festgelegt, um eine technisch einheitliche Nutzbarkeit zu gewährleisten. Überregionale Verbreitung lässt indessen auf sich warten.

Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) soll, wie Geschäftsführer Prof. Knut Ringat ankündigte, der Fahrschein aus Papier ab 2011 durch das E-Ticket ersetzt werden. Die vom Wettbewerb geprägten Vorgaben der EU zwingen in Deutschland zu einer Anpassung und damit zur Neufassung des Personenbeförderungsgesetztes (PBefG). Auch dieses Thema bildete einen Schwerpunkt der Münchner Tagung.

Dass sich Ende 2009 VDV und BDO, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, auf ein Eckpunktepapier verständigt haben, gilt bereits als Weichenstellung. Ziel ist hier vor allem Rechtssicherheit bei der Auftragsvergabe und die Erhaltung bewährter deutscher Regelungen. RALF R. ROSSBERG

Von Ralf R. Rossberg
Von Ralf R. Rossberg

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