Bahn 26.08.2005, 18:40 Uhr

Aufgemöbelt für mehr Bequemlichkeit  

Nach 14 Jahren Betriebseinsatz und durchschnittlich 7 Mio. km Fahrleistung unterzieht die Deutsche Bahn ihre 59 Züge der 1. ICE-Generation einer umfassenden Modernisierung. Seit ein paar Tagen „fegt“ der erste Runderneuerte wieder mit Fahrgästen über die Schienen.

Die erste Serie der weißen Intecityexpresszüge ging 1991 an den Start, als die neuen Strecken Hannover – Fulda – Würzburg und Mannheim – Stuttgart fertig waren. Seither haben die Züge im Schnitt je 7 Mio. km zurückgelegt. Ihr guter Allgemeinzustand legte nahe, sie für eine zweite Halbzeit fit zu machen, hieß es bei der Deutschen Bahn (DB). Das übernimmt nun das DB-eigene Bahnwerk Nürnberg, das den ICE von Anfang an in Stand zu halten hatte: „Alternativen waren die Beschaffung neuer Züge oder die Modernisierung durch die Industrie“, erläuterte Werkdirektor Dietmar Pötzsch im Gespräch.

Die Möglichkeit, Erneuerung und gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung miteinander zu verbinden, habe Kostenvorteile bei Ausführung im eigenen Unternehmen ergeben. So sei das Nürnberger Werk, dessen Stilllegung oder Verkauf schon besiegelt schien, zu dem Auftrag von geradezu industrieller Dimension gekommen. Pötzsch gibt sich überzeugt, dass damit auch die Zukunft des Werks nicht mehr infrage steht und nun die über 300 Arbeitsplätze in Nürnberg gesichert sind.

Die Züge würden mit dem „Redesign“ für weitere zehn bis 15 Jahre einsatzfähig gemacht. Um das zwischen 2005 und 2008 nach strengen Ablaufplänen zu schaffen und dabei den Kostenrahmen einzuhalten, hätten zunächst im Werk die Voraussetzungen geschaffen werden müssen: Sanierung der Halle und ihrer Einrichtungen, Optimierung der Beleuchtung mit Tageslicht, Anschaffung von Werkzeugmaschinen und der nötigen Messtechnik.

Das auf 180 Mio. € veranschlagte Projekt umfasst insgesamt 118 Triebköpfe und 708 Wagen. Sie werden zunächst völlig entkernt, wobei aus jedem bis zu 12 000 Einzelteile auszubauen sind. Weil seinerzeit mehrere Hersteller ohne Beachtung der alten Grundsätze des Austauschbaus an der Fertigung beteiligt waren, müssten jetzt alle Teile, soweit sie nicht durch neue ersetzt werden, nach der Aufarbeitung an der selben Stelle wieder eingebaut werden, an der sie sich vorher befanden. „Das bedeutet eine Menge Aufwand zur Kennzeichnung und Registrierung samt eigener Logistik beim Durchlauf durch Reinigung, Instandsetzung, Prüfung und Zwischenlagerung“, erläuterte Pötzsch.

Wesentliche Teile der Innenausstattung werden jedoch neu beschafft. So erhalten die Fahrgastbereiche nicht nur ein gewandeltes Design, das sich an den neuesten ICE 3 anlehnt, sondern auch ganz neue Sitze, Bodenbeläge, Tische oder elektronische Reservierungs-Displays. Zwar wird die Produktivität durch mehr Sitzplätze erhöht, doch gehe diese größere „Packungsdichte“ nicht zulasten der Beinfreiheit und damit des Komforts, sondern werde durch die wesentlich schlankere Bauart der neuen Sitze erreicht, so die Bahn.

Eine gute Botschaft verkündet die Deutsche Bahn auch für alle, die im Speisewagen einen unverzichtbaren Teil der Reisekultur sehen: „Nicht nur im erneuerten ICE 1 wird es wieder den – ebenfalls modernisierten – Speisewagen geben, auch in den übrigen Fernzügen soll dieser Service nicht weiter eingeschränkt werden.“

Verzichtet wird aber im erneuerten ICE auf Audio- und Video-Plätze: „Auf die haben die Reisenden am wenigsten Wert gelegt“, begründete Pötzsch die Entscheidung. Dafür wird es künftig an jedem Platz eine Steckdose für den Laptop geben. Durch Einsatz standardisierter Komponenten und effizienter Beschaffungsprogramme hätten sich die Kosten für die neuen Komponenten um bis zu 40 % drücken lassen.

Auch hinter der sichtbaren Fassade müsse eine Menge getan werden, um die Lebensdauer zu verdoppeln. So erhielten alle Triebköpfe, gewissermaßen die Lokomotiven des ICE, neue Drehgestellrahmen, überarbeitete Hardware-Komponenten der Bremse, modernere Gleitschutzgeber sowie verschiedene Anpassungen in der Software. Die Energieversorgung der Klimaanlagen werde völlig dem Stand der Technik angepaßt.

Der Zugumbau „bringt uns immer noch neue Erkenntnisse und hilft, Erfahrungen zu sammeln“, sagte Werkleiter Pötzsch. In den Fahrten des ersten runderneuerten ICE, der in den letzten Tagen in den Einsatz ging, erhielten die Passagiere nun „schon einen Vorgeschmack auf die neuen Züge“. Im Herbst beginne dann die Serienumrüstung der weiteren 58 ICE-Züge. Jeweils zwei können gleichzeitig modernisiert werden, was jeweils rund fünf Wochen in Anspruch nehme und die Durchführung der anstehenden Revision einschließe. Auf diese Weise ließen sich auch möglichst viele Züge im Betriebseinsatz belassen.

Spätestens zum Fahrplanwechsel 2008 sollen alle 59 ICE 1 den „Jungbrunnen“ durchlaufen haben, wieder auf den Schienen stehen und in ihr „zweites Leben“ starten. Alle sollen dann aus zwölf Wagen bestehen: vier 1. Klasse, Speisewagen und sieben 2. Klasse zur Erleichterung der Einsatzplanung gebe es keine Züge mehr mit nur elf Wagen. Auch in Zukunft werde jeder ICE 1 rund 13 h täglich unterwegs sein und im Jahr 500 000 km fahren – etwa zwölf Mal rund um die Erde. RALF ROMAN ROSSBERG/WOP

Erneuerter ICE 1 fährt wieder mit Speisewagen

Von Ralf Roman Rossberg/Wolfgang Pester
Von Ralf Roman Rossberg/Wolfgang Pester

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