Verfahrenstechnik 08.08.2008, 19:36 Uhr

Ehrgeizig in Ruderboot und Studium  

ein Platz im Endlauf, vielleicht sogar einer auf dem Siegertreppchen, wenn am 17. August um 9.50 Uhr die Entscheidung in seiner Bootskategorie bei den Olympischen Spielen in Peking fällt. Die berufliche Karriere hat der Ingenieurstudent aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Tropisch heiß ist es an diesem vorletzten Trainingstag vor der Abreise nach Peking. Auf dem Hohenzollernkanal direkt vor der Haustür des Berliner Ruderleistungszentrums schaukelt ein Schlauchboot, in dem zwei ältere Damen erschöpft ihr Sonnenbad genießen und fassungslos verfolgen, wie Manuel Brehmer in sein Ruderboot steigt. Training ist Training, das gilt auch heute.

Im Winter staunt kaum jemand über die eiserne Disziplin des 1,86 m großen Modellathleten, denn dann ist er oft allein auf seinem Kanal, wenn der nicht gerade zugefroren ist. „Die Sieger des Sommers werden im Winter geboren“, sagt Manuel Brehmer und lächelt.

Die Frage, warum der Student der Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin das alles auf sich nimmt, war in diesem Winter schnell beantwortet: Peking. Mehr gibt es nicht zu sagen. Dabeisein bei den Olympischen Spielen, die zweiten seiner Karriere. 2004 in Athen kam ihm kurz vor den Rennen ein fiebriger Infekt in die Quere, am Ende landete er zusammen mit Ingo Euler im Doppelzweier Leichtgewicht (zwei Ruderer, vier Ruder, Team-Durchschnittsgewicht: 70 kg) auf einem enttäuschenden 13. Platz.

Grund genug, nochmals die extremen Belastungen von nervenaufreibender Ausscheidung und knallharter Vorbereitung auf sich zu nehmen: 25 Stunden Ruderzeit pro Woche. Bis zu zwei Stunden dauert eine Trainingseinheit, die so kräftezehrend ist, dass vor der nächsten mindestens sechs Stunden Erholung liegen müssen.

Hinzu kommen Bootspflege, Lauf-, Fahrrad- und Krafttraining sowie die Technikchecks durch das renommierte Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin, um auch die letzten biomechanischen Reserven herauszukitzeln.

Damit das alles nicht zu eintönig wird, werden Trainingslager eingebaut. 180 Tage pro Jahr ist Brehmer in den letzten zwölf Monaten unterwegs gewesen. Ein Geschäftsreisender in Sachen Rudererfolg. Allerdings ohne Geschäftssinn, wie fast alle Ruder-Spitzenkräfte, denn zu verdienen gibt es neben Ruhm und Ehre kaum etwas. Aufwandsentschädigung durch die Sporthilfe – das war“s.

„Wer kennt schon uns Ruderer“, fragt er lakonisch. Werbewirksame Medientypen wie Marcel Hacker sind die Ausnahme. Doch die große Publicity vermisst Manuel Brehmer nicht. „Ich bin ein ganz normaler Mensch, kann mich frei bewegen und werde zum Glück nirgendwo erkannt.“ Natürlich habe auch er Autogrammkarten, gerade vor Olympia werde er öfter von Sammlern angeschrieben. Auch nach den Rennen kommt schon mal jemand und fragt nach einer Unterschrift.

„Doch selbst wenn einer von uns Olympiasieger wird, sind wir spätestens nach zwei Wochen vergessen.“ Lukrative Sponsorenverträge würde er selbst bei diesem Traumergebnis nicht erwarten. Rudern bleibt auch im Erfolgsfall ein Zuschussgeschäft.

Wenn da nicht die tiefe innere Zufriedenheit über das Überwinden von Grenzen wäre, der Lohn für die sture Hartnäckigkeit, diesen Kanal auswendig zu lernen, Meter für Meter, immer wieder. Knüppelharte Arbeit, die vielleicht belohnt wird mit der Finalteilnahme in Peking, an einem perfekten Tag vielleicht auch mit einer Medaille.

Getan hat er dafür alles. Vor allem hat Brehmer verzichtet. Auch auf ein rasches Studienende, obwohl er nach einem Praktikum bei der Erdinger-Brauerei schon genau weiß, in welcher Branche er seinen Traumjob suchen muss.

Nächstes Jahr will er nach 20 Semestern sein Studium beenden. „Kein Studium light, wie es in den USA für Spitzensportler üblich ist, sondern ein ganz normales, wie für alle anderen auch.“ Auch darauf ist Manual Brehmer stolz, denn er will nichts geschenkt haben. Nicht die Peking-Teilnahme, nicht den Abschluss. Alles muss verdient sein, sonst zählt es nichts.

„Unsere Spitzensportler sind überdurchschnittlich gute Studenten“, sagt Martin Kiesler, als Sportbeauftragter an der TU Berlin zuständig für die 20 Spitzensportler, von denen zwei die Olympiateilnahme geschafft haben.

Eine noch unveröffentlichte Studie über die Sportler an der TU wird es in Kürze beweisen: Sie sind zumeist Ingenieurstudenten, ungemein zielstrebig, kennen keine Prüfungsangst und fallen seltener durch als der Durchschnitt, Studienabbrecher gibt es so gut wie nie.

Gleichwohl gibt es die Aushängeschilder nicht zum Nulltarif, und so kümmert sich Martin Kiesler bei den Professoren auch um alternative Prüfungstermine für die Sportler, wenn ihnen mal wieder ein Wettkampf im Weg steht. Ein Service, der sich herumspricht und weiteren Leistungssportnachwuchs anzieht.

Inzwischen hat der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband das Kooperationsmodell „Partnerhochschulen des Spitzensports“ entwickelt, dem viele Hochschulen angehören. 1200 studierende Athleten profitieren bei ihrem ständigen Spagat zwischen akademischen und sportlichen Herausforderungen.

Manuel Brehmer setzt die Sonnenbrille auf und zieht seine Kappe tief ins Gesicht. Mit scheinbar federleichten Schlägen entfernt er sich zügig von seinen beiden dahintreibenden Zuschauerinnen. Schnell erreicht er die leichte Rechtskurve in dreihundert Meter Entfernung. Kurz bevor er hinter der Biegung des Kanals verschwindet, blinken seine Ruderblätter im tief stehenden Sonnenlicht mehrmals golden auf. ANDREAS LEIMBACH

Der olympische Zeitplan

Zeitplan „Männer-Doppelzweier Leichtgewicht“ im Ruder- und Kanupark Shunyi in Peking mit den deutschen Teilnehmern Manuel Brehmer (Berlin) und Jonathan Koch (Gießen):
Vorläufe: Sonntag, 10. August, ab 9.20 Uhr (deutscher Zeit),
Hoffnungslauf: Dienstag, 12. August, ab 10.20 Uhr,
Halbfinale: Donnerstag, 14. August, ab 9.10 Uhr,
Finale: Sonntag, 17. August, ab 9.50 Uhr. A.L.

Quelle: Eurosport

Von A.L.

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