Umwelt 15.08.2003, 18:26 Uhr

Zeitbombe im Unterholz

Freiburger Feuerökologen beobachten das weltweite Feuergeschehen mit wachsender Besorgnis. Die wirtschaftlichen Schäden werden mit jedem Mal größer. Und nie zuvor stand dem Feuer so viel Brennmaterial zur Verfügung.

Flammendes Inferno. In Portugal brennt ein Drittel der Wälder, in Spanien sind es fast 10 000 ha. Vernichtet wurden in diesen Tagen auch tausende Hektar Wald in Südfrankreich, Kroatien und Griechenland. Hierzulande besteht vielerorts höchste Brandgefahr. Anhaltende Hitze lässt Feuer auch in Kanada und den USA wüten.
Jedes Jahr vernichten Brände weltweit 50 Mio. ha Wald – eine Fläche etwa so groß wie Frankreich – und zudem das Zehnfache an Gras- und Buschland. Vielerorts haben die Brände bedrohliche, unkontrollierbare Ausmaße angenommen.
Deutsche Feuerökologen vom Max Planck-Institut (MPI) für Chemie in Freiburg betrachten das weltweite Feuergeschehen mit wachsender Besorgnis. Die Wissenschaftler erforschen die Rolle des Feuers in der Natur, seinen Einfluss auf das Weltklima und betreiben das „Global Fire Monitor Center“, ein internationales Feuer-Frühwarnsystem unter dem Dach der Vereinten Nationen.
„Flammen können sinnvoll sein, wenn sie den Wald von zu viel totem Holz reinigen“, sagt Anja Hoffmann, Biologin von der MPI-Arbeitsgruppe Feuerökologie. „Aber heutzutage weiten sich die Waldbrände schnell zu nationalen Katastrophen aus.“
Noch nie stand dem Holz soviel Brennmaterial zu Verfügung wie heute. Besonders im Mittelmeerraum haben früher die meist durch Blitze ausgelösten Brände einen ökologisch wichtigen Zweck erfüllt: Sie reinigten Wald- und Buschland von zu viel Totholz, junge kräftige Bäume wuchsen nach. Regelmäßig legten Bauern und Hirten kleine kontrollierte Brände. „Durch die Landflucht sind die Wälder verwahrlost. Brennt es, bleiben die Flammen nicht am Boden und es entstehen die besonders heißen und alles vernichtenden Baumkronenfeuer“, sagt Hoffmann.
Dazu kommt die Zersiedelung. „Immer mehr Hotels und Freizeitanlagen werden mitten in die Landschaft gebaut. So wird auch der wirtschaftliche Schaden bei einem Waldbrand immer größer“, erklärt die Biologin.
Immer häufiger ist der Mensch schuld. Neun von zehn Waldbrände entstehen durch Unachtsamkeit oder Brandstiftung. Wie im Falle des Brandes, der im Oktober 1991 rund 3000 Villen und Wohnanlagen in der Oberstadt von Oakland und der Universitätsstadt Berkely vernichtete und sich zu einer der kostspieligsten Feuersbrünste in den USA auswuchs. Allein der Sachschaden belief sich auf bis zu 2,5 Mrd. Dollar dutzende Menschen kamen in den Flammen ums Leben.
Mit Sorge registrieren die Freiburger Forscher die zunehmende Zahl von Brandrodungen in den tropischen Wäldern. „Bodenspekulanten zünden die Wälder an, um eine Genehmigung für den Plantagenanbau zu bekommen. Die wertvollen Hölzer haben sie natürlich vorher illegal abgeholzt und verschachert“, sagt Hoffmann, die mehrere Jahre in Indonesien als Beraterin von Kommunen für den Feuerschutz gearbeitet hat.
Fast immer geraten die illegalen Feuer außer Kontrolle. Sie sind dann so gewaltig, dass sie sogar vom Weltraum aus zu erkennen sind. Der dabei entstehende Rauch und Qualm stülpt Landstrichen für Wochen eine Glocke aus photochemischem Smog über. Riesige Mengen an Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Schwefelverbindungen gelangen in die Atmosphäre.
Die in tropischen Breiten intensive Sonne lässt viel gesundheitsschädliches Bodenozon entstehen. Die Brände bringen zudem das Stoffgleichgewicht in der Natur aus dem Lot. Nach Schätzungen der Freiburger Forscher wurden durch Brandrodungen in den letzten 130 Jahren bis zu 120 Mrd. t Kohlenstoff in die Atmosphäre geblasen. Durch Brandrodungen in den Tropenwäldern kommen derzeit 1,1 Mrd. t pro Jahr hinzu. Der größte Teil dieser Menge gelangt als treibhauswirksames Kohlendioxid in die Atmosphäre. Nur ein bescheidener Teil des Kohlenstoffs bleibt als Asche auf dem Boden zurück und kann dann als Dünger wirken.
Welche ökologischen Auswirkungen die Waldbrände in Südeuropa haben, ist noch nicht absehbar. „Das Ausmaß der Brände liegt noch im Zehnjahresmittel“, sagt Hoffmann.
Die Wissenschaft befasst sich seit Ende der achtziger Jahre mit den globalen Folgen der Waldbrände. Brände in Europa sollen künftig aus dem All gemeldet werden. Forscher der Europäischen Weltraumorganisation ESA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR haben einen Infrarotsensor entwickelt, der aus etwa 500 km Höhe Brände findet.
In zwei bis drei Jahren soll die Technik die mehreren Millionen Hektar Wald Europas überwachen. Zurzeit wird der Weltraum-Feuermelder mit Hilfe des Kleinsatelliten Bird (Bispectral Infra-Red Detection) getestet. Bird findet sogar Feuer, die erst wenige Meter messen. Die Daten gelangen zu ESA-Bodenstationen, von wo nach etwa 60 min bis 90 min die örtlichen Feuerwehren alarmiert werden. Laut ESA sind weltweit mehrere Raumfahrtagenturen an dem Weltraum-Feuermelder interessiert, unter anderem aus Brasilien und Argentinien.
SILVIA VON DER WEIDEN

Brandforschung
Feuerschutz im Fokus
Auf Initiative des deutschen Außenministeriums wurde 1997 das international tätige „Global Fire Monitoring Center“ (GFMC) an der Universität Freiburg ins Leben gerufen. Hier beobachten Wissenschaftler mit Hilfe von Wettersatelliten und den Informationen, die sie von Wetterdiensten erhalten, weltweit Brandherde, sammeln täglich neue Daten und werten sie aus. Die Freiburger zeichnen Waldbrandkarten, die man im Internet abrufen kann. „Ein kostenloser Service, der vor allem Landwirte, Förster und den Katastrophenschutz bei der Arbeit unterstützt“, erläutert GFMC-Experte Alexander Held. Derzeit steht bei den Freiburger Feuerwächtern das Telefon nicht still. „Ständig erhalten wir Anfragen von Feuerwehren und Verantwortlichen aus den Waldbrandgebieten in Südeuropa. Sie brauchen für eine wirksame Bekämpfung der Brände genaue und aktuellste Informationen,“ berichtet Held. Für die deutschen Waldgebiete sei die Gefahr beherrschbar: „Wir haben eine sehr gute Infrastruktur mit zahlreichen waldnah angelegten Feuerlöschteichen und vielen Zufahrten, die rasches Eingreifen ermöglichen. Außerdem werden die gefährdeten Regionen regelmäßig aus der Luft beobachtet. Ein Waldbrand wäre rasch unter Kontrolle zu bringen.“

  • Silvia von der Weiden

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