Umwelt 15.02.2002, 17:32 Uhr

Wie grün ist der Grüne Punkt?

Die Baseler Prognos AG stärkt jetzt mit dieser Aussage dem angeschlagenen DSD den Rücken.

Ist das viel kritisierte Duale System Deutschland (DSD) ein Vorreiter in Sachen nachhaltiges Wirtschaften? Ist die Verpackungsentsorgung durch die Gelbe Tonne nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch profitabel und leistet sie gleichzeitig einen positiven sozialen Beitrag – erfüllt sie also die Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung? Diesen Fragen sind Wissenschaftler der Baseler Prognos AG im Auftrag des DSD, Köln, nachgegangen.

Dabei nahmen sie Ökobilanzen verschiedener Forschungsinstitute, Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen und Daten des DSD unter die Lupe und untersuchten den „Status quo“ im Vergleich zu einer Abfallwirtschaft in Deutschland ohne Duales System. Grundlage für die Bewertung der Nachhaltigkeit waren Indikatoren wie Abfallaufkommen, Ausstoß von Treibhausgasen und Luftschadstoffen, Ressourcenverbrauch, aber auch Kosteneffizienz, Innovations- und Investitionsimpulse, Stabilitätsrisiken, Arbeitsmarkteffekte sowie soziale Akzeptanz und Umweltbewusstsein.

Ergebnis: Seit der Gründung des DSD 1991 hat das Unternehmen einen spürbaren Beitrag zur Entlastung der Umwelt geleistet. Bei allen ökologischen Indikatoren hat das Duale System laut Prognos Vorteile gegenüber der Alternative, einer Abfallwirtschaft ohne gelbe Tonne. So haben die Wissenschaftler errechnet, dass der Verbrauch an Verpackungen 1993 um 9 %, im Jahr 2000 gar um 18 % zurückging. Dank der DSD-Entsorgung habe sich erstmals seit 1991 Wirtschaftswachstum und Verpackungsverbrauch entkoppelt: Die Wirtschaft ist gewachsen, der Verpackungsverbrauch sank. Durch die Verwertung von Kunststoffen und Verbunden kann das Duale System zur Zeit jährlich 750 000 t Treibhausgase einsparen, die beim Einsatz von Primärrohstoffen für neue Verpackungen angefallen wären. Hinzu kämen bei den derzeitigen Entsorgungswegen ohne DSD 250 000 t Treibhausgase, die auf das Konto der Abfallverbrennung gingen.

Eine Unbekannte für die Zukunft ist die Kritik an der monopolartigen Stellung des Systems. Das DSD verursacht bisher deutlich höhere Kosten als eine Verpackungsentsorgung ohne Duales System, denn Getrenntsammeln und Verwerten von Abfällen kostet mehr als die Entsorgung über die Deponie. „Wir empfehlen daher die weitere Automatisierung bei der Sortierung und Verwertung,“ erklärt Prognos-Experte Gunther Wolf. Das erhöhe die Kosteneffizienz, die Qualität der Recyclingprodukte und damit auch die Akzeptanz.

Bei der Untersuchung der längerfristigen Potenziale des Dualen Systems kommt die Studie durchweg zu positiven Ergebnissen. Die Forscher nahmen sich mit den gleichen Indikatoren wie in der Status-Quo-Untersuchung die Systemoptionen „dynamisch“ (Umsetzung der technologischen Innovationen durch vollständige Umstellung auf vollautomatische Anlagen zur Sortierung und Verwertung) und „expansiv“ (Ausweitung der Erfassung und Verwertung auf weitere Stoffströme) vor. Eine dynamische Entwicklung des DSD verspricht in allen ökologischen Kategorien, aber auch bei der Kosteneffizienz und den Stabilitätsrisiken ein deutliches Plus an Nachhaltigkeit besonders wichtig sind die Innovationsimpulse, die von dieser Entwicklung ausgehen.

Noch beeindruckender könnte der Weg in Richtung nachhaltige Entwicklung durch eine Expansion des DSD eingeschlagen werden. Wolf: „Wir denken an die Öffnung des Systems für stoffgleiche Nichtverpackungen.“ Dabei sei an alle möglichen Kunststoffprodukte, aber auch an Verpackungen aus dem Gewerbe gedacht. Wenn der Verbraucher in Zukunft auch ausgediente Plastikkleiderbügel und Schüsseln im gelben Sack entsorgen dürfte, käme das nicht nur der Reduktion von Ressourcenverbrauch, Treibhausgasen und Luftschadstoffen zugute, sondern auch dem Umweltbewusstsein und der Akzeptanz des DSD.

In einem Nachhaltigkeitsportfolio zeigt die Studie, dass Bestnoten für Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und soziale Aspekte aus einer Verbindung der beiden Optionen „dynamisch“ und „expansiv“ zu erwarten sind. „Ob uns diese Weiterentwicklung des DSD gelingt, wissen wir nicht“, meint DSD-Sprecherin Dr. Heike Schiffler. „Wir sind laut Verpackungsverordnung auf die Sammlung und Verwertung von Verkaufsverpackungen beschränkt. Wir können nur verdeutlichen, was das DSD für eine nachhaltige Entwicklung leistet.“ Entscheiden müsse die Politik. MARIANNE WOLLENWEBER

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