Umwelttechnik 11.07.2008, 19:36 Uhr

Wertstoffhöfe de luxe  

VDI nachrichten, Hesperange/L, 11. 7. 08, swe – In Luxemburg etabliert sich ein neues Entsorgungssystem. Auf gelbe Säcke sowie Altpapier- und Glascontainer wird verzichtet. Bürger bringen ihre Wertstoffe stattdessen zu so genannten Rückkonsum- centern.

Jeden Samstag bietet sich im Rückkonsumcenter in Hesperange das gleiche Bild: Bis zu 600 Menschen drängeln sich zwischen den mehr als 80 verschiedenen Abfallstationen. Sie bringen Papier und Pappe, mehrere Plastiksorten, Metalle und Sperrmüll hierher, aber auch Batterien und Problemstoffe wie Altöl und Frittierfett. Die meisten Besucher wissen, wo sie welche Abfälle hintun müssen. Ausgebildete Fachkräfte helfen jenen, die zum ersten Mal hierher kommen.

Diplomingenieur Christian Behmel von der Luxemburger Firma Centre de Coordination Nationale (CCN) erläutert das Konzept. „Wir wollen die Bürger – also die Anlieferer – so begeistern, dass sie gerne kommen und uns viel Material in guter Qualität bringen.“

CCN hat das Konzept entwickelt und betreut zwei Rückkonsumcenter, so auch das der Gemeinden Hesperange und Weiler-la-Tour. Das Rückkonsumcenter wurde 2002 eröffnet. Es ähnelt mehr einem Super- oder Baumarkt als einem Wertstoffhof. Es ist sauber, es riecht kaum. Keine zerbeulte Dose, kein zusammengeknülltes Papier liegt auf dem Boden. Jeder volle Abfallbehälter wird sofort ersetzt.

Die Bewohner der Gemeinden haben den Komplettservice im sauberen Abfallzentrum angenommen, die große Mehrzahl bringt Wertstoff und Bauschutt ins Ökozentrum. Im Jahr 2007 waren es mehr als 3600 t, also knapp 280 kg/Einwohner und Jahr. Das sei viel, meint Diplomingenieur Behmel stolz: In Deutschland würden in gut gehenden Wertstoffhöfen um die 100 kg Abfall/Einwohner und Jahr anfallen oft seien es auch nur bessere Containerstellplätze, wo 10 kg bis 20 kg gesammelt werden.

An Restmüll fielen in den Gemeinden Hesperange und Weiler-la Tour im letzten Jahr rund 115 kg pro Kopf an. Dieser Abfall wird einmal wöchentlich bei den Privathaushalten abgeholt und in einer Luxemburger Müllverbrennungsanlage entsorgt.

20 der Rückkonsumcenter sind inzwischen über das Großherzogtum verteilt zwei weitere sind in Planung. Es sind alles Wertstoffhöfe, die die jeweilige Gemeinde oder ein Zweckverband von Gemeinden betreibt.

Fast jedes dieser Zentren ist zugleich Sammelstelle für Problemstoffe. Für das Sammeln, Verwerten und Entsorgen dieser Stoffe ist die „Super- dreckskëscht“ verantwortlich, eine Organisation, die im Auftrag des Luxemburger Umweltministeriums Problemstoffe erfasst.

In Ökozentrum von Hesperange steht für die Superdreckskëscht ein Raum mit 60 m² zur Verfügung. Er ist brandgeschützt, hat eine explosionsgeschützte elektrische Ausstattung, fünfmal die Stunde wird Luft gewechselt, der Boden ist abgedichtet. Farben, Lacke, alte Medikamente, Lösemittel, Neonröhren, Spraydosen, Frittierfett und anderes werden dort gesammelt.

Die Problemstoffe aus Ökozentren werden zentral in einem Logistikzentrum in Colmar-Berg zusammengeführt und dort an lokale Verwerter verkauft. Zum Teil werden die Wertstoffe dort noch veredelt. Superdreckskëscht-Pressesprecher Thomas Hoffmann nennt ein Beispiel: CDs und DVDs aus Polycarbonat werden von den Polystyrol-Hüllen getrennt. „Beide sortenreinen Kunststoffe sind auf dem Markt sehr begehrt.“

Entscheidend für die Erfolgsstory sei, dass Bürger motiviert sind, ihre Abfälle zu trennen, so Christian Behmel. „Durch die hohe Reinheit brauchen wir kaum nachzusortieren und können unsere Rohstoffe direkt weiterverkaufen.“

Die Ökozentren erwirtschaften keine Überschüsse, ihre Erlöse können aber Abfallgebühren senken. Ein Beispiel: Das Rückkonsumcenter in Hesperange hat 2007 zum einen 15 % mehr Wertstoffe und Bauschutt gesammelt als 2006, konnte zum anderen durch höhere Erlöse gleichzeitig die Betriebskosten um 10 % senken.

2009 wollen die Gemeinden einen Teil der Erlöse durch niedrigere Gebühren an die Bürger zurückgegeben. Tendenziell werden die Gebühren weiter sinken, glaubt Behmel: Bei zunehmender Nachfrage nach Sekundärrohstoffen werden die Erlöse weiter steigen.

Zurzeit zahlen Luxemburger Gemeinden pro Einwohner jährlich 20 € bis 25 € für diese Wertstoffhöfe de luxe. Ein hoher Anteil wird für Personalkosten benötigt. „Wir sind ein vollwertiger Betrieb mit qualifizierten, gut bezahlten und motivierten Arbeitskräften“, betont Behmel. Mit schlecht ausgebildetem Personal würde das ganze Entsorgungssystem nicht funktionieren.

Deutsche Kommunen vor allem aus dem benachbartem Saarland interessieren sich bereits für das Luxemburger Erfolgsmodell. Zu Recht, meint Christian Behmel. Das DSD koste zwar jeden Bürger nur 19,50 € jährlich, erfasse aber nur Leichtverpackungen und damit nur einen kleinen Teil aller Wertstoffe. RALPH AHRENS

  • Ralph H. Ahrens

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