Umwelttechnik 19.09.2008, 19:37 Uhr

„Werden bald Weltmarktführer bei der PCB-Entsorgung“  

VDI nachrichten, Dortmund, 19. 9. 08, mav – „Die Welt steht noch voller PCB-haltiger Transformatoren.“ Für Envio-Vorstand Dirk Neupert ist das der Garant für weiteres Wachstum seiner Firma. Denn das 2004 aus dem ABB-Konzern ausgegliederte Unternehmen ist Spezialist für die Entsorgung und Verwertung schadstoffhaltiger Transformatoren.

Neupert: Für die Entsorgung PCB-haltiger Geräte müssen die Kunden uns natürlich bezahlen, das ist eine hochspezialisierte Dienstleistung, die wir als einer von ganz wenigen Anbietern weltweit erbringen können. Wenn es um die Verwertung „normaler“, also nicht schadstoffhaltiger Transformatoren geht, erwarten die Kunden inzwischen aufgrund der hohen Rohstoffpreise eine Zuzahlung.

VDI nachrichten: Was ist denn so schwierig beim Recycling alter Transformatoren?

Neupert: Die Transformatoren enthalten PCB, das über mehr als 20 Betriebsjahre in fast alle Ritzen gedrungen ist. Auch das im Transformator enthaltene Papier und Holz haben sich damit vollgesogen. Mit unserer mehrstufigen Dekontaminierungstechnologie haben wir die Möglichkeit, diesen Gefahrstoff effektiv abzutrennen und so die hochwertigen Rohstoffe aus dem Transformator wiederzugewinnen.

VDI nachrichten: Worin liegt das besondere Know-how der Envio?

Neupert: Gerade beim Entsorgen PCB-haltiger Transformatoren kommt es auf die richtige Technologie und langjährige Erfahrung an. Bei der Technologie hat uns natürlich geholfen, dass wir früher ein Teil von ABB waren, dem größten Hersteller von Transformatoren. Dieses Know-how hat kein anderer Anbieter im Markt.

VDI nachrichten: Wenn Sie die heutige Situation der Envio mit Ihren Erwartungen bei der Übernahme des Unternehmens vor gut vier Jahren vergleichen: Was hat Sie positiv überrascht?

Neupert: Am meisten gefreut, wenn auch nicht wirklich überrascht, hat mich, dass uns alle Kunden treu geblieben sind. Dadurch konnten wir unser Geschäft stark ausbauen. Immerhin haben wir 2007 fast viermal so viel Umsatz erzielt wie 2004. Wenn in den nächsten Wochen unsere Anlage in Korea in Betrieb geht, verdoppelt sich unsere Entsorgungskapazität – hinsichtlich Umsatz und Ergebnis noch einmal ein deutlicher Schritt nach vorn.

VDI nachrichten: In welcher Wettbewerbssituation steht Envio?

Neupert: In der Entsorgung PCB-haltiger Transformatoren gibt es weltweit nur eine Handvoll Anbieter; wir gehören dabei derzeit mindestens zu den Top Drei in der Welt. Mit unserer neuen Anlage in Südkorea sind wir auf dem Weg, in den nächsten Jahren der Weltmarktführer zu werden.

VDI nachrichten: Was war die größte Änderung, die sich aus Ihrem Wechsel vom Manager zum Geschäftsführer im eigenen Unternehmen ergeben hat?

Neupert: Als Vorstände im eigenen Unternehmen konnten wir sehr schnell Entscheidungen treffen und viele Dinge erreichen, die ein konzerngebundenes Unternehmen nie – oder nur sehr viel langsamer – geschafft hätte. Diese Flexibilität und Schnelligkeit ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Envio Gruppe.

VDI nachrichten: …und die Kehrseite der Unabhängigkeit?

Neupert: ¿..ist die viel umfassendere Verantwortung. Wo es im Konzern früher immer mindestens drei Vorgesetzte gab, die Einfluss hatten, nimmt mir heute niemand eine Entscheidung ab.

VDI nachrichten: Eines Tages werden alle Transformatoren entsorgt sein, die mit PCB gefüllt sind. Was macht Envio dann?

Neupert: Bis dahin haben wir schon noch ein bisschen Zeit, ich denke dass es mindestens 30 Jahre dauern wird, bis dieses Geschäft allmählich auslaufen wird. Aber wir haben ja schon damit begonnen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln, beispielsweise im Bereich Biogas.

VDI nachrichten: Wie sehen Sie hier Chancen und Risiken?

Neupert: Die Energieversorgung ist in Zeiten des Klimawandels ein wichtiges Thema, deshalb haben wir begonnen, uns im Bereich der regenerativen Energien zu engagieren. Wie schon im Recycling-Bereich wollen wir uns hier durch besondere innovative Technologie vom großen Feld der Marktteilnehmer abheben.

Ein Beispiel ist unsere Gasaufbereitungstechnologie. Damit können Betreiber von Anlagen das Biogas so aufbereiten, dass es in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. Die Kosten sind dabei deutlich niedriger als bei den Verfahren anderer Anbieter.

Außerdem nutzen wir natürlich unsere guten Kontakte auf der ganzen Welt, die wir durch unser Recyclinggeschäft in den letzten 20 Jahren aufgebaut haben. Viele unserer Kunden oder Geschäftspartner sind auch am Thema regenerative Energie interessiert, deshalb konnten wir schon im ersten Jahr z. B. in Südkorea 20 Vorverträge über den Bau von Biogasanlagen abschließen.

VDI nachrichten: Ein Blick voraus: Wo sehen Sie Envio in drei oder fünf Jahren?

Neupert: Wenn unsere Entsorgungsanlage in Korea rund läuft, werden wir wahrscheinlich schon bald der Weltmarktführer im Bereich der PCB-Entsorgung sein. Und da dies sicher nicht die letzte Envio-Anlage im Ausland sein wird – große Teile der Welt stehen ja noch voll von PCB-Transformatoren -, werden wir das sicher auch in fünf Jahren noch sein. Unser Biogasgeschäft wird sich bis dahin national wie international etabliert haben. Daher deuten die Zeichen bei uns weiterhin auf starkes Wachstum – und das sehr ertragreich.

VDI nachrichten: Was werden die schwierigsten Hindernisse auf dem Weg dahin sein?

Neupert: Natürlich kann sich die Gesetzgebung ändern, und PCB-Transformatoren werden erst später entsorgt. Oder die Energiepreise fallen, und niemand braucht mehr Biogasanlagen. Aber das ist meiner Meinung nach alles ziemlich unwahrscheinlich. Ich glaube, am wichtigsten sind gute und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Glücklicherweise können wir auf einen Mitarbeiterstamm blicken, der bereits sehr lange im Unternehmen tätig ist. CHRISTOPH LÜTZENKIRCHEN

Ein Beitrag von:

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