Umwelttechnik 27.10.2006, 19:24 Uhr

„Weltweit haben wir schon 15 000 Kleinkläranlagen verkauft!“  

Er investierte in die Forschung nach einem Verfahren zur vollbiologischen Abwasserreinigung, mit dem man sich heute in einem Spezialsegment als Weltmarktführer sieht. Der Bedarf speziell an Kleinkläranlagen ist noch riesig, erzählt Bergmann im folgenden Gespräch, zumal die EU-Wasserrahmenrichtlinie strenge Qualitäts- und technologische Vorgaben macht.

Bergmann: Das sicher nicht, aber es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Wasser ein wichtiges Lebensmittel ist und zugleich eine schonenswerte Ressource.

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VDI nachrichten: Die EU verschärft mit ihrer Wasserrahmenrichtlinie die Kriterien für die Reinigung von Abwasser. Sie schreibt Qualitätsziele und Methoden vor, um bis 2015 in den Gewässern einen „guten Zustand“ zu erreichen. Zugleich fordert sie, ab 2010 die Wasserversorgung Kosten deckend zu gestalten – ohne Quersubventionen oder Preisnachlässe für Großverbraucher. All das macht das Nass teurer.

Bergmann: Das ist richtig so. Aber Deutschland ist bereits Weltmeister im Wassersparen. Alle Kläranlagen, die wir installieren, müssen laut Gesetz so bemessen sein, dass jeder einzelne, der hier einleitet, täglich 150 l für sich beanspruchen könnte. Der echte Verbrauch im Lande beträgt aber 80 l bis 100 l, eben weil Wasser bei uns schon teuer ist. Das merkt man von der Waschmaschine bis zum Druckspülersparknopf im WC. In Kanada, wo Wasser weit weniger kostet, sind es bis über 300 l täglich.

VDI nachrichten: Nicht zuletzt schreibt Brüssel bis 2015 eine vollbiologische Klärung vor. Ein riesiger Markt für Anlagenhersteller wie Sie!

Bergmann: Ja, wir waren mit unserem vollbiologischen Klärverfahren zum richtigen Moment mit dem richtigen Produkt am Markt. Denn in den Altbundesländern muss die Wasserrichtlinie praktisch schon 2007 umgesetzt sein.

VDI nachrichten: Sie setzen auf Kleinkläranlagen statt auf große zentrale Anlagen. Warum?

Bergmann: Das hat mit unserer ostdeutschen Herkunft zu tun. Hier flossen nach 1990 umfangreiche Investitionen in oft zu groß bemessene zentrale Kläranlagen. Das bietet sich in einem dicht besiedelten Staat sicher an. Doch es ist ökonomisch unsinnig, deren Anschlussgrad auf 98 % oder mehr zu treiben. Denn oft haben wir durch diese Fehldimensionierungen nun große Probleme, etwa durch Korrosion in den Kanälen oder bei der Betriebssicherheit. Schließlich sinkt die Bevölkerung im Osten weiter.

VDI nachrichten: Sie stammen aus einer Betonbauerdynastie. Wie kamen Sie auf die Abwasserstrecke?

Bergmann: Zum einen bin ich Diplom-Ingenieur für Wasserversorgung und Abwasserbehandlung, zum anderen produzierten wir schon immer Schachtteile für die Entwässerung. Und drittens wurde ich mit dem Thema konfrontiert, als wir an unserem heutigen Standort Penig unser neues Betonwerk bauten. Hier ging es auch um die Behandlung von Abwasser. Dabei merkte ich, dass sowohl die gängigen Kleinkläranlagen als auch die Reinigungsverfahren nicht das Nonplusultra sein konnten. Es fehlten Lösungen, die betriebssicher, einfach zu händeln und zudem preiswert sind. Also rief ich ein paar alte Freunde aus meiner Dresdener Studienzeit an, und wir begannen zu experimentieren.

VDI nachrichten: Was ist das Besondere an Ihrem Verfahren?

Bergmann: Unser Wirbel-Schwebebett-Biofilmverfahren, das wir unter der Marke wsb-clean vertreiben, ist weltweit einzigartig. Denn die Kläranlage kommt ohne Schlammrückführung in die biologische Reinigungsstufe aus. Das garantiert höchste Betriebssicherheit. Eine kompakte Bauweise sowie einfache Funktionsabläufe minimieren zudem die Bau- und Betriebskosten. Bereits seit 2001 ist es quasi vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) nach der heutigen Reinigungsklasse „N“ zertifiziert.

VDI nachrichten: Gab es Probleme bei der Zertifizierung? Die deutsche Zulassungspraxis ist sehr streng…

Bergmann: ¿ und zuweilen überbürokratisiert. Eine Gefahr sehe ich deshalb in der europäischen Liberalisierung. Denn unsere Technologie ist auf die hohen deutschen Standards ausgerichtet, die bald in der EU so nicht mehr gelten. In anderen Ländern interessiert es die Behörde überhaupt nicht, was sich bei der vollbiologischen Abwasserbehandlung in der Blackbox abspielt. Entscheidend ist, ob die Qualität des Wassers, das diesen Behälter verlässt, den Umweltvorgaben entspricht. Wir hier in Deutschland schreiben aber auch viele Dinge in der Technik vor, die in der EU dann nicht mehr gelten. Damit sind wir mit unseren Anlagen einfach zu teuer.

VDI nachrichten: Weiß sich jemand, der solche Technologien entwickelt, nicht auch hier zu helfen?

Bergmann: Sicher, aber auch das ist ein Weg über Hürden, weil hierzulande eben technologisch vieles reglementiert wird. Wir mussten uns bei unseren Forschungen, in die wir übrigens 4 % unseres Ergebnisses stecken, an Festlegungen halten, die für das wsb-Verfahren nur bedingt Gültigkeit haben. Die formale Übertragung von Algorithmen aus anderen Verfahren entspricht dann nicht dem Stand der Technik, den beim wsb-Verfahren übrigens wir bestimmen.

VDI nachrichten: Schlamm entsteht doch nun einmal beim Klären, er kann nicht wegfließen.

Bergmann: Das ist ein Phänomen, an dem wir mit Mikrobiologen der TU Dresden weiterforschen. Die Ursache liegt in dem Biofilm. Hierin leben Mikroorganismen, die die organischen Substanzen im Abwasser praktisch veratmen. Wasser und Kohlendioxid sind quasi die Reaktionsprodukte. Bei der Abwasserreinigung entweicht auch Stickstoff.

VDI nachrichten: Und wo sind die Tücken Ihres Verfahrens?

Bergmann: Ist das Abwasser zu dünn, funktioniert ein vollbiologisches Verfahren nicht mehr sicher – den Mikroorganismen fehlt dann die Nährstoffgrundlage. Aber das ist in der Regel nicht der Fall. So haben wir weltweit schon 15 000 Kleinkläranlagen verkauft. Unsere Lizenznehmer sitzen in West- und Nordeuropa, in Kanada, dem Baltikum, China, Saudi-Arabien. Wir gehören heute zu den Weltmarktführern bei den reinen Biofilmverfahren. Und die Nachfrage wächst.

VDI nachrichten: Wie groß ist der potenzielle Markt für Kleinkläranlagen?

Bergmann: Allein in Deutschland sagen Experten den Bau von 1,5 Mio. bis 2 Mio. dezentralen Anlagen voraus, EU-weit gar 6 Mio.. Hinzu kommen zahllose Klärwerke, die nach der EU-Norm umzurüsten sind. Allein in Sachsen müssen bis 2015 gut 600 000 Einwohner dezentral neu angeschlossen werden, was nun auch die Politik fördert. Hinzu kommen Hotels, Gaststätten, Kleingewerbe. Unsere Stärke liegt dabei darin, dass wir alles aus einer Hand bieten: Planung, Projektierung, Produktion, Lieferung, Montage, Wartung. Wir sind also auch als Serviceunternehmen zertifiziert. Das ist wichtig, weil der Gesetzgeber künftig wie bei Heizungsanlagen eine regelmäßige Wartung vorschreibt.

HARALD LACHMANN

Ein Beitrag von:

  • Harald Lachmann

    Harald Lachmann ist diplomierter Journalist, arbeitete zuletzt als Ressortleiter Politik, und schreibt heute als freier Autor und Korrespondent für Tages-, Fach- sowie Wirtschaftszeitungen.

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