Klima 11.05.2012, 11:57 Uhr

USA: Dürre beeinträchtigt Kraftwerke

Der Südwesten der USA bereitet sich auf einen heißen Sommer vor – im wahrsten Sinne des Wortes. Nach allen bisherigen Indizien und Prognosen wird es eine Dürre geben, die alles Bekannte übertreffen könnte. Besonders hart wird es die Landwirtschaft treffen, doch auch deren Zulieferer und die Energiebranche spüren bereits die ersten Auswirkungen. An einer Verbesserung der Trinkwassersituation wird bereits gearbeitet, doch das ist zeit- und kostenaufwendig.

„Wir erwarten die größte Dürre seit Aufzeichnung der Wetterdaten, und wenn wir die Baumringe richtig interpretieren, wird es diesen Sommer die größte Trockenheit seit über 250 Jahren geben“, erklärt Linn Brooks, Managerin für die Wasserversorgung des Eagle-River-Bassins im US-Staat Colorado. Der Eagle River ist einer der vielen Zuflüsse des Colorado River, der den mächtigen Strom jedes Frühjahr mit der Schneeschmelze aus den Rocky Mountains versorgt.

So war es zumindest in früheren Zeiten. Doch das hat sich geändert. „Die Rockys waren diesen März bereits so schneearm, wie sonst erst im Mai „, sagt Randy Julander, der für Beobachtung der Schneelage in Utah und Kalifornien zuständig ist. Und die Wetterdaten bestätigen seine Beobachtung: Der März 2012 war im Staat Colorado der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Seit Jahren sinkt der Wasserstand des Colorado River

Schon seit einigen Jahren geht der Schneefall in den Bergen zurück und folglich sinkt der Wasserstand des Colorado, denn der drittgrößte Strom der USA bezieht bis zu 90 % seines Wassers aus den Gletschern und der Schneeschmelze in den Rockys. Am deutlichsten sieht man den Rückgang am Lake Mead, dem Stausee des Hoover-Damms, wo der fallende Wasserstand einen deutlich ausgewaschenen „Badewannenrand“ hinterlassen hat.

Bis in die 1950er-Jahre pendelte der Wasserstand nur wenig um eine Höhe von 370 m über NN. Doch seit den frühen 1960er-Jahren lassen Dürreperioden immer wieder den Wasserstand deutlich zurückgehen. Die jüngste im Juni 2010 ließ den Wasserpegel auf 330 m sinken, der Wasservorrat betrug damals nur noch ca. 40 % der Kapazität.

Um rund 30 m ist der Lake Mead in den letzten Jahren bereits gefallen, doch in diesem Sommer soll es nochmals deutlich runtergehen. Die kritische Marke liegt bei 1075 Fuß (328 m) über NN. Darunter wird der Wassernotstand ausgerufen, der drastische Einschnitte beim Wasserkonsum nach sich zieht. Derzeit pendelt der Pegel noch um die 335 m – also nur 7 m darüber.

Vom Colorado River, der 7 US- und 2 mexikanische Staaten durchläuft, hängt die Wasserversorgung von über 30 Mio. Amerikanern und mindestens 5 Mio. Mexikanern ab. Entsprechend groß sind Streitereien um die Wasserrechte. Zwar wurden diese 1922 im „Colorado River Compact“ verbindlich für alle Beteiligten geregelt, doch ist die heute verfügbare Wassermenge sehr viel geringer als diejenige, die dem Abkommen zugrunde lag. Und wie immer bei einer Mangelware, so streitet man sich auch hier um eine möglichst gerechte Verteilung der Kürzungen.

Am härtesten betroffen ist Mexiko, das schon seit Jahren nicht mehr die von den USA zugesicherte Wassermenge erhält. Die Folge ist, dass der Colorado nur noch selten in den Golf von Kalifornien fließt. Meist landet das wenige Wasser, das noch über die Grenze fließt, auf mexikanischen Feldern direkt hinter der Grenze.

Dürre in den USA: 60 % weniger Produktion in der Landwirtschaft

Der inneramerikanische Streit um den Wasseranteil aus dem Colorado wäre weit weniger heftig, würden nicht so viele wirtschaftliche Interessen daran hängen. Vor allem Kaliforniens Farmer sind auf das Wasser angewiesen – hier hat man sich bereits auf harte Zeiten eingestellt. So erwartet das Landwirtschaftsministerium nur noch 35 % der Wassermenge, die dem Staat eigentlich zusteht. Folglich wird mit einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion um bis zu 60 % gerechnet.

Zwar ist die Landwirtschaft kein bedeutender Wirtschaftsfaktor in dem Hightechstaat, doch es ist ein arbeitsintensiver Bereich. So meldet das Central Valley bereits jetzt eine Arbeitslosenquote von knapp 20 %, die bei weiterer Wasserknappheit noch steigen wird. Auch die Zulieferer der Landwirtschaft stellen sich bereits auf einen heißen Sommer ein.

Auch Zulieferer von der Dürre in den USA betroffen

„Ich denke, dass wir in diesem Jahr 20 % bis 25 % weniger Traktoren und andere Landwirtschaftmaschinen verkaufen werden“, sagt Clayton Camp von Kern Machinery in Bakersfield.

Auch im südkalifornischen Imperial Valley sehen die Farmer schwere Zeiten auf sich zukommen. Dem Tal steht laut Vereinbarung von 1922 ein Anteil von 20 % zu – der höchste Einzelposten und mehr, als Nevada und Colorado zusammen erhalten. Doch absolut betrachtet ist die Wassermenge inzwischen so gering, dass die dortigen Farmer immer mehr Land brachliegen lassen, da kein Wasser zur Verfügung steht.

Bei der Energieversorgung sind die Alarmzeichen nicht zu übersehen. Im südlichen Utah am Green River soll ein neues Kernkraftwerk entstehen, doch könnte der Fluss bei weiter fortschreitender Dürre nicht das notwendige Kühlwasser zu liefern. Kernkraftgegner haben bereits vorgerechnet, dass das mit 16 Mrd. $ veranschlagte Kraftwerk mehr abgeschaltet als am Netz sein wird.

Und auch die Turbinen des Hoover-Damms am Lake Mead sind bereits betroffen. Die geringere Fallhöhe bewirkt, dass nur noch 100 MW, statt der maximal möglichen 130 MW erzeugt werden. Für jede Fußhöhe, die der Wasserspiegel sinkt, geht die Leistung um 5,7 MW zurück. Doch auch das geht nur, solange noch genügend Wasser in die Fallrohre strömt. Bei einem Wasserstand von 1050 Fuß (320 m) ist es mit der Stromerzeugung vorbei.

Wasser für Las Vegas: 800 Mio. $ gegen die Dürre

Kritisch wird es auch für die Glitzerstadt Las Vegas. Sie deckt 90 % ihres Wasserbedarfs aus dem Colorado bzw. dem Lake Mead ab. Doch bei weiter fallendem Wasserstand könnten die beiden Entnahmerohre bald im Freien liegen – und folglich kein Wasser mehr für die Golfplätze des Spielerparadieses liefern. Um dem vorzubeugen, baut man jetzt in rund 107 m Tiefe den Zugang für ein neues Entnahmerohr. Etwa 800 Mio. $ wird dieser Anschluss kosten, der 2014 fertiggestellt sein soll.

Zu den weiteren Entlastungsplänen gehören neue Grundwasserbrunnen im Grenzgebiet von Nevada und Utah. Über eine Pipeline sollen dann 10 Mrd. m3 Wasser pro Jahr nach Las Vegas und Südkalifornien gepumpt werden. Doch dafür liegen derzeit weder genauere Pläne noch Genehmigungen vor – vom Geld ganz zu schweigen.

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