Städtebau 14.09.2012, 11:53 Uhr

„Unsere Städte müssen intelligenter werden“

An Konzepten oder Technologien fehle es nicht, um unsere Städte energieeffizienter, für den Bürger komfortabler und ressourcenschonender zu betreiben, meint Alexander Holst in seinem folgenden Beitrag. Es scheitere bislang eher daran, dass Einzelmaßnahmen nicht integriert und die gefassten Ziele nicht konsequent umgesetzt würden.

Städtebau: Innovative Konzepte müssen auch umgesetzt werden.

Städtebau: Innovative Konzepte müssen auch umgesetzt werden.

Foto: Siemens AG

Die Klimaschutzziele, die sich die Europäische Union und die Bundesregierung gesetzt haben, sind ehrgeizig. Sie zu erreichen wird nicht möglich sein, ohne ein intelligenteres Management des Lebens in unseren Städten. Denn in den Metropolen entsteht ein Großteil aller CO2-Emissionen, verursacht durch die Aktivitäten, Gebäude und den Verkehr der dort angesiedelten Gewerbe- und Industriebetriebe, der Bürger und der öffentlichen Hand selbst.

Die Städte haben das Problem erkannt und sich eigene Ziele zur Senkung des CO2-Ausstoßes gesetzt, die sogar teilweise noch über die europäischen Vorgaben hinausgehen, wie etwa in der Selbstverpflichtung des europäischen Konvents der Bürgermeister.

Der Klimaschutz auf kommunaler Ebene erfüllt dabei nicht nur den Zweck, einen Teil zum Gelingen des großen Ganzen beizutragen, sondern liegt im eigenen Interesse der Städte. Sie stehen untereinander in einem schärfer werdenden Wettbewerb um Unternehmen, Investitionen, Ideen und kluge Köpfe und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Ihre Attraktivität bestimmt sich unter anderem durch die Wirtschaftskraft, die Umweltqualität und das Image. Das Konzept einer intelligenten Stadt hat das Potenzial, auf allen drei Feldern signifikante Verbesserungen zu bewirken und damit in diesem Wettbewerb entscheidenden Boden gut zu machen.

Hinzu kommt, dass den meisten Städten ohnehin eine Modernisierungswelle bevorsteht. Und das in gleich zwei Bereichen: So sind die Verkehrsinfrastruktur, die Ver- und Entsorgungsnetze sowie ein großer Teil des Gebäudebestands, die aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren stammen, erneuerungsbedürftig. Gleichzeitig ist die Erwartungshaltung der Bürger, was Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten betrifft, erheblich gestiegen. „Stuttgart21“ oder „Bürgerhaushalte“ sind augenfällige Beispiele für den Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung.

Die Idee der intelligenten Stadt bietet hier vielfältige Lösungsansätze. Dabei umfasst sie weit mehr als nur den Einsatz intelligenter IT-Systeme. Es geht darum, die Energieeffizienz zu erhöhen, erneuerbare Energie zu nutzen, Büro- und Wohngebäude umweltfreundlicher zu gestalten, Mobilität intermodaler auszurichten und Bildungsangebote und Gesundheitsversorgung zu verbessern – also letztlich um eine höhere Lebensqualität für die Bewohner und bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen.

Erste Städte in Deutschland treiben das Thema aktiv voran. Dazu gehört die Modellstadt Bottrop als „InnovationCity Ruhr“ und die Kölner „Initiative SmartCity Cologne“, die zuletzt am 28. August 2012 eine große Auftaktveranstaltung mit mehr als 100 Unternehmensvertretern und der Stadtspitze durchgeführt hat.

Auf dem Weg zur intelligenten Stadt kommt es darauf an, dass der konkrete Nutzen klar formuliert wird und durch messbare Ziele und Maßnahmen hinterlegt ist. Nur so können Initiativen über das Ankündigungsstadium hinauskommen. Denn die Einsparung von CO2 ist zwar sinnvoll, aber es wird oft nicht klar vermittelt, welchen individuellen Nutzen der einzelne Bürger oder welchen gesellschaftlichen Nutzen die Kommune davon hat. Zudem werden Lösungen zu sehr auf die Technik reduziert. So werden Maßnahmen angestoßen, die einzeln gut begründbar sind, die aber nicht zusammenhängen und damit wenig Durchschlagskraft entwickeln. Ist jedoch der Nutzen klar definiert und in ein Gesamtkonzept eingebettet, lässt sich auch die Finanzierungsfrage leichter lösen. Denn dann stehen nicht nur die klassischen Fördertöpfe von EU, Bund und Ländern zur Verfügung, sondern auch private Geldgeber wie Stiftungen, Fonds oder eben der einzelne Bürger.

An Ideen und Technologien mangelt es dagegen nicht. Städte wie Amsterdam machen es vor. Hier wurde nicht nur eine Reihe von Projekten angestoßen, sondern diese auch in einen Gesamtkontext gestellt mit der Einsparung von CO2 als übergeordnetem Ziel und Innovation als Instrument. Diese Innovation gilt es in verschiedene Richtungen zu lenken: in neue Produkte und Geschäftsmodelle einerseits, und neue Prozess- und Organisationsstrukturen andererseits. Nach dem Motto „We try things first“ bietet „Amsterdam Smart City“ dafür eine offene Plattform.

Ein konkretes Beispiel ist die „Klimastraat“: Mit der Utrecht Straat wurde eine bekannte Einkaufsstraße klimafreundlich umgestaltet, wobei der Fokus auf Smart-Building-Technologien und Energieeffizienz lag.

Auch bei der Müllabfuhr wurden neue Wege beschritten. Die Mülleimer in der Straße nutzen Solarenergie, mit dessen Hilfe Pressen in den Behältern betrieben werden, die das Volumen des Mülls selbsttätig reduzieren. Das Ergebnis: Die Abfallbehälter müssen fünf mal seltener geleert werden.

Weitere Maßnahmen im Amsterdamer Stadtgebiet sind das „Smart Pool-Projekt“, bei dem die städtischen Schwimmbäder energieeffizient aufgerüstet werden, oder der „Smart School-Wettbewerb“, bei dem Grundschulen um die besten Energiesparmaßnahmen wetteifern. Auch in Köln wird es jetzt als Teil der „SmartCity Cologne“ eine Klimastraße geben: die Neusser Straße.

Das Konzept der intelligenten Stadt ist aber nicht auf den Energiebereich beschränkt. Eine Schlüsselrolle fällt der öffentlichen Verwaltung zu. Sie verfügt über eine Masse von Daten, die als Grundlage für eine Vielzahl von neuen Produkten und Dienstleistungen dienen und damit als Innovationstreiber wirken könnten.

In Singapur wurde beispielsweise eine kleine, aber einfache Lösung realisiert, die die lokalen Wetterprognosedaten mit dem Taxileitsystem verknüpft. Erfahrungsgemäß sind Menschen bei Regen eher geneigt, ein Taxi zu nehmen als bei Sonnenschein. Mithilfe der Wetterdaten kann die Taxizentrale Wagen jetzt präventiv in Stadtteile schicken, für die Niederschläge vorhergesagt sind. Das führt zu einer besseren Auslastung der Fahrzeuge und die Fahrgäste müssen nicht so lange auf einen Wagen warten.

Einmal umgesetzt klingt diese Lösung recht banal. Man fragt sich fast: Warum wurde das nicht schon früher gemacht? Voraussetzung für solche Innovationen ist allerdings, dass die Daten auf einer offenen Plattform zur Verfügung gestellt werden – selbstverständlich anonymisiert, damit der Datenschutz gewahrt bleibt. Das setzt ein neues Verständnis vom Sinn und Zweck der Verwaltung einer Stadt voraus. Sie muss stärker als „Vernetzer“ auftreten, das heißt, interessierten Unternehmen und privaten Organisationen den Zugriff auf ihre Infrastruktur von Netzen und Daten erlauben, sodass neue Verbindungen entstehen können. Erst dann eröffnen sich tatsächlich Wachstumsfelder, die über die Effizienzgewinne von E-Government hinausgehen.

Damit die Vision der intelligenten Stadt Realität wird, müssen sich die richtigen Protagonisten zusammenfinden. Oft fehlen am Anfang die zwei bis drei engagierten und zielorientierten Partner – idealerweise die Stadt selbst und z. B. der örtliche Energieversorger – und ein stimmiger Plan. Darüber hinaus gilt es, früh die Rollen zu klären, den Nutzen zu definieren und die Organisationsstruktur einschließlich der Prozesse festzulegen. Letzteres wird oft durch runde Tische oder Arbeitskreise gelöst, die mit dem täglichen Projektmanagement jedoch überfordert sind. Und schließlich müssen die betroffenen Bürger über ein belastbares Beteiligungskonzept mit ins Boot geholt werden. Das gelingt mit einem klaren Stakeholder-Dialog und einem abgestimmten Kommunikationsplan. Es kommt darauf an, die Bürger nicht nur zu informieren, sondern sie in die Konzeption von Projekt en einzubinden.

Gefragt sind deshalb vonseiten der jeweiligen Entscheidungsträger größere Zielstrebigkeit, mehr Kreativität und das Denken in neuen, größeren und bereichsübergreifenden Dimensionen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass das Konzept der intelligenten Stadt im Klein-Klein der unklaren Zuständigkeiten und fehlenden Zielvorgaben versandet und nicht über den Pilotstatus hinauskommt – und somit der eigentliche Nutzen nie realisiert wird.

  • Alexander Holst

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