Umwelttechnik 04.01.2008, 19:32 Uhr

„Umwelt- und Innovationspolitik enger verzahnen“  

VDI nachrichten, Berlin, 4. 1. 08, swe – Weltweit steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie der Klimaschutz lassen die globale Nachfrage und die Investitionen in „Clean Technologies“ steigen. Mancher Experte sieht daher die Umwelttechnologie als Leitindustrie der Zukunft – oder zumindest als Leitgedanken einer ökologisierten Wirtschaft.

Umwelttechnik verändert ihr Gesicht. Statt nur Schäden zu beheben und Folgen zu mindern, wird sie fester Bestandteil von Produktion und Produkten. Vorbeugen, Vermeiden und Sparen ist angesagt. Das schafft eine neue Motivation, umweltfreundlichere Technologien auch tatsächlich einzusetzen. Denn aufgrund steigender Rohstoff- und Energiepreise zahlen sie sich aus und tragen ihren Teil zur Versorgungssicherheit bei.

Dieser Gedanke kommt laut Franzjosef Schafhausen, Ministerialrat im Bundesumweltministerium, in Entwicklungs- und Schwellenländern an. Mitte Dezember berichtete er in Berlin auf der Euroforum-Konferenz „Umwelttechnologie – Leitindustrie der Zukunft“ von seinen taufrischen Eindrücken der Klimakonferenz in Bali: „Viele Delegationen aus Schwellen- und Entwicklungsländern haben diesmal das Gespräch mit uns gesucht, um Möglichkeiten zum Technologietransfer und zur Zusammenarbeit beim Umweltschutz auszuloten.“

Schafhausen wertet das als Signal für mehr Klimaschutz, auch wenn er die hohen Energiepreise und den einsetzenden Verteilungskampf um Energie als Motivation der Anfragen ausgemacht hat. China nehme statistisch gesehen alle fünf Tage ein 1000-MW-Kohlekraftwerk ans Netz, doch das reiche nicht. Indiens marode Kraftwerkslandschaft käme der Nachfrage kaum nach.

„Diese Länder erkennen, dass auch auf Nachfrageseite etwas passieren muss“, so Schafhausen. Darum seien neben Technologien zur Erzeugung von Energie zunehmend Geräte und Maschinen gefragt, die sie effizient nutzen. Beides hätten deutsche Unternehmen zu bieten.

Hat Deutschland also das Zeug zum „Silicon Valley der Umwelttechnologien“? Marion A. Weissenberger-Eibl, Professorin und Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe, geht dieser Frage seit längerem nach und sieht großes Potenzial für Umwelttechnik „made in Germany“.

Gemeint ist integrierte Umwelttechnologie, die im Maschinen- und Anlagenbau, in der Fahrzeugindustrie, Wasserwirtschaft und vielen anderen Branchen für umweltfreundliche Produkte und Produktionsprozesse mobilisierbar ist.

„Um die gute Ausgangslage weiter auszubauen, muss sich die Politik Gedanken machen, wie sich Umwelt- und Innovationspolitik enger verzahnen lassen“, erklärte die Chefin des Fraunhofer ISI. Verglichen mit den schärfsten Wettbewerbern USA und Japan sei Deutschland breiter aufgestellt und habe als Maschinen- und Anlagenex- porteur gerade bei der Energieeffizienz Vorteile.

Schafhausen sprach sich für eine Verzahnung im Zuge einer ökologischen Industriepolitik aus. Er wies auf Schwierigkeiten hin, die sich aus der Integration von Umwelttechnik in Produktionsprozesse und Produkte ergeben: „Was ist der Umwelt- und was ist der Produktionsanteil einer effizienten Gas- und Dampfdruckanlage?“ Es gebe keine Regel, um hier zu trennen.

Vor diesem Hintergrund ist Umweltschutz eher Leitgedanke als Leitindustrie der Zukunft. Ähnlich sieht es der Siemens-Vorstand Hermann Requardt, beim Münchener Technologiekonzern Leiter des Bereiches Corporate Technologies und Honorarprofessor für Physik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt.

Requardt zeigte zehn Umweltlösungen aus unterschiedlichsten Konzernbereichen, deren konsequenter Einsatz den globalen Ausstoß an Treibhausgasen um fast ein Viertel senken würde – von der intelligenten Gebäudetechnik über effiziente Kraftwerksturbinen bis zur energiesparenden Lichttechnik.

„Damit effiziente Technologien zum Einsatz kommen, braucht es eine neue ökonomische Denkweise bei Erbauern und Betreibern – weg von der Taylor-Ökonomie hin zur Life-Cycle-Ökonomie“, sagte Requardt. Dieser Wandel in den Köpfen gehe langsam vonstatten, werde aber durch hohe Energiepreise beschleunigt.

Während Siemens die Kunden noch von den langfristigen Kostenvorteilen energieeffizienter Technik überzeugen muss, fliegen der Solarbranche mehr Kunden zu, als sie bedienen kann. Erik Oldekop, Europamanager der amerikanischen Nanosolar International, berichtete, dass auch Kunden aus Schwellenländern weniger nach Preisen als nach Lieferterminen für Photovoltaik-Anlagen fragen. Vorteil von Solarkraftwerken sei die im Gegensatz zu Kohle- oder Kernkraftwerken kurze Anlaufzeit.

Doch bei allem Frohlocken – das Geschäft wird härter, der Kostendruck nimmt zu. Weltweit schießen Solarfabriken aus dem Boden, was nach Oldekops Einschätzung dazu führen wird, dass Solarstrom in weniger als zehn Jahren ohne Förderung aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wettbewerbsfähig sein wird.

Nanosolar sei als Hersteller günstiger, gedruckter Solarzellen auf den Preissturz vorbereitet – und habe dabei vom hervorragenden Kapitalmarkt in den USA profitiert. Gerade in den letzten drei Jahren pumpten Venture-Capital-Gesellschaften jeweils über 3 Mrd. $ in junge Unternehmen aus dem Bereich „Clean Tech“.

„Die gleiche Maschinerie, die das Silicon Valley finanziert hat, investiert jetzt in Umwelttechnologien“, so Oldekop. Deutschland dürfe sich also nicht auf der aktuellen Führungsposition ausruhen. PETER TRECHOW

  • Peter Trechow

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