Umwelttechnik 09.06.2000, 17:25 Uhr

Suche nach dem Giftzwerg

Die Entsorgung von Altbatterien setzt eine sorgfältige Sortierung voraus. Im Zerlegezentrum Grevenbroich der Firma Trienekens ging jetzt eine automatische Anlage in Betrieb, die das Recycling von Batterien vereinfacht.

Batterien unterscheiden sich in Größe, Form und Leistung, vor allem aber auch in ihren Inhaltstoffen. Für das Recycling alter Batterien ist die Frage wichtig, ob sie Quecksilber enthalten oder nicht. Laut Stiftung „Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien“ (GRS), die bei Handel, Gewerbe und sonstigen Entsorgungsstellen alte Batterien einsammelt, lassen sich nur quecksilberfreie Batterien wiederverwerten, während Billigimporte mit höherem Quecksilbergehalt für ein Recycling ungeeignet sind und deponiert werden müssen.
„Wir haben letztes Jahr rund 8300 t gebrauchte Batterien zurückgenommen und entsorgt“, bilanziert GRS-Vorstand Dr. Jürgen Fricke. In Deutschland habe der Gesetzgeber quecksilberhaltiger Haushaltsbatterien verboten. Da Batterien aber teilweise recht lange im Umlauf seien, bis sie den Weg zum Sammelbehälter fänden, enthielten heute noch rund 80 % aller nicht aufladbaren Batterien so hohe Quecksilbergehalte, dass man sie nach der Sortierung deponieren müsse. Erst 2005, so Fricke, wird sich diese Situation so weit verbessern, dass dann 70 % aller Batterien verwertet werden können.
Bis dahin ist eine weitgehend sortenreine Sortierung gebrauchter Batterien der erste Schritt hin zum Recycling. Bis zu 1 t Altbatterien pro Stunde „schafft“ eine neue Anlage, die Mitte Mai im Zerlegezentrum des Entsorgungsunternehmens Trienekens, Grevenbroich, in Betrieb genommen wurde. Angeliefert wird das haushaltsübliche Batteriegemisch. Es wird in der neuen Anlage, für die rund 1 Mio. DM investiert wurde, weitgehend automatisch in bis zu elf verschiedene Fraktionen getrennt.
Dabei mussten neue Wege beschritten werden: „Die hier eingesetzte Technik ist nicht von der Stange zu kaufen“, weiß Dr. Günther Teufel, Vorstand der Trienekens AG. Kernstück der eigentlichen Sortierung ist ein System der französischen Firma EuroBatTri in Lyon. „Doch vorher müssen aus dem Batteriegemisch alle Fraktionen abgeschieden werden, die wir mit dem System von EuroBatTri nicht verarbeiten können“, erläutert Helga Romp, Leiterin des Grevenbroicher Zerlegezentrums. Denn die Technik kann zwar präzise zwischen den verschiedensten Varianten von Lithium-, Nickel-Cadmium-, Alkali-Mangan- und Zink-Kohle-Batterien unterscheiden, eignet sich jedoch nur für Rundzellen mit Stahlblechkapselung. Die Anforderungen an die Trennschärfe liegen bei mindestens 98 %.
„Auch in Zukunft werden wir in gewissem Umfang manuell sortieren müssen, das liegt an der enormen Vielfalt unterschiedlichster Batterietypen“, so Peter Hochhausen, der im Zerlegezentrum die Anlagentechnik betreut. In einer manuellen Vorsortierstrecke werden zunächst kleinere Akkupacks, eckige Batterien sowie Bundeswehrbatterien aussortiert. Danach werden mit dem sogenannten Unterkorn auch die Knopfzellen abgesiebt. Sie werden von Verunreinigungen befreit und in einem Rundsieb mit verschiedenen Ausgängen und nachgeschalteter Vibrations-Sortierrinne nach Abmessungen klassiert. Diese rein mechanische Sichtung reicht aus, um eine zufrieden stellende Trennung der verschiedenen Typen – Lithium-, Quecksilber- und Silberoxidzellen – zu gewährleisten.
Aus dem verbleibenden Hauptmengenstrom entstehen über eine zweite Siebstufe zwei parallele, nach Batteriegröße getrennte Stoffströme. Die nächste Stufe trennt über einen Drehteller alle Formen ab, die nicht rollfähig sind. Eine Magnetsichtung sorgt anschließend dafür, dass alle Batterien mit Papphülsen zurückbleiben, während die neueren mit Stahlmantel auf die Förderbänder zur abschließenden Sortierung in die Anlage von EuroBatTri gelangen.
„Herzstück dieser Anlage sind elektromagnetische Sensoren, die bei hoher Geschwindigkeit die verschiedenen Batterietypen exakt unterscheiden“, erklärt Romp. Zusätzlich werden weitere Parameter wie Größe, Länge und Gewicht ermittelt. Aus diesen Signalen erstellt der Rechner der Anlage eine charakteristische „Signatur“, die ein schnelles Aussortieren der Lithium- und NiCd-Typen erlaubt. Die Steuerung verfolgt die Position jeder Batterie auf dem Band und sorgt über elektrisch betätigte „Rausschmeißer“ dafür, dass diese in die jeweils richtigen Abwurftrichter befördert werden.
In einem letzten Schritt werden die Alkali-Mangan- und die Zink-Kohle-Batterien noch per UV-Sensor abgetastet, um festzustellen, ob sie den speziellen, unsichtbaren Farbcode aufweisen, mit dem europäische Hersteller seit kurzem quecksilberfreie Primärbatterien kennzeichnen. Das Quecksilber in den anderen Batterien stammt vor allem aus weniger hochwertigem – und damit billigerem – Zinkmaterial für die Anoden von Batterien, die vorwiegend aus Nicht-EU-Ländern importiert werden. K. VOLLRATH
Quecksilberfrei oder nicht? UV-Sensoren tasten Alkali-Mangan- und Zink-Kohle-Batterien ab, um festzustellen, ob sie den Code für Hg-freie Batterien haben.
Sauber aufgereiht verlassen die runden Batterien mit Stahlmantel den Wendeltopf.

Von K. Vollrath
Von K. Vollrath

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