Umwelt 25.07.2003, 18:26 Uhr

Streit um Dieselruß

Fast 14 000 Menschen sterben laut Umweltbundesamt jedes Jahr, weil sie die Rußteilchen aus Dieselmotoren eingeatmet haben.
Jährlich sterben in Deutschland etwa 14 000 Menschen an Krebs, verursacht durch den Ruß, der aus Dieselfahrzeugen ausgestoßen wird. Zu diesem Ergebnis kommen die Forscher einer aktuellen Studie, die sie im Auftrag des Berliner Umweltbundesamtes verfasst haben. „Dieselruß ist ein ernst zu nehmendes Umweltproblem“, sagte Andreas Troge, Präsident der Behörde, bei der Präsentation des Jahresberichtes 2002 in Berlin. Rußfilter könnten den Partikelausstoß um 90 % reduzieren. „Es gibt keine Ausrede mehr. Die Autoindustrie sollte die Chance nutzen und die neuen Diesel-Modelle endlich aus der Diskussion über die Gesundheitsgefahren durch Dieselruß heraus bringen,“ sagte Troge.
Unterdessen bemüht sich Umweltminister Jürgen Trittin zusammen mit Frankreich um schärfere Grenzwerte für Rußpartikel in der EU. Sie werden spätestens 2010 in Kraft treten, sagte der Minister bei der Präsentation des Jahresberichts. Eine höhere Dieselsteuer, wie einige Grüne das zuletzt gefordert hatten, lehnt er ab.
Ab 2005 tritt die Euro-IV-Norm für Abgasgrenzwerte in Kraft. Die Norm wird verbieten, bei Neu-Pkw den Grenzwert von 25 mg Partikelmasse pro km zu überschreiten – bis dahin gilt noch „Euro III“ mit dem Grenzwert von 50 mg/km. Für neu zugelassene Lkw sind Partikelfilter seit Jahren vorgeschrieben.
Seit mehr als drei Jahren baut Peugeot Partikelfilter in Dieselmotoren ein, die 10 000 Mal weniger lungengängige Rußpartikel ausstoßen als ein vergleichbares Fahrzeug ohne Filter. Hersteller wie Citroen, Renault, Fiat, Lancia oder Toyota sind dem Beispiel mittlerweile gefolgt. Deutsche Autobauer zögern bisher. Die Technik sei nicht ausgereift, heißt es.
Bei VW schätzt man den Preis für das Filtersystem je nach Größe des Motors auf 200 # bis 600 #. Bei rund zwei Millionen produzierten VW- und Audi-Dieselmotoren in Europa spare der Konzern durch den Verzicht bis zu 1 Mrd. # pro Jahr.
Das größte Problem beim Dieselfilter ist die Asche. Die festen Verbrennungsreste verstopfen mit der Zeit die Poren, was Leistung kostet, den Verbrauch erhöht und den Ausstoß von Stickoxiden und klimaschädlichem Kohlendioxid. Hauptsächlich aus diesen Gründen haben sich Hersteller wie Mercedes oder VW immer wieder gegen Filter ausgesprochen. Innermotorische Verbesserungen seien vorzuziehen, heißt es beim Verband der Automobilhersteller Deutschlands (VDA).
Wie gefährlich der Ruß für den Menschen ist, ist umstritten. Bei Hamstern lösten selbst hohe Dosen keine Tumorbildung aus, Versuche an Mäusen lieferten keine eindeutigen Ergebnisse und nur bei Ratten konnte ein Zusammenhang zwischen der Einwirkung von Dieselruß und der Krebsentstehung nachgewiesen werden – allerdings nur bei Dosen, die um den Faktor 100 bis 1000 höher ist als die Konzentrationen an verkehrsreichen Straßen sind.
„Rattendaten können nicht zu Abschätzung für eine Gefährdung beim Menschen verwendet werden“, sagt Dr. Norbert Metz von der Abteilung Verkehr und Umwelt bei BMW in München. Sie seien dem Menschen zu unähnlich. Das UBA stützt seine Erkenntnisse zum Großteil auf Tierversuche. „Die UBA-Studie steht auf einer empirisch ausgesprochen schmalen und methodisch fragwürdigen Basis“, kritisiert der VDA, aus heutiger Sicht ließe sich keine extreme Gefahr durch ultrafeine Rußpartikel feststellen.
Forscher unterscheiden eine primäre und eine sekundäre Tumorbildung. „’Primär’ bedeutet, dass bestimmte Wirkstoffe – im Falle von Dieselruß hauptsächlich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Benzol – das Erbgut schädigen und Krebs verursachen“, erklärt Prof. Dr. Joachim Bruch vom Institut für Hygiene und Arbeitsmedizin der Universität Essen.
„’Sekundär’ ist die Krebsentstehung durch eine chronische Entzündung, die durch die Reaktion des Körpers auf die Struktur der Partikel entsteht. Ein Beispiel für diesen Mechanismus ist Leberkrebs als Folge einer chronischen Leberentzündung.“
Krebs erregend könnten zudem organische Stoffe wirken, die am Ruß haften, die allerdings laut Bruch durch verbesserte motorische Verbrennung und Abgasnachbehandlung leicht aus dem Abgas verbannt werden können. An dem Essener Institut laufen Untersuchungen darüber, ob es einen Grenzwert für Rußpartikel gibt, ab dem kein Risiko mehr besteht, Krebs zu bekommen. Nach Bruchs Einschätzung wird sich mit Euro IV ab 2005 das Krebsrisiko stark verringern.
PETER KUDLICZA/eb

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