Umwelt 21.06.2002, 18:20 Uhr

Schlechte Noten für Europas Seen und Flüsse

Brüssel bastelt an einer neuen Badegewässerrichtlinie. Nach 25 Jahren und schlechten aktuellen Werten sollen die Parameter für Verunreinigungen der Flüsse und Seen neu gefasst werden. Vor allem die Landwirtschaft rückt ins Visier der Kommissare.

Gut ist ihr nicht gut genug. Die EU-Umweltkommissarin Margot Wallström hätte allen Grund zufrieden zu sein. In ihrem jährlichen Bericht über die Qualität der europäischen Badegewässer prüft die Brüsseler Kommission die Verunreinigung von Seen und Küstengewässern mit Bakterien, Mineralölen, Tensiden und Phenolen. Bei der diesjährigen Vorlage des EU-Berichts präsentierte Wallström erfreuliche Ergebnisse: 97 % der Küstengewässer in der EU erfüllen die zwingenden Werte gesundheitlicher Reinheit – das sind 0,5 % mehr als im Vorjahr. Und auch bei den ökologisch strengeren Leitwerten ergibt sich eine Verbesserung von 88,4 % auf 89,7 % an den EU-Badestränden, die damit die blaue Flagge hissen dürfen – das Gütesiegel eines sauberen Strandes. Die Untersuchung bestätige „einen anhaltenden Trend zu einem verringerten Infektionsrisiko“ vor den europäischen Küsten.
Getrübt wird das Bild an der europäischen Badeburgenfront im Hinterland. Die Qualität der Binnengewässer, also der Flüsse und Seen lässt zu wünschen übrig. Hier erreichen nur noch 93 % der überwachten Gewässer die zwingenden Konformitätswerte und damit 0,6 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.
Ein schlechtes Zeugnis hat die EU-Kommission den Berliner Badegewässern ausgestellt. Nach den Daten der Brüsseler Behörde war die Qualität des Wassers im Jahre 2001 in neun der 19 Berliner Seen und Strandbäder unzureichend. Gegen den deutschen Trend verschlechterte sich in acht Gewässern die Situation im Vergleich zum Jahr 2000, nur in drei Fällen besserte sich der Zustand des Wassers.
Um den Zustand der Seen und Flüsse in Europa zu verbessern, soll die EU-Gewässerrichtlinie nun überarbeitet werden. „Kein Gewässer entspricht zu 100 % den vorgeschriebenen Werten und in vielen Gebieten schneiden sämtliche Flüsse und Seen schlecht ab,“ kritisiert Wallström.
Außerdem seien einige Parameter der Richtlinie aus dem Jahr 1976 veraltet. Es müsse stärker berücksichtigt werden, dass in Flüssen und Seen viel mehr geschwommen, getaucht, gesurft und andere Dinge unternommen werden als noch vor 26 Jahren. Des Weiteren sollten Kommunen und regionale Wasserwerke stärker in die Überwachung und Kontrolle der Gewässerqualität einbezogen werden. Überdies dauerten mikrobiologische Analyse und Informationsfluss so lange, dass die Gesundheit von Badenden aufs Spiel gesetzt werde. Messdaten müssten detaillierter und schneller nach Brüssel übermittelt werden.
Zwar unterstreicht die EU-Kommission den anhaltenden Bau von Kläranlagen und Kanalisationen – zum Teil mit EU-Strukturfördergeldern unterstützt – moniert aber die Vernachlässigung so genannter diffuser Quellen.
Als Hauptverschmutzer nennt die EU-Kommission die „nicht nachhaltige Landwirtschaft“, die über Weidegrund und Ackerland das Abflusswasser verunreinige.
Ein Hauptproblem bilden hierbei Nitrate sowie starke Düngung mit stickstoff- und phosporhaltigen Düngern. Überdies tragen Fremdenverkehrsanlagen wie zum Beispiel Campingplätze vor allem während der Tourismussaison zur Einleitung von unbehandelten Abwässern bei.
„Niemand will, dass sein Kind Magenprobleme bekommt, weil es in verschmutztem Wasser geschwommen ist,“ sagt Wallström. So hat die Brüsseler Vorkämpferin in Sachen Umweltschutz in einem Brief die Mitgliedstaaten aufgefordert, „konkret mitzuteilen, was sie zur Bekämpfung der diffusen Verschmutzung“ tun wollen. Ihren Revisionsvorschlag will die EU-Kommission im September vorlegen.
  THOMAS A. FRIEDRICH/ eb
Aufschluss über die aktuelle Qualität der europäischen Badestrände vom belgischen Knokke, Arcachon am französischen Golf von Gascogne oder dem portugiesischen Faro gibt der 330 Seiten starke Badegewässerreport mit Karten im Internet. Dort sind auch die Einzelergebnisse der insgesamt 13?429 überwachten Meeresstrände und 5783 Seen und Flüsse zu finden, seit zwei Jahren erstmals wieder mit den französischen Stränden.

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