Umwelt 23.10.2009, 19:43 Uhr

Product Carbon Footprint: Produkte hinterlassen Klimaspuren  

Unternehmen reagieren auf den Klimawandel und wollen dabei das Heft in der Hand behalten. Ökobilanzen haben in den vergangenen Jahren Klarheit in den Dschungel der ökologischen Schwachstellen im Betrieb gebracht. Zunehmend konzentriert man sich heute auch auf den sogenannten Product Carbon Footprint (PCF), den Klimafußabdruck, der auf der Methodik der Ökobilanz aufbaut. VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 10. 09, ber

Klimaschutz soll ein Kernaspekt im Produktionsprozess werden. Unternehmen wollen sich über das Ausmaß an Treibhausgasen klar werden, das im gesamten Lebenszyklus eines Produktes anfällt. Der Product Carbon Footprint (PCF) oder Klimafußabdruck wird aber auch als Verkaufsargument gegenüber einer zunehmend ökologisch sensibilisierten Kundschaft gesehen. Wie eine Online-Umfrage der Uni Mainz im Jahr 2008 ergab, möchten 90 % der Verbraucher CO2-neutrale Produkte kaufen.

Den Klimafußabdruck im Einzelfall zu bestimmen, ist allerdings eine komplexe Angelegenheit: Emissionen können etwa beim Rohstoffgewinn, bei Transporten, in der Produktion, in der Nutzungsphase oder auch bei der Verwertung und Entsorgung entstehen. PCF steigert aber auch bei Unternehmensleitungen, Mitarbeitern und Lieferanten das Bewusstsein für die Klimarelevanz der eigenen Produkte und Dienstleistungen.

Dem finnischen Papierkonzern UPM-Kymmene ist es beispielsweise gelungen, durch Energieeinsparung in den Produktionsprozessen und die Nutzung regenerativer Brennstoffe in den eigenen Heizkraftwerken seine direkten fossilen CO2-Emissionen pro Tonne Papier seit 1990 um 40 % zu senken.

Neben den Emissionen, die bei der Faser- und Papierherstellung entstehen, sind auch Transporte, Holzernte, Altpapiererfassung sowie Rohstoffe wie Pigmente und Binder relevant für den Klimafußabdruck von Papier, ebenso wie eine nachhaltige Forstwirtschaft.

Bei Letzterer wird die Menge an Kohlenstoffen, die dem Wald mit dem Holz entnommen und in den Papierkreislauf überführt wird, durch Anpflanzung und Wachstum neuer Bäume wieder gebunden. Auch vermiedene Emissionen, die durch Gutschriften im Emissionshandelssystem belohnt werden, mischen beim Klimafußabdruck des Papiers mit.

Viele Schritte und aufwändige Kommunikationsprozesse waren notwendig, bis UPM, das in 14 Ländern Papier- und Holzprodukte herstellt, einen Überblick über die gesamte Produktkette erarbeitet hatte, der auch für Lieferanten und die Öffentlichkeit nachvollziehbar ist.

Ein Vier-Personen-Haushalt etwa verbraucht im Durchschnitt für Strom, Heizung und Treibstoff circa 15 000 kg CO2 pro Jahr. Bei einem jährlichen Verbrauch von 500 kg grafischem Papier kommt dieser Haushalt auf einen zusätzlichen CO2-Verbrauch von max. 750 kg. Dabei sind die Verbräuche der Produktion, der Lieferkette, Logistik und Verarbeitung berücksichtigt.

Treibhausgase lassen sich nicht nur in großen Unternehmen nachweisen und später vermeiden. Bei Senser in Augsburg, einer modernen Offsetdruckerei mit 21 Mitarbeitern, hat man erfolgreich den Weg zur Klimaneutralität beschritten: Senser druckt seit den 80er-Jahren mit mineralölfreien Biofarben auf der Grundlage von nachwachsenden Rohstoffen wie Rapsöl und Holzölen.

Mit der Installation stromsparender Druckmaschinen wurde der Stromverbrauch um etwa 30 % reduziert. Seit Anfang 2008 produziert Senser mit Ökostrom aus Wasserkraft, der vom TÜV Süd zertifiziert wurde. 25 % seines Strombedarfs generiert das Unternehmen mit einer Hightech-Solarstromanlage. Zum Heizen der Produktionsräume wird die Abwärme der Druckmaschinen und der Zusatzaggregate genutzt.

Allerdings gehört Senser-Druck in Bayern immer noch zu den Pionieren. „Jedes Unternehmen muss sich mit der Klimaerwärmung auseinandersetzen und sich darüber klar werden, wo es CO2 vermeiden kann, um für die Zukunft gewappnet zu sein“, meinte Dr. Siegfried Kreibe vom bifa-Umweltinstitut, Augsburg, das im Auftrag der IHK für München und Oberbayern eine Befragung unter fast 1200 Unternehmen durchgeführt hat.

Danach fühlt sich jedes fünfte Unternehmen in der Region von den Folgen des Klimawandels stark betroffen. Über 65 % der fast 1200 Befragten fürchten vor allem Infrastrukturschäden und Engpässe bei der Energie- und Rohstoffversorgung, 48 % extreme Wetterereignisse und 38 % die globale Erwärmung. Immerhin 30 % der Firmen sehen wirtschaftliche Chancen und denken an Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Umwelttechnologien und neue Märkte.

Übrigens: Auch Zeitungsleser können ihre Lektüre klimabewusst genießen. Bei UPM hat man ausgerechnet, dass das Papier für ein Jahresabonnement einer Wochenzeitschrift einen Klimafußabdruck von etwa 11 kg hat. Das entspricht den Emissionen einer Autofahrt von 60 km. M. WOLLENWEBER

Ein Beitrag von:

  • Marianne Wollenweber

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