Umwelt 13.08.1999, 17:22 Uhr

Ozon: Vorbeugen statt verbieten

Eine Sommersmogregelung ist nur dann effektiv, wenn frühzeitig und großräumig Verkehr und Produktion eingeschränkt werden. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Papier.

Erhöhte Ozonkonzentrationen müssen durch dauerhaft angelegte Maßnahmen in ganz Mitteleuropa bekämpft werden. Das bedeutet, die Maßnahmen müssen unabhängig von kurzzeitigen Smogepisoden, am besten ganzjährig ergriffen werden. Ziel ist die Reduzierung der Emissionen der Ozon-Vorläufersubstanzen, der Stickoxide (NOX) und der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), um den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Schwellenwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit von 120 mg/m3 (Mittel über 8 Std.) einzuhalten. Nach heutigem Kenntnisstand ist dieser Wert in Zentraleuropa nur dann erreichbar, wenn diese Emissionen, gemessen am Niveau der 80er Jahre, um 70 % bis 80 % reduziert werden.
Stickstoffoxide und VOC kommen vorrangig aus stationären Quellen (vor allem Feuerungsanlagen), dem Verkehrsbereich (vor allem Straßenverkehr) und der Anwendung von Lösemitteln im privaten und gewerblichen Bereich. Im Verkehrsbereich brachte die flächendeckende Einführung des Katalysators die entscheidende Wende. Weitere deutliche Fortschritte wird es durch die ab den Jahren 2000 bzw. 2005 geltenden Abgasstufen Euro 3 und Euro 4 geben. Die Bundesregierung drängt auf europäischer Ebene darüber hinaus auf eine stärkere Abgasminderung bei Krafträdern und Kleinkrafträdern.Die Prognosen lassen erwarten, daß spätestens im Jahre 2010 der Verkehrsbereich nicht mehr maßgeblich zur Ozonbildung beitragen wird.
Zur Begrenzung von VOC-Emissionen aus gewerblichen Anlagen wird derzeit in der EU eine Lösemittelrichtlinie vorbereitet, die in Kürze in Kraft treten wird. Mit dieser Richtlinie sollen die VOC-Emissionen bei der Verwendung organischer Lösemittel in bestimmten Industrieanlagen und Prozessen in 20 Branchensektoren bis 2007 gesenkt werden, mit einer Minderung von 50 % gegenüber 1990 wird gerechnet. Etwa zwei Drittel aller Lacke und Anstrichstoffe werden außerhalb von Großanlagen verarbeitet, z.B. in der Kfz-Reparaturlackierung und im privaten Bereich. Anwendungsbeschränkungen oder -verbote sind auf europäischer Ebene angestrebt.
Auf Beschluß des Umweltrates bereitet die EU-Kommission die Vorlage eines Richtlinienvorschlags über nationale Emissionsobergrenzen vor. Die Einhaltung der darin festgelegten länderspezifischen Emissionshöchstgrenzen für Stickstoffoxide und VOC muß bis zum Jahr 2010 gesichert sein. Diese Richtlinie dient der Bekämpfung der Umweltprobleme Versauerung, Eutrophierung und bodennahes Ozon. Ein derartiges Konzept ist sinnvoll, da NOX zu allen drei Umweltproblemen beiträgt.
Die EU-Kommission arbeitet darüber hinaus an einer Novelle der Ozon-Richtlinie aus dem Jahre 1992. Sie wird den WHO-Schwellenwert von 120 mg/m3 als Zielwert festschreiben. Für das Jahr 2010 wird ein Zwischenziel von ebenfalls 120 mg/m3 definiert, jedoch mit bis zu 20 erlaubten Überschreitungen. Die Richtlinie wird die Mitgliedstaaten auch zur Aufstellung von Plänen mit Kurzfristmaßnahmen auffordern, wenn die Gefahr der Überschreitung des Alarmwertes von 240 mg/m3 (1-h-Mittel) besteht.
Temporäre Maßnahmen können per Definition das Ozonproblem nicht lösen. Die Neukonzeption der Bundesregierung verfolgt das Prinzip, nur solche Maßnahmen vorzuschlagen, die einerseits die Haupt-emittenten erfassen, andererseits aber auch vollzugsfreundlich sind.
Die Maßnahmen erstrecken sich auf die jeweiligen Hauptverursacher der Ozonvorläuferstoffe für NOX ist dies heute noch der Verkehrsbereich und für VOC ist es die Lösemittelverwendung. Die Maßnahmen werden bereits ab 180 mg/m3 ergriffen, wenn die Ozonbildung noch nicht in vollem Gange ist und die gesundheitlich bedenkliche Schwelle von 240 mg/m3 noch nicht erreicht worden ist. Zur Reduzierung der Verkehrsemissionen werden Tempolimits verhängt. Im Bereich VOC werden die Benutzung von benzingetriebenen Gartengeräten sowie die Verwendung von Lösemitteln im privaten Bereich verboten.
Die Maßnahmen gegen Sommersmog sollen zukünftig in einer Rechtsverordnung der Bundesregierung geregelt werden. In das Bundes-Immissionsschutzgesetz könnte folgende Verordnungsermächtigung (neuer §40 III) aufgenommen werden:
„Die Bundesregierung wird ermächtigt, vorzuschreiben, daß bei andauernden sommerlichen Wetterlagen der Kraftfahrzeugverkehr zur Vermeidung schädlicher Umwelteinwirkungen durch Ozon nach Maßgabe der verkehrsrechtlichen Vorschriften Beschränkungen oder Verhaltensregelungen unterworfen werden kann. Die Regelungen müssen sich auf das gesamte Gebiet erstrecken, in dem Kraftfahrzeuge Emissionen hervorrufen, die zur Bildung erhöhter Ozonkonzentrationen mehr als nur geringfügig beitragen können.“ Die Ermächtigungsgrundlagen zum Verbot von Gartengeräten und der Verwendung von Lösemitteln während Sommersmog-Epiosoden sind bereits vorhanden.
Die Maßnahmen werden ausgelöst, wenn der Informationswert der EU von 180 mg/m3 überschritten ist. Damit wird sichergestellt, daß die Maßnahmen rechtzeitig vor Erreichen der zukünftig europaweit geltenden Alarmschwelle von 240 mg/m3 einsetzen. Folgende Geschwindigkeitsbeschränkungen sind geplant: Pkw/Motorräder Landstraße 80 km/h Lkw/Busse/Gespanne 50 km/h. Pkw/Motorräder Bundesautobahn 100 km/h Busse etc. 60 km/h. Nach Abschätzungen des Umweltbundesamtes sind dadurch Emissionsminderungen an einem Sommertag von 10 % für NOX und 1 % für VOC zu erwarten.Der Betrieb benzinbetriebener Gartengeräte soll bei Ozonalarm verboten werden. Das könnte die VOC-Emissionen im Maßnahmengebiet um 8 % senken.
Für den Ozonalarm wird die Bundesrepublik in zwei große Maßnahmengebiete (Nord- und Süd-Cluster) eingeteilt. Die Grenze zwischen den Gebieten soll den nördlichen Landesgrenzen von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen entsprechen. Mit derart großen Maßnahmengebieten wird sichergestellt, daß ein möglichst großer Anteil der Emittenten erfaßt wird. Liegt die mittlere Ozonkonzentration der obersten 25 % dieser Werte über 180 mg/m3 (1-h-Mittel) und ist für den nächsten Tag mit einer andauernden sommerlichen Wetterlage zu rechnen, dann wird für diesen Tag Ozonalarm ausgelöst.
Mit diesen Maßnahmen werden schätzungsweise die NOx-Emissionen um ca. 20 % und die VOC-Emissionen um ca. 30 % zurückgehen. Nach Modellrechnungen kann günstigstenfalls mit einer Reduzierung der Ozonspitzen um maximal 10 % gerechnet werden. Wäre diese neue Strategie bereits in den Vorjahren zur Anwendung gekommen, dann hätte es an ca. 10 bis 20 Tagen pro Jahr Ozonalarm gegeben.
cf
Bei Ozonalarm läßt freiwillig kaum ein Autofahrer sein Fahrzeug stehen – hier Stau in Hamburgs Innenstadt an einem Smog-Tag. Nur Fahrverbote hätten Wirkung.
Smog hält sich nicht an vorgegebene Zeiten – Beschilderung hin oder her. Daher sind Maßnahmen, die frühzeitig Emissionen senken, notwendig.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Sweco GmbH-Firmenlogo
Sweco GmbH Ressortleiter Abfalltechnik / Umwelttechnik / Tiefbau (m/w/x) Mainz
Mühlenkreiskliniken AöR-Firmenlogo
Mühlenkreiskliniken AöR Umweltingenieur*in (m/w/d) Minden
Sweco GmbH-Firmenlogo
Sweco GmbH Ingenieur Energie- und Verfahrenstechnik (m/w/x) Köln
h.a.l.m. elektronik GmbH-Firmenlogo
h.a.l.m. elektronik GmbH Vertriebsingenieur (m/w/d) im Bereich Solarenergie-Messtechnik Frankfurt am Main
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Projektleiter (m/w/d) Neubauprojekte Gleisanlagen Straßenbahn (Tram) München
eta Energieberatung GmbH-Firmenlogo
eta Energieberatung GmbH Wirtschaftsingenieur für Projekte im Bereich Energiewirtschaft (w/m/d) Pfaffenhofen an der Ilm
Spar- und Bauverein eG-Firmenlogo
Spar- und Bauverein eG Projektmanager für Klimaschutz (m/w/d) Hannover
Sweco GmbH-Firmenlogo
Sweco GmbH Projektleiter / Projektingenieur Abfalltechnik / Umwelttechnik / Deponietechnik (m/w/x) Mainz
BORSIG Service GmbH-Firmenlogo
BORSIG Service GmbH Projektleiter E- und Leittechnik (m/w/d) Berlin
Röhm GmbH-Firmenlogo
Röhm GmbH Manager Energy & Technology (m/w/d) Darmstadt

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Umwelt

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.