Umwelt 11.03.2005, 18:37 Uhr

Ökoaudit auf der Alm  

Am Beispiel Oberstdorf wird das Umweltmanagement für Skigebiete geprobt.

Rund 14 Mio. Menschen leben im Alpenraum, etwa 50 Mio. Urlauber verbringen jedes Jahr ihre Ferien dort. Aber Tourismus bringt nicht nur Geld in die Alpenregion. Er hinterlässt auch deutliche Spuren in der Natur.

Immer mehr Menschen haben Spaß an Outdoor-Aktivitäten, was die steil steigenden Mitgliederzahlen der Alpenvereine belegen. Im Sommer sind es die Kletterer, Mountainbiker oder Drachenflieger, die der Bergwelt zu schaffen machen. Im Winter sind die Belastungen oft größer als im Sommer. Gerade erst wurde für die Riesenslalom-WM in Bormio im italienischen Alpenwald aufgeräumt: 3000 Bäume fielen laut WWF den Rennpisten zum Opfer.

Aber auch ein „normaler“ Skibetrieb hat seine Schattenseiten. Über die Hälfte der Pisten läuft durch Naturschutzbereiche, weiß man bei der Sporthochschule in Köln. Lautstarker Hüttenzauber, musikbeschallte Pisten oder Flutlichtfahrten werden häufig für nimmermüde Schneepartylöwen angeboten. Bis über den März hinaus wird präpariert, planiert und teilweise mit Schneezement zementiert. Etwa ein Drittel der Pisten Österreichs werden mittlerweile mit Kunstschnee berieselt. Das Resultat zeigt sich im Sommer, wenn sich die Landschaft mit plattgefahrenen Hängen präsentiert.

Nun trifft es sich gut, dass der Bundesumweltminister ein Bergfan ist, der die Natur für den Sport nutzen, aber auch erhalten möchte. So forciert das Ministerium die Umsetzung der Alpenkonvention. Auf den alpinen Rettungsplan mit seinen einzelnen Durchführungsprotokollen für die Brennpunkte Verkehr, Bodenschutz, Raumplanung, Tourismus und andere haben sich die Alpenanrainer geeinigt. Um den Spagat zwischen Naturerhalt und Nutzung zu schaffen, sollen Audits in den Skigebieten gemacht werden. Als Vorbild dienen die EMAS-Kriterien des europäischen Umweltaudits. Hier steht der technische Umweltschutz mit Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Emissionen im Vordergrund. „Ganz neu kommen jetzt die landschaftsbezogenen Elemente dazu“, erklärt Gertrud Sahler vom Bundesumweltministerium (BMU).

Liechtenstein hat es bereits vorgemacht, die Schweiz und Österreich zogen mit Pilotaudits nach. Kernstück beim Skiaudit ist die Umweltprüfung. Im „skisportlich beeinflussten Bereich“ kommt es zum Beispiel darauf an, wie der Skirummel Steinbock, Hirsch, Reh, Schneehase oder Raufußhuhn stört. Ob und mit wie viel Getöse Schneekanonen nachts laufen und Eulen oder Greifvögel verschrecken. Welche Schäden es durch Pistenfahrzeuge oder in schneefreien Zeiten durch die alpwirtschaftliche Nutzung gibt.

Seit Januar steht nun auch der deutsche Auditkandidat fest: Oberstdorf, das gerade wegen der Nordischen Ski-WM aus allen Nähten platzte. Warum Oberstdorf? Das Dorf in den bayerischen Alpen ist Austragungsort internationaler Skiwettkämpfe. Neuerdings wird bei sportlichen Großveranstaltungen Wert darauf gelegt, dass die Umwelt möglichst wenig Schaden nimmt. „Seit in Sydney die Umwelt zur neuen olympischen Disziplin gekürt wurde, gehört es schon fast zum guten Ton, ein Umweltkonzept zu haben“, sagt die Umweltexpertin vom BMU.

Auch Touristen haben gerne eine intakte Natur. „Wir müssen mit dem Kapital einer schönen Landschaft sorgsam umgehen“, meint Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule. Die Kölner Athletenschule erarbeitet den Maßnahmenkatalog für das Umweltmanagement gemeinsam mit dem Oberstdorfer Skigebietsbetreiber. Im Moment macht man Bestandsaufnahme. Die Natursportexperten fragen nach, wie sehr die Pisten beansprucht werden, ob es sichtbare Schäden aus Winter- oder Sommerbetrieb gibt, in welchem Maß technisch beschneit wird, wie es mit der Artenvielfalt aussieht und die Tier- und Pflanzenwelt wird kartiert. Der Projektleiter denkt schon in die Zukunft: „Mit einem Audit kann jedes Skigebiet seine ökologischen Anstrengungen erfassen, Verbesserungen planen und öffentlich machen“, sagt er. Und so könnte Stück für Stück der Alpenraum mit dem „Masterplan für die Bergwelt“ ökologisch aufgewertet werden.

Dennoch gibt es Probleme, für die das Skigebietsaudit blind ist. In die beliebteste Ferienregion Deutschlands reist die Mehrheit mit dem Auto und stellt neben dem Alpentransit eine enorme Belastung für Bergwald und Bergluft dar. Bequem fallen die Urlauber über die B19 bis Kempten ein. Ab da zwängt sich der Verkehr durch das enge Tal und weiter geht“s im Stau in die Allgäuer Skigebiete. „Verkehrslogistik ist das Dilemma der Wintersportgebiete. Da braucht es noch große Anstrengungen – auch aus den Regionen selbst – um den Verkehrsinfarkt in den Alpen zu mildern“, resümiert Getrud Sahler aus dem BMU.

Und das Klima? Bis Weihnachten waren die Wintersportverhältnisse vieler Skiorte alles andere als paradiesisch. Davos wartete noch im Januar in immerhin 1600 m Höhe auf das weiße Wunder. Nun ist viel Schnee da, aber die Lawinengefahr wächst, warnt der Deutsche Alpenverein. Kein Zufall, denn auch der Alpentourismus kämpft mit den Folgen des Treibhauseffekts. In den nächsten 30 Jahren rechnen Klimatologen mit einem Temperaturanstieg um 2 °C. In den Alpen wird es noch wärmer werden. Die Winterniederschläge nehmen zu, fallen aber in tieferen Lagen immer häufiger als Regen. Auch Kunstschnee kann diese Lücke auf Dauer nicht schließen, weil es schlicht zu warm ist für die weiße Pracht. Für manche wird deshalb der Wintersport bald Schnee von gestern sein. Experten raten: Die Skiorte täten gut daran, mehr an den Sommer zu denken.

KATHLEEN SPILOK/wip

Anrainer versuchen mit dem „alpinen Rettungsplan“ den Spagat zwischen Schutz und Spaß

Von Kathleen Spilok/Wip
Von Kathleen Spilok/Wip

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