BEDINGUNGEN FÜR KLIMASCHUTZ 09.01.2015, 10:29 Uhr

Nur ein Fünftel der Kohlereserven darf noch verbrannt werden

Britische Forscher mahnen: 80 Prozent der Kohlereserven, ein Drittel des Erdölvorkommens und die Hälfte der Gasreserven sollten ungenutzt in der Erde bleiben – ansonsten droht die globale Erwärmung aus dem Ruder zu laufen. 

Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln im Landkreis Peine (Niedersachsen). Weltweit darf die Menschheit nur noch 20 Prozent der Kohlereserven verbrennen. Nur dann lässt sich laut britischen Forschern das Ziel des Weltklimarates einhalten. 

Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln im Landkreis Peine (Niedersachsen). Weltweit darf die Menschheit nur noch 20 Prozent der Kohlereserven verbrennen. Nur dann lässt sich laut britischen Forschern das Ziel des Weltklimarates einhalten. 

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die britischen Forscher Christopher McGlade und Paul Ekins haben die Aussage des Weltklimarates IPCC zugrunde gelegt, nach der bis zum Jahr 2050 nur noch 1000 Gigatonnen Kohlendioxid aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft in die Luft gepustet werden dürfen, um das so genannte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Zwei Grad Erwärmung im globalen Mittel gegenüber dem Ursprungswert, das gilt unter Klimaforschern als die Grenze, oberhalb derer die Konsequenzen kaum noch kontrollierbar sind.

Forscher vergleichen Energieverbrauch einzelner Fördermethoden

Die 1000 Gigatonnen entsprechen etwa einem Drittel dessen, was heute weltweit an Reserven vorhanden ist. Als Reserven bezeichnet man die Quellen, die schon jetzt technisch verwertbar und wirtschaftlich förderbar wären. Dazu werden die klassischen Ölvorkommen etwa im Nahen Osten ebenso gerechnet wie das Potenzial, das im umstrittenen Fracking liegt, in Ölsanden oder auch in der geschützten Arktis.

Fracking in Pennsylvania (USA). Die umstrittene Fördermethode schneidet in der Studie der britischen Forscher besser ab als die Ausbeutung von Ölsanden. Diese benötigt hohen Energieaufwand bei relativ geringer Ausbeute. 

Fracking in Pennsylvania (USA). Die umstrittene Fördermethode schneidet in der Studie der britischen Forscher besser ab als die Ausbeutung von Ölsanden. Diese benötigt hohen Energieaufwand bei relativ geringer Ausbeute. 

Foto: dpa/Jim Lo Scalzo

Die Studie der beiden britischen Forscher zeigt nun erstmals konkret, was die 1000 Gigatonnen bedeuten. Und sie bezieht auch den technischen Aufwand für Förderung und Nutzung der Ressourcen in die Berechnung ein. Gasvorkommen in den USA, die dort direkt genutzt werden, werden beispielsweise besser bewertet als die Ausbeutung kanadischer Ölsande, die bei relativ geringerem Ertrag hohen Aufwand und mithin auch Energieverbrauch bedeuten.

Australien soll Kohleverbrauch beinahe einstellen

Diese Wertung führt dazu, dass einzelne Staaten oder Weltregionen nach dem Szenario stärker Verzicht üben sollten als andere. So dürfe beispielsweise Australien nur noch zehn Prozent seiner Kohlevorkommen ausbeuten, schreiben die Forscher im Fachmagazin Nature. Die wirtschaftlich aufstrebenden Nationen China und Indien sollten demnach weitgehend auf die Nutzung des in Gestein gebundenen Schiefergases verzichten.

Dass sich derartige Zielsetzungen politisch durchsetzen lassen, ist höchst unwahrscheinlich. Gerade erst haben die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention wieder eine Einigung auf einen neuen Klimaschutzvertrag mit verbindlichen Reduktionszielen bei den Treibhausgasen verschoben. Dabei gilt: Die Berechnungen böten noch nicht einmal die Garantie, dass das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden kann – die beiden Forscher sprechen für den Fall von einer Fifty-Ffty-Chance.

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