Umwelt 02.09.2005, 18:40 Uhr

New Orleans noch für Monate unter Wasser  

VDI nachrichten, New York, 2. 9. 05 – Hurrikan Katrina hat in den USA den größten Sturmschaden in der Geschichte angerichtet. Am Mittwoch lag die Zahl der Toten bei über 100 und die Versicherungen rechnen mit Forderungen von über 26 Mrd. $. Doch der tatsächliche Schaden ist um ein Vielfaches höher, da nur ein Bruchteil versichert ist. Noch größer aber sind die Folgeschäden, denn mit einem Ölpreis von 70 $ je Barrel hat diese Naturkatastrophe schon jetzt weltweite Auswirkungen.

Über 100 Tote, 1 Mio. Menschen ohne Strom, Hunderttausend ohne Telefon und für Monate weite Landesteile unter Wasser – das war die Bilanz, wenige Tage nachdem Amerika von seiner bislang schwersten Naturkatastrophe heimgesucht wurde. Betroffen sind die Küstenstreifen der Staaten Alabama, Mississippi sowie der Südosten von Louisiana, vor allem New Orleans.

Am Sonntag wurde das Hurrikanzentrum vor New Orleans erwartet. Bürgermeister Ray Nagin ordnete deshalb die Zwangsevakuierung der Stadt an. Über 1 Mio. Einwohner verließen die Region. Und wer die Stadt nicht verlassen konnte, musste in den Superdome umziehen, ein riesiges überdachtes Football-Stadium. New Orleans ist besonders gefährdet, da 80 % der Stadt bis zu sieben Meter unter dem Meeresspiegel liegen.

Dann aber schlug Katrina einen Haken und ging mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 km/h in den 30 km entfernten Badeorten im Bundesstaat Mississippi an Land. In dieser Region sind jetzt auch die meisten Opfer zu beklagen, da sie nachts von der Wucht des Hurrikans überrascht wurden. Allein 30 Menschen starben, als dort ein Apartmenthaus weggefegt wurde.

Dieser Landstrich hat für den Staat Mississippi einen hohen finanziellen Stellenwert, da sich dort Spielkasino an Spielkasino reiht. Rund 500 000 $ Steuern kassiert der Staat hier normalerweise täglich in den Kasinos. Für die 14 000 Personen, die dort beschäftigt sind, ist die Zukunft jetzt völlig offen.

Versicherungsexperten rechnen derweil mit Forderungen in Höhe von über 26 Mrd. $. Doch die tatsächlichen Schäden sind um ein Vielfaches höher. Hochwasserschäden sind in diesen Regionen nicht mit der normalen Hausversicherung abgedeckt, sondern müssen separat abgeschlossen werden. Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass es einen immensen gesamtwirtschaftlichen Folgeschaden geben wird. So haben viele Versicherungen bereits landesweite Prämienerhöhungen angekündigt.

Darüber hinaus entsteht ein weltweiter Schaden durch den Ausfall des Erdgases und Erdöls aus dieser Region. Rund ein Viertel der amerikanischen Erdöl- und Erdgasproduktion kommt aus dem Golf von Mexiko und 10 % der Raffinerien können wegen Hochwasser nicht erreicht werden. So stieg der Ölpreis bereits auf 70 $ je Barrel an. „Der Preis kann noch auf 100 $ steigen“, sagt Nariman Behravesh, Chef-Ökonom beim angesehenen Volkswirtschaftsinstitut Global Insight.

Die Energiesituation ist weiterhin kritisch. Schon nachdem Katrina eine Woche zuvor den Südzipfel von Florida überquert hatte und Kurs nach Norden nahm, wurden die Bohrinseln und alle Pumpstationen geräumt. Nach gegenwärtigen Schätzungen wird es Monate dauern, bis die Produktion auf den normalen Wert zurückgekehrt ist. Im Ölzentrum Mobile wurde eine losgerissene Pumpinsel gegen eine Hängebrücke gedrückt.

Zum Redaktionsschluss waren 95 % der gesamten Kapazität ausgefallen und es ist weiter unklar, wie ernst die Schäden an den Offshore-Bohrinseln sind. Präsident Bush hat zwar angekündigt, dass die nationalen Öl-Sicherheitsreserven anzuzapfen sind, um die Versorgung zu verbessern, doch das ist nach Ansicht vieler Wirtschaftsexperten nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Einem Bericht von Global Insight zufolge wird die Energiekrise mindestens „für einige Monate“ anhalten und damit die gesamte US-Wirtschaft bedrohen. Nariman Behravesh erwartet Einbußen beim Bruttosozialprodukt von bis zu 0,3 % als Folge des Hurrikans.

Darin enthalten sind auch Langfristschäden durch zerstörte Infrastruktur. Schon am Montagmorgen waren große Teile der Küstenregion ohne Strom und noch Mitte der Woche waren 1 Mio. Menschen ohne Elektrizität. Da weite Landesteile unter Wasser stehen, kann es noch Wochen dauern bis das Netz wieder intakt ist.

Amerikas Stromversorgung ist gegen Stürme besonders anfällig, da nur in den Stadtkernen ein unterirdisches Netz vorhanden ist. Selbst die Hochspannungsversorgung in den Wohngebieten ist überirdisch. Die Transformatoren zum Abspannen werden oben an die Masten gehängt, was den Mastschwerpunkt weit nach oben verlagert und die Konstruktion insgesamt sehr instabil macht.

Der weiter anhaltende Stromausfall bedeutet praktisch das Aus für Amerikas größten Seehafen bei New Orleans. Betroffen sind davon vor allem der Export von Weizen, Mais und Sojabohnen sowie der Kaffeeimport.

Als besonders anfällig erwies sich erneut das Kommunikationssystem. Zwar schalteten nach dem Stromausfall viele Stationen automatisch auf Batteriebetrieb um, doch diese hielten nicht sehr lange und konnten wegen des Hochwassers bislang nicht ausge- tauscht werden, so dass in der Folge des Hurrikans auch Millionen an Festnetz- und Mobil-Telefonen ausfielen. „Solange das Hochwasser anhält und kein Strom verfügbar ist, wird es leider auch kein normales Telefonieren geben“, sagte ein Sprecher der Telefongesellschaft Bell South. Auch Sprint, einer der größten Provider in dieser Region, konnte in einer offiziellen Stellungnahme seine Kunden nur „um Geduld“ bitten. New Orleans wird wohl noch für Monate mit den Folgen der Naturkatastrophe zu kämpfen haben. Dammbrüche haben 80 % der Stadt unter Wasser gesetzt. Die Deiche sind unterspült, so dass es schwer ist, die Stellen auszumachen, die repariert werden müssen.

Haupteinnahmequelle von New Orleans ist der Tourismus. Experten glauben, dass wegen des Hochwassers und der Schäden an den Hotels dieser auf Monate ausfallen wird. Auch das damit verbundene Tagungsgeschäft ist eingebrochen. New Orleans verfügt über eines der modernsten Konferenzzentren der Welt. Hightechfirmen wie SAP, Microsoft, HP und IBM veranstalten dort regelmäßig Kongresse mit bis zu 15 000 Teilnehmer. Wie stark das Tagungszentrum mit den angrenzenden Hotels beschädigt ist, ist noch unklar, aber für die jetzt im September beginnende Saison hat es bereits viele Absagen gegeben.

HARALD WEISS

Von Harald Weiss
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