Verpackungstechnik 06.05.2011, 19:53 Uhr

Nachhaltige Verpackungen steigen in der Verbrauchergunst

Die Verpackungsindustrie hilft Handel und Produktherstellern, ihren ökologisch belastenden Fußabdruck zu verkleinern. Denn die Verbraucher wünschen zunehmend ressourcenschonend verpackte umweltfreundliche Produkte. Verpackungshersteller und -maschinenbauer zeigen sich dafür bereits gut in Form.

Für viele Verbraucher ist nachhaltiges Handeln zu einem wichtigen Kaufkriterium geworden. Wurde früher kaum nach Herkunft, Art der Produktion und Verpackung gefragt, stehen ökologisch und moralisch „saubere“ Waren heute hoch im Kurs. Deshalb schätzt das US-Marktforschungsunternehmen Pike Research, Boulder, Colorado, dass sich der weltweite Umsatz mit nachhaltigen Verpackungen im Zeitraum 2009 bis 2014 von 88 Mrd. $ auf 170 Mrd. $ fast verdoppeln wird.

Die Verpackungsindustrie hilft dem Handel und den Produktherstellern, ihren ökologisch belastenden Fußabdruck zu verkleinern. Sie entwickelt ressourceneffizientere Verpackungen und die Produktionsprozesse dafür. Zwar sollen Rohstoffe und Energie bei der Warendistribution gespart werden, aber „an erster Stelle steht der Schutz des Füllguts“, wie Stefan Glimm, Geschäftsführer des deutschen Gesamtverbands der Aluminiumindustrie (GDA), Düsseldorf, betont. Dass Sicherheit und Ökologie kein Widerspruch sein müssen, wollen die Aussteller auf der Interpack vom 12. bis 18. Mai zeigen. So will z. B. der Verpackungshersteller Sonoco, Hartsville/USA, effiziente Verpackungslösungen seiner neuen „True Blue Line“ präsentieren. Diese benötigen laut Firmensprecher Jeff Schuetz bei gleichbleibend hoher Stabilität weniger Material oder können leichter recycelt werden als bisherige Verpackungen.

Der Lebensmittelhersteller Kraft Foods nutzt für seine Kaffeemarken statt Metalldosen Verpackungen aus recyclebarem Karton von Sonoco. Und der Konsumgüterkonzern Unilever hat die Kunststoffflaschen für seine Suave-Haarpflegemittel mit Sonocos Hilfe umgestaltet. Für die neuen Behältnisse würden nun 16 % weniger Material benötigt, trotzdem seien sie dank ihrer gewölbten Form stabiler als ihre Vorgänger.

Die deutsche Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK), Bad Homburg, hält die vielseitigen Polymere aufgrund solcher Innovationen als „bestens geeignet“ für nachhaltige Verpackungen. Und die Branche will ihre Nachhaltigkeitsleistung noch steigern, wie Isabell Schmidt im Vorfeld der Messe erklärte. „Ziel“, so die IK-Referentin für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, „sind noch leichtere Verpackungen und der weitere Ausbau des Recyclings.“

Glas kann zwar nicht mit geringem Gewicht punkten, ist aber mehrwegfähig und recycelbar. Zudem werde es fast ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, wie Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie (BV Glas), Düsseldorf, hervorhebt. Das kommt bei Verbrauchern gut an. Nach einer Umfrage der Marktforschungsgesellschaft TNS im Auftrag des europäischen Behälterglasverbands Feve, Brüssel, bevorzugen drei Viertel der insgesamt 9500 in 19 europäischen Ländern befragten Konsumenten Glasverpackungen, da es zu einem gesunden Lebensstil beiträgt.

Auch Verpackungen aus Aluminium lassen sich gut recyceln. Die Recyclingrate liegt in Deutschland bei 82,3 %. GDA-Geschäftsführer Glimm: „Diese Rate soll durch Schließen von Kreisläufen weiter erhöht werden.“ Zudem wolle die Branche bei den Verpackungen weiter Material sparen.

Allerdings müssen die Hersteller etablierter Verpackungsmaterialien mit wachsender Konkurrenz durch Biokunststoffe rechnen. So sagt beispielsweise das Marktforschungsinstitut Pira International, Leatherhead/Großbritannien, dem Markt für Verpackungen aus Biokunststoffen weltweit ein deutliches Wachstum voraus. In seiner Studie „The Future of Bioplastics for Packaging 2020“ stellte das Institut fest, dass 2010 der Biokunststoffverbrauch im globalen Verpackungsmarkt 125 000 t erreicht hat. Bis zum Jahr 2020, so die Prognose, werde der jährliche Biokunststoffeinsatz im Verpackungssektor auf 884 000 t zunehmen.

In Italien gilt seit Januar ein Verbot für herkömmliche Kunststofftüten. Als erstes Land in Europa sind hier nur noch Tragebeutel aus biologisch abbaubaren Materialien erlaubt. Auf der diesjährigen Interpack wird deutlich, dass biologisch abbaubare Verpackungen und Biokunststoffverpackungen weiter auf dem Vormarsch sind. Waren 2005 im Rahmen einer Sonderschau der Verpackungsmesse erst 250 m2 Nettofläche von Biokunststoffherstellern belegt worden, werden es 2011 bereits etwa 2000 m2 Ausstellungsfläche sein.

Der deutsche Biokunststoff-Compound-Produzent FKuR Kunststoff, Willich, präsentiert auf der Messe einen neuen transparenten und sehr flexiblen Biokunststoff für die Blasfolienextrusion. Das unter dem Namen „Bio-Flex F 2201 CL“ angebotene Material weist laut den Unternehmensangaben einen hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen von annähernd 60 % auf und sei für eine problemlose Verarbeitung auf den auch für LDPE (Low Density Polyethylen) genutzten Blasfolien- und Konfektionieranlagen geeignet. Der Verpackungswerkstoff könne als Mittelschicht in einer Dreischichtfolie die mechanischen Eigenschaften des transparenten, aber weniger flexiblen „Bioflex A 4100 CL“ verbessern. Durch die Transparenz beider Typen könne bei einer 20 µm dicken Dreischichtfolie ein Transmissionsgrad von 91 % erreicht werden. Der nachwachsende Materialanteil an dieser Verpackungsfolie liege bei annähernd 70 %.

Auch die Hersteller von Verpackungsmaschinen können die Ressourceneffizienz steigern. Der Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen im VDMA, Frankfurt am Main, sieht Einsparpotenziale nicht nur bei den Verpackungsmaterialien, einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Produktion leiste auch die Reduzierung des Energie- und Betriebsmittelverbrauchs der Maschinen durch moderne Technik. Auf der Interpack präsentiert der Verpackungsmaschinenhersteller Gerhard Schubert, Crailsheim, beispielsweise eine Top-Loading-Verpackungsmaschine (TLM), die erstmals vollautomatisch einen Werkzeugwechsel vollzieht und sich damit effizienter auf verschiedene Produkte umstellt. Von der Schokoladenhasenverpackung zum Joghurtbecher beträgt die Umstellzeit laut den Herstellerangaben 4,5 min. Damit sei ein weiterer Schritt hin zu einer digitalen Produktion gelungen, die flexibel auf veränderte Anforderungen reagiert und kleinste Stückzahlen bei hoher Produktivität herstellt. J. SIEBENLIST

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

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