Umwelt 30.04.1999, 17:21 Uhr

Milchflasche und Karton finden sich im ökologischen Patt

Mehrweg ist besser als Einweg“ durch eine Studie ins Wanken gerät, wollen die Mehrweg-Befürworter mit einer neuen Steuer den Getränkevertrieb in der EU vom Einweg-Kurs abbringen.

Die Hersteller von Getränkekartons sehen sich durch eine neue Ökobilanzstudie in ihrer Forderung bestätigt, die Mehrwegquote für Frischmilchverpackungen ersatzlos zu streichen. „Der ökologische Glaubenssatz, Mehrweg ist besser als Einweg“, stellte Dr. Wilhelm Wallmann bei der Präsentation der vom Freisinger Fraunhofer Institut ausgearbeiteten Studie am 21. April in Bonn fest, „kann nicht länger aufrechterhalten werden“. Nach den Worten des Geschäftsführers des Fachverbands Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel (FKN), Wiesbaden, liegen die in der Untersuchung ermittelten Ergebnisse dicht beieinander. Bei den unterschiedlichen Umweltkriterien hätten mal Mehrweg und mal Einweg besser abgeschnitten.
Unterstützt wird diese Bewertung laut den FKN-Angaben von einem international besetzten Gutachtergremium, das die Ökobilanz-Untersuchung entsprechend der ISO-Norm 14040 wissenschaftlich begleitet hat. Diese seit 1997 verbindliche Normenreihe enthält weltweit anerkannte Verfahrensregeln, wie Ökobilanzen zu erstellen sind. „Mit der hochkarätigen Besetzung des Gremiums sowie der strikten Einhaltung der ISO-Normen wollten wir möglichen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Ergebnisse von vorneherein den Boden entziehen“, erklärte Wallmann. Dem Gutachtergremium gehörten u.a. Experten des TNO-Instituts für industrielle Technik, Delft, und der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt EMPA, St. Gallen, an. Auch der ISO-Normausschuß sowie das Umweltbundesamt seien vertreten gewesen. Insgesamt zehn Umweltkriterien, darunter der Energieverbrauch, die Wasserentnahme, der entstehende Abfall und der Beitrag zum Treibhauseffekt, waren untersucht worden. Dabei seien alle Umweltbelastungen während der gesamten Nutzungsdauer der Verpackungen bilanziert worden. Der Fachverband will die Studienergebnisse auch der EU-Kommission zur Verfügung stellen, die die deutsche Regierung vor kurzem noch gemahnt hatte, ihre Bevorzugung der Mehrwegflasche aufzugeben oder besser zu begründen.
Gegen Dänemark geht die EU-Kommission in einem weiteren Einweg-Mehrweg-Konflikt inzwischen gerichtlich vor. Sie hat beim Europäischen Gerichtshof Klage gegen das von Dänemark erlassene Verbot von Getränkedosen und die Einschränkungen für den Einsatz von Einwegverpackungen aus Glas und Kunststoff erhoben. Die Kommission ist der Ansicht, daß Dänemark mit seinem Verbot gegen die europäische Verpackungsrichtlinie verstößt.
Angesichts des wirtschaftlichen und umweltpolitischen Streits üben sich die Mehrweg-Befürworter derweil im länderübergeifenden Schulterschluß: Der finnische Poolbetreiber „A Pullo“, der italienische Getränkehandelsverband „Italgrob“, die norwegische Gewerkschaft „Norsk Naerings“, das österreichische „Getränkeforum System“ der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels, der Bundesverband Mittelständischer Privatbrauereien, die Südglas eG, der Verein „Pro Mehrweg“, die „Stiftung Initiative Mehrweg“, das European Environmental Bureau (EEB), der „Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) sowie „Coastwatch Ireland“ und „Stichting Natuur en Milieu“ (NL) haben am 20. April eine engere Zusammenarbeit vereinbart, um als „Europäische Plattform Mehrweg“ gemeinsam die Revision der EU-Verpackungsrichtlinie zu erreichen. Ziel sei eine EU-einheitliche Verpackungssteuer von 0,5 ECU/l Befüllung auf alle Getränkeverpackungen. In ihrer gemeinsamen Erklärung bezeichneten die Verbände die Steuer als „wirksamen wirtschaftlichen Anreiz, die Getränkeverpackungssysteme auf Mehrweg umzustellen“. Ein solcher ökonomischer Anreiz sei dringend notwendig, um die Flut an Einweg-Verpackungen, die den europäischen Markt überschwemme, zurückzudrängen.
MK/Si
Obwohl Einweg-Kartons erst über das DSD den Weg zur Kreislaufwirtschaft finden, sind sie der Mehrwegflasche ökologisch nicht unterlegen.

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