Umwelttechnik 08.08.2003, 18:26 Uhr

Mikroben aus dem Meer machen Gestank zu Geld

Weniger Schadstoff, mehr Energie – was nach einer Quadratur des Kreises klingt, ist dank kleiner Meeresbewohner kein Problem. Arche-Bakterien reduzieren den CO2-Anteil im Biogas und erhöhen dessen Brennwert. Die Industrie blickt erwartungsvoll auf ein Jungunternehmen aus Mittelfranken.

Schon heute sind wir der größte Arbeitgeber in der Bundesrepublik“, scherzt Hans Reithmayer. Dabei hat die vor acht Monaten gegründete Cowatec GmbH bisher nur eine kleine Versuchsanlage aufgebaut. In diesem 4,5 m3-Kessel geht es allerdings rund: Abertausend so genannter Arche-Bakterien wandeln rund um die Uhr Kohlendioxid (CO2) in Methan (CH4) um – ganz ohne Lohn und Gewerkschaft. Das Interesse aus der Wirtschaft ist groß. Biogasanlagen in Klärwerken, der Lebensmittelindustrie oder auf Bauernhöfen, könnten ihre Energiebilanz stark verbessern. Ein Versuch in einem Kompostwerk erbrachte sogar einen inoffiziellen Weltrekord: „Statt des durchschnittlich knapp 80 %-igen Methangehalts im Biogas, erreichten wir 94 %.“ Gestank wird also zu wertvoller Energie.
Warum niemand früher auf die Idee gekommen ist, die fleißigen Mikroben einzuspannen, kann sich der Verfahrensingenieur nicht wirklich erklären. „Offensichtlich gibt es eine Lücke zwischen Grundlagenforschung und praktischer Ingenieurskunst. Die Fähigkeiten der Bakterien sind jedenfalls seit Jahren bekannt.“ Sie leben eigentlich auf dem Meeresgrund in der Nähe unterseeischer Vulkane. „Aus Mangel an Sauerstoff sind sie darauf angewiesen, ihre Zellsubstanz allein aus dem dort vorhandenen Kohlendioxid zu synthetisieren“, erklärt der 56-Jährige. „Und das schaffen die sogar ohne Zufuhr externer Energie.“ Nur schön warm müsse es sein – dann entstehe als Abfallprodukt das energiereiche Methan.
Wärme ist in Biogasanlagen genügend vorhanden. Sie entsteht zwangsläufig bei der Verbrennung der Gase zur Erzeugung von Energie. „Unser Biogas-Booster braucht also keine zusätzliche Kraftquelle.“ Es genüge, ihn in die Gasstrecke zwischen Fermenter und Verbrennungsmotor zu integrieren. „Durchströmt der Brennstoff nun den Kessel, erhöht sich sein Energiewert. Derzeit suchen wir nur noch die optimale Flussgeschwindigkeit“, so der Entwickler. Ein Verfahren zur kostengünstigen Herstellung einer leistungsfähigen Mikrobenstammlösung hat er schon entwickelt. „Statt bisher 14 000 € kostet der Liter jetzt 50 €. Bei größeren Produktionsvolumina lässt sich dieser Betrag abermals reduzieren.“
Der Eroberung des Marktes steht also eigentlich nichts mehr im Wege. „Der Augenblick ist denkbar günstig“, ist Reithmayer überzeugt. „Die CO2-Senkung wird nicht zuletzt wegen des Kyoto-Protokolls immer wichtiger. Wer jetzt schon seinen Ausstoß reduziert, kann über den Emissionshandel die Investitionskosten für unsere Anlage schnell wieder einfahren.“ Lebensmittelhersteller, etwa Brauereien, könnten durch den saubereren Output außerdem ihre Abgaben ans Klärwerk senken. „Da wird die Energiegewinnung ja fast zur Nebensache“, unkt Reithmayer.
Ein zweites Standbein der Cowatec GmbH soll ein neu entwickelter Biogasfermenter sein. „Dank unseres Boosters muss zukünftig weniger Mühe darauf verwendet werden, schon beim Abbauprozess des organischen Materials möglichst viel Methan zu erzeugen. Uns reicht ja schon Kohlendioxid.“ Dadurch könnten Biogasanlagen insgesamt sehr viel kleiner werden. Bereits in den Markt eingeführt ist Metha Plus, ein Enzym das den Abbau von Zellulose beschleunigt.
Das bisherige Gründungskapital stammt im Wesentlichen von Mitgründer Herbert Huber. Der Sachverständige für Fahrzeugtechnik und Unfallanalyse investierte bisher rund 200 000 € in Forschung und Entwicklung. „Eigentlich wollte ich was tun, um den Spritverbrauch moderner Fahrzeuge zu senken“, so der 33-Jährige. „Mit veredeltem Biogas wollte ich Erdgasfahrzeuge antreiben.“ Auf der Suche nach Projektpartnern wurde ihm der Experte Hans Reithmayer empfohlen. „Zusammen kamen wir aber schnell überein, dass die Optimierung von Biogasanlagen schneller realisierbar ist.“ Mittlerweile arbeiten drei weitere Personen an dem Projekt, darunter ein Vertriebsleiter. In den kommenden vier Jahren will das Quintett die Hälfte der rund 1700 bestehenden Installationen in der Landwirtschaft umrüsten. Auf den einzelnen Hof kämen Kosten in Höhe von rund 100 000 € zu. Anschließend wollen sich die Cowatec-Gründer auf kommunale Kläranlagen und die Industrie konzentrieren. „Hier sind größere Einheiten mit höherem Marktwert gefragt“, so Reithmayer. Gesucht werden jetzt Investoren, die sich mit insgesamt etwa 1,5 Mio. € am Unternehmen beteiligen wollen. Huber ist überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt. „Schon in zwei Jahren streben wir den Break even an.“ S. ASCHE

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