Vor namibischer Küste 12.03.2014, 16:04 Uhr

Meerestieren geht in frischem Wasser die Luft aus

Nicht nur Überfischung gefährdet in vielen Küstenregionen der Erde die Nahrungsgrundlage der Bevölkerung. Die besonders wichtigen Auftriebsregionen der Ozeane, dank des nährstoff- und sauerstoffreichen Wassers die Kinderstube der Meerestiere, leiden offenbar an Sauerstoffmangel, wie deutsche Forscher vor Namibia festgestellt haben.

Eine Holzmakrele im Jungstadium: Ihr besonderer Stoffwechsel sorgt dafür, dass sie mit besonders wenig Sauerstoff auskommt.

Eine Holzmakrele im Jungstadium: Ihr besonderer Stoffwechsel sorgt dafür, dass sie mit besonders wenig Sauerstoff auskommt.

Foto: S. Geist/ZMT

Eigentlich hätte sich die Population der Sardinen und Sardellen vor der namibischen Küste in den vergangenen Jahren deutlich erholen müssen. Seit der Unabhängigkeit des Staates im Jahr 1990 hat die Regierung die Fangmengen begrenzt und kontrolliert den Fischfang streng. Doch die Regeneration blieb vor allem im besonders wichtigen Gebiet des Benguelastroms aus, obwohl die Fische dort zahllose Nachkommen produzieren. Den Gründen sind jetzt Forscher des Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) auf der Spur.

Der Benguelastrom ist eines der drei größten der so genannten Auftriebsgebiete der Erde. In solchen Meeresregionen dringt ständig kaltes und deshalb sauerstoffreiches Wasser aus tiefen Schichten in Richtung Oberfläche und sorgt dort für sehr gute Lebensbedingungen. Das üppige Fischvorkommen ist dort Eiweißquelle für die Bewohner der nahen Küstenregionen.

Luft wird knapp: Krebse drängen an Land

Der Sauerstoffgehalt des Benguelastroms hat nach den Messungen der Bremer Wissenschaftler in einigen Zonen allerdings deutlich abgenommen. Sie beobachteten sogar, wie Massen von Krebsen an Land drängten, weil ihnen förmlich die Luft ausging.

Immer mehr Quallen, die als Nahrungsquelle kaum taugen, werden anstelle von Sardinen und Sardellen aus dem Benguelastrom vor Namibia gefischt. Das liegt unter anderem daran, dass sich im Wasser immer mehr Zonen mit wenig Sauerstoff bilden.

Immer mehr Quallen, die als Nahrungsquelle kaum taugen, werden anstelle von Sardinen und Sardellen aus dem Benguelastrom vor Namibia gefischt. Das liegt unter anderem daran, dass sich im Wasser immer mehr Zonen mit wenig Sauerstoff bilden.

Foto: A. Flohr/ZMT

Während die Sardinen und Sardellen vor Namibia kaum noch gefangen werden, haben sich die als Nahrungsquelle kaum tauglichen Quallen und Holzmakrelen stark ausgebreitet. Wie aber die Holzmakrele in den sauerstoffarmen Zonen leben kann, war eine entscheidende Frage.

Messungen mit einem am ZMT entwickelten Respiratorgerät ergaben: Die Larven der Holzmakrelen brauchen sehr viel weniger Sauerstoff als andere Arten. „Das ist eine Spezialität ihres Stoffwechsels, der Sauerstoff viel effizienter verarbeitet“, erläutert der Bremer Ökologe Andreas Kunzmann. Sobald sie sich weiterentwickelt haben, können sie in sauerstoffreichere Zonen des Stroms abwandern. Die Holzmakrelen haben also offenbar einen klaren biologischen Vorteil gegenüber Sardinen und Sardellen.

Auch andere Auftriebsgebiete in den Weltmeeren betroffen

Eine Entwicklung wie im Küstenmeer vor Namibia ist nach Ansicht der Wissenschaftler auch für die beiden anderen großen Auftriebsgebiete vor Südamerika und Westaustralien zu erwarten. „Dort weiten sich die sauerstoffarmen Zonen ebenfalls aus. Wir vermuten einen Zusammenhang mit dem Klimawandel, der die Strömungsverhältnisse verändert“, sagt Kunzmann.

Leidtragender sei nicht nur der Mensch, sondern auch die großen Säugetiere wie Wale und Delfine, Räuberfische wie Haie, Lachs und Thunfisch und auch Meeresvögel – für sie alle sind die großen Sardinen- und Sardellenschwärme lebenswichtig.

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