Umwelttechnik 10.11.2006, 19:24 Uhr

Kräftige Gewinne mit grünen Technologien  

VDI nachrichten, Berlin, 10. 11. 06, ber – Die globalen Megatrends stellen die Umweltpolitik ebenso wie Wirtschaft und Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Schon bald werden 9 Mrd. Menschen auf dieser Erde Rohstoffe und Energie verbrauchen. Noch müssen sich 1 Mrd. Inder mit 8 Mio. Pkw zufriedengeben; 1,3 Mrd. Chinesen stehen in den Startlöchern, um den westlichen Lebensstil zu erreichen.

Hier liegt Deutschlands Chance“, meint Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. In Berlin warb er Ende Oktober für einen „New Deal“ von Wirtschaft, Umwelt und Beschäftigung. Ein Memorandum aus dem Bundesumweltministerium identifiziert vier globale Leitmärkte, die deutsche Unternehmen für gutes Geld mit grünen Technologien beliefern können.

Steigender Energiehunger lässt die Märkte wachsen

Ganz weit vorne auf Gabriels Prioritätenliste liegt der Leitmarkt für zukunftsfähige Energietechnologien. Der Weltenergieverbrauch wird bis 2030 um etwa 60 % steigen. Die notwendigen Investitionen in Energieinfrastrukturen belaufen sich bis dahin auf 1600 Mrd. $, alleine 27 % davon in Asien einschließlich China.

Hier schlägt die Stunde für erneuerbare Energien und für emissionsreduzierte moderne Kraftwerkstechnologie mit hohem Wirkungsgrad. Biomasse, Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik könnten bis 2030 auf einen Anteil von 19 % an der gesamten Stromerzeugung steigen. Das Weltmarktvolumen für Energieerzeugungsanlagen soll im Jahr 2020 nach konservativen Schätzungen bei 115 Mrd. € liegen. Auf diesem Markt hat Vorreiter Deutschland klare Vorteile, wenn sich die Exportorientierung erhöht und noch mehr in Hightech investiert wird.

Saubere Mobilität soll die „Stinker“ verdrängen

Besonders stark kann die Industrie mit sauberen Mobilitätstechnologien die Umwelt entlasten. Denn eins ist sicher: Die Verkehrsströme werden auch in Zukunft wachsen. Derzeit fällt die Hälfte des globalen Marktvolumens von 300 Mrd. € im Sektor Verkehrstechnologien noch auf Verbrennungsmotoren. Langfristig aber muss umgestellt werden, etwa auf effiziente „3-l-Autos“ und umweltfreundliche Antriebssysteme. Biokraftstoffe und Wasserstofftechnologie bilden immer noch einen sehr kleinen Markt.

Große Erwartungen werden in den Markt für Verkehrssteuerung gelegt. Im Jahr 2000 wurden alleine für elektronische Mautsysteme 60 Mio. € ausgegeben, 2006 sind es etwa 700 Mio. € – mit stark wachsender Tendenz.

Noch höhere Umsatzzahlen lassen die Bestrebungen zu einem einheitlichen Europäischen Eisenbahnraum erwarten. Derzeit wird der Gesamtmarkt für Schienenfahrzeuge und Eisenbahninfrastrukturen in Europa auf jährlich 30 Mrd. € geschätzt. Und auch bei der Leit- und Sicherungstechnik sind starke Wachstumsimpulse zu erwarten.

Weiter geht es auch mit der Automobilindustrie, die voller Erwartung auf den Zukunftsmarkt China blickt. Bei einer erwarteten Nachfrage von zusätzlich 1 Mrd. Autos sollten deutsche Hersteller nicht mehr zu lange mit dem Einsatz alternativer Antriebe warten. Hier könnten sich die Japaner an die Spitze des Marktes für Öko-Autos setzen: Bis 2010 werde Japan 50 000 Brennstoffzellenfahrzeuge auf den Markt bringen.

Effizienztechnologien sind auf dem Vormarsch

Die größten Hebel zur Steigerung der Energieeffizienz liegen in der Gebäudetechnik, bei der „Weißen Ware“, bei der Beleuchtung, aber auch im Sektor Mess-/Steuer-/Regeltechnik. Sie machen heute schon den größten Teil des Weltmarktvolumens der Energieeffizienztechnologien von 400 Mrd. € aus. Bis 2030 soll das Marktvolumen, das sich den Investitionen in Energieeffizienz (ohne den Transportbereich) zuordnen lässt, laut BMU-Memorandum auf rund 1000 Mrd. $ steigern.

Erhebliche Effizienzpotenziale stecken auch in der Wiederverwertung von Rohstoffen, beim Metall- und Kunststoffrecycling und vor allem in der Abfallverwertung. Bei letzterer ist Deutschland eindeutig Vorreiter und konnte in den vergangenen Jahren schon vom hohen Stand und vom guten Ruf seiner Recyclingtechnologie auf den neuen Märkten in China und Japan profitieren.

Wettlauf auf dem wachsenden Weltmarkt für Lifescience-Produkte

Auch mit biotechnologischen Verfahren, den sogenannten Lifescience-Technologien, lassen sich Zukunftsfragen lösen und gleichzeitig neue Märkte erschließen. Ihr größtes Potenzial liegt u. a. in der weißen Biotechnologie und in der Nanotechnologie, die zu erheblichen Ressourceneinsparungen in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen führen können.

Für diesen – allerdings nicht unumstrittenen Zukunftsmarkt – ist die deutsche Unternehmenslandschaft gut aufgestellt. In den gewinnträchtigen Anwendungsfeldern – etwa dem Ersatz der Rohstoffbasis der chemischen Industrie durch nachwachsende Rohstoffe – könnte Deutschland mit seiner exzellenten Forschungslandschaft und breiten Wissensbasis punkten.

Allerdings gibt es hier die typisch deutschen Hürden zu überwinden: zu lange Genehmigungsverfahren, knappes Wagniskapital und anderes mehr. Immerhin gehören deutsche Chemieunternehmen als potenzielle Anwender weißer Biotechnologie zu den wichtigsten Akteuren auf dem Weltmarkt. M. WOLLENWEBER/ber

Von Wollenweber/Bettina Reckter
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