Klima 26.01.2007, 19:26 Uhr

„Klimawandel ist die Herausforderung der Automobilindustrie“  

VDI nachrichten, Bochum, 26. 1. 07, wop – In der EU-Kommission und im deutschen Kabinett wird darüber gestritten, wie Klimaschutz im Verkehr zu regeln ist. Weil die Autobranche ihre Selbstverpflichtung nicht einhalten kann, den CO2-Ausstoß auf 140 g/km zu begrenzen, soll eine gesetzliche Regelung kommen. Auf dem internationalen CAR-Symposium diese Woche in Bochum schlug Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen den Emissionshandel unter den Autoherstellern vor.

Den Klimawandel zu meistern ist die größte Aufgabe der europäischen Automobilindustrie“, erklärte Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer auf dem CAR-Symposium am 23./24. Januar in Bochum. Denn obwohl eine Fülle technologischer Ansätze zur Verfügung stünde, um Verbräuche und damit auch den Ausstoß an Klimagasen zu senken, würde die Branche ihr für 2008 selbst gesetztes Ziel von 140 g CO2/km verfehlen. Nach Berechnung des von ihm geleiteten Center Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen stoßen Autos europäischer Hersteller derzeit im Schnitt 161,4 g CO2/km aus.

Die Hersteller sind an der Selbstverpflichtung gescheitert. In der EU-Kommission tobt derzeit ein Richtungsstreit, wie eine Regelung aussehen sollte, damit die Automobilbranche bei der CO2-Reduzuierung, sprich Kraftstoffverbrauch, das Tempo erhöht.

Im Raum steht ein strikter Grenzwert von 120 g CO2/km ab 2012. Das würde vor allem deutschen Premiumherstellern schwer zu schaffen machen, während italienische und französische Autobauer mit ihren starken Kleinwagensegmenten besser da stünden. Die französischen Hersteller liegen mit 150 g CO2/km nur knapp über der Selbstverpflichtung, während die Flotten von BMW und Mercedes-Benz rund 40 g/km mehr Kohlendioxid (CO2) ausstoßen – die von Porsche sogar mehr als das Doppelte (297 g CO2/km).

Entsprechend spiegeln sich im Richtungsstreit der EU-Kommissare nationale Interessen wider. So plädiert EU-Kommissar Günter Verheugen für eine milde Auslegung der Regelung und mahnt neben verbesserter Fahrzeugtechnik ein Maßnahmenpaket zum Klimaschutz im Verkehr an, zu dem auch klimafreundliche Kraftstoffe, Verkehrslenkung und Infrastrukturausbau gehören sollen.

Verheugen will außerdem eine Teilnahme der Autohersteller am allgemeinen Emissionshandel, wohl vor allem, damit die deutschen Automobilhersteller Lizenzen bei CO2-Vermeidern anderer Industriezweige erwerben können, statt sie bei der europäischen Konkurrenz kaufen zu müssen.

Analyst Dudenhöffer favorisiert einen Emissionshandel innerhalb der Automobilbranche. Das Prinzip sei einfach, erklärte er: „Jeder Autohersteller muss das Ziel 140 g CO2/km erreichen. Wer den Zielwert unterschreitet, kann die zusätzlichen Einsparungen an andere Autohersteller verkaufen.“

Das CAR-Institut von Dudenhöffer hat das Ganze durchgerechnet. Ausgangspunkt: An einem Fahrzeug, das den Wert von 140 g CO2/km schon einhält, lassen sich durch eine Investition von 630 € in Motortechnologie, Getriebe, Reifen oder Leichtbau rund 15 % Verbrauchsminderung erzielen.

Beispielsweise müsste Alfa Romeo 828 € in verbrauchssenkende Technik investieren und für 492 € Emissionsrechte kaufen, um den heutigen Flottenverbrauch auf den Grenzwert zu drücken – der durchschnittliche Alfa würde also um 1320 € teurer. Ein Audi würde im Schnitt um 1170 € teurer und Porsche müsste die Preise im Schnitt um 4650 € pro Fahrzeug anheben.

Gewinner gebe es aber auch: Der Smart wäre einer, weil er trotz eines Technikpakets zur Verbrauchsminderung im Wert von 522 € im Laden 720 € weniger kosten würde. Und Fiat könnte seinen Klimaschutz völlig preisneutral gestalten.

„Das System stellt sicher, dass der gewünschte Standard, ob 140 g CO2/km oder 120 g CO2/km, sich automatisch einstellt. Und es ist einfach umzusetzen. Alles was man braucht ist ein Marktplatz“, warb Dudenhöffer.

Auch für die Autohersteller böte das Emissionshandelssystem Planungssicherheit. Anhand ihrer Absatzplanung und der Technologiekosten wüssten sie deutlich vor Beginn eines Geschäftsjahres um ihren CO2-Haushalt und könnten ihn an der Börse entsprechend ausgleichen.

Besonders wichtig für Dudenhöffer, das Geld bleibe im Wirtschaftskreislauf und könne in Technologien investiert werden: „Bei einer CO2-Steuer besteht die Gefahr, dass das Geld in andere Haushalte umgeleitet wird“, warnte der Autoexperte.

Löcher wird die CO2-Reduktion allemal in die staatlichen Haushalte reißen. Denn wenn der Grenzwert von 120 g CO2/km erfüllt wird, dann würden in Europa nach Berechnung des CAR jährlich 3,7 Mrd. l Kraftstoff weniger getankt. Sehr gut für die Umwelt – schlecht für den Fiskus.

PETER TRECHOW/WOP

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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