Klima 29.09.2006, 19:24 Uhr

Klimaschutz als Chance für Innovation  

VDI nachrichten, Frankfurt, 29. 9. 06, mav – Die deutsche Investmentbranche engagiert sich für die Offen-legung von CO2-Emissionen und Klimaschutzbemühungen von Unternehmen. Allerdings beteiligte sich nur ein Drittel der 200 größten deutschen börsennotierten Unternehmen an einer erstmals durchgeführten Klimaschutzumfrage des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI).

Erkenntnisse über klimarelevante Faktoren rücken für die Investmentbranche in den Fokus“, erklärte BVI-Vorstandssprecher Markus Rieß. Durch den erstmals erstellten Deutschland-Report, den der BVI als nationaler Partner des weltweiten Carbon Disclosure Projects (CDP) vorgelegt hat, erhalte man wichtige Informationen über klimabezogene Risiken einzelner Unternehmen.

63 von 200 angeschriebenen Firmen in Deutschland antworteten auf die Klimaschutz-Umfrage des BVI. Ein Drittel der deutschen Konzerne lehnte eine Teilnahme bewusst ab, darunter der Axel Springer Verlag, Carl Zeiss Meditec, Degussa und GEA, Fresenius Medical Care, Jenoptik, Porsche und Rheinmetall.

In Frankreich, wo die Umfrage in diesem Jahr ebenfalls das erste Mal durchgeführt wurde, antworteten 45 % der befragten Unternehmen, in Japan füllten zwei Drittel der Konzerne den Fragebogen aus. 225 Banken, Versicherer und Pensionsfonds mit einem verwalteten Anlagekapital von 31 Billionen $ beteiligen sich an der internationalen CDP-Initiative, die 2002 gestartet wurde. Dieses Jahr wurden die weltweit 1800 größten, börsennotierten Gesellschaften befragt.

Die Auswertung der deutschen Fragebögen zeigt, dass sich führende deutsche Unternehmen zwar zunehmend den mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen und Risiken stellen und beginnen, die damit einher gehenden Chancen zu erkennen und zu nutzen. Gleichzeitig jedoch zeige „das quantitative wie qualitative Ergebnis der Umfrage, dass die meisten der befragten deutschen Unternehmen noch nicht ausreichend verinnerlicht haben, welche Auswirkungen Klimawandel und Klimaschutz auf ihre zukünftige Entwicklung haben können“, heißt in dem Bericht.

57 % der antwortenden Unternehmen sehen sich vom Klimawandel direkt betroffen. Besonders Versicherungen gewinnen Klimarisiken ständig an Bedeutung. Der Chemiekonzern Bayer sieht „ein geschäftliches Risiko steigender Fertigungskosten“. Die Deutsche Telekom rechnet mit einer „strengeren Regulierung der Emissionen von Treibhausgasen“, der Bau-konzern Hochtief mit höheren Versicherungskosten. Henkel sieht als größtes Risiko „eine Situation, in der die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels (¿) die Kaufkraft der Kunden gefährden“.

Fast 40 % erwarten Vorteile von der Entwicklung und kommerziellen Nutzung emissionsärmerer Technologien, Produkte und Dienstleistungen. So rechnet Bayer mit einem verstärkten Absatz von Erzeugnissen zur Energieeinsparung oder Technologien im Bereich der Biomassenutzung. „Eine Vorreiterrolle der umweltbezogenen Anforderungen birgt (¿) die Möglichkeit der Stärkung des Innovationspotentials“, meint BMW. „Innovationen der Chemieindustrie sind der Schlüssel für höhere Energieeffizienz und nachhaltigen Klimaschutz“, so BASF. Hochtief sieht Chancen für die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche, z.B. im Bereich Energieeffizienz von Immobilien. Thyssen-Krupp sieht unter anderem Chancen in der Weiterentwicklung von Photovoltaik-Dachelementen.

Die Hälfte (51 %) der antwortenden Unternehmen nutzen bereits innovative Technologien oder Verfahren, um niedrigere Emissionen zu erzielen, 61 % führten Programme zur Reduktion von Emissionen durch, was häufig auch Kosten verringerte.

Emissionsdaten legten 64 % der Firmen vor, allerdings meist nicht in der geforderten einheitlichen Form. „Diese waren dementsprechend nicht ohne Schwierigkeiten vergleichbar“, heißt es in der Auswertung. Vielfach bezogen sich die Daten nur auf CO2.

Weniger als 45 % warteten mit Emissionsberichten auf, die den Empfehlungen der Greenhouse Gas Protocol Initiative (GHG-Protocol) entsprechen. Dieses gilt als international akzeptiertes Bilanzierungs- und Berichtssystem für Treibhausgase. Lediglich 13 % lassen ihre Angaben zu Emissionen extern überprüfen. Nur 18 % der Unternehmen erfassen die mit ihren Produkten, Dienstleistungen oder der Zulieferkette verbundenen Emissionen.

Rund ein Fünftel (18 %) der antwortenden Unternehmen fallen unter das Emissionshandelssystem der EU. Meist plädieren sie für einen globalen Markt für den Emissionshandel und langfristige Zeithorizonte. Häufig nutzen sie die flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls, um Emissionsgutschriften zu erzeugen. So stellt RWE 150 Mio. € für Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI) Projekte bereit. Die BASF beteiligte sich mit 2,5 Mio. $ am Klimafonds der Weltbank, die HypoVereinsbank-UniCredit mit 10 Mio. € am European Carbon Fund.

Zwei Drittel der Firmen stellten Informationen zu ihren Energiekosten bereit. Die Mehrheit (57 %) gab an, dass Veränderungen der Energiepreise sich auf ihre Gewinne nur unbeträchtlich auswirken. Bei 35 % werden Gewinne demnach mittelmäßig durch Energiekosten beeinflusst, bei 8 % hingegen signifikant. Gerade dann rückt Energiesparen in den Fokus. „Die beste Möglichkeit, die Auswirkungen steigender Energiepreise zu verringern, besteht in einer Erhöhung der Energieeffizienz und einer verminderten Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, antwortete beispielsweise Bayer. H.-C. NEIDLEIN

57 % sehen sich vom Klimawandel direkt betroffen

Von H.-C. Neidlein
Von H.-C. Neidlein

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