Klima 01.08.2008, 19:36 Uhr

Klimakiller wird unter Tage eingesperrt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 8. 08, mg – Kraftwerksbetreiber arbeiten weltweit an zukunftsfähigen Technologien zur CO2-Abscheidung. Eines der bestehenden Probleme dabei bleibt die sichere Endlagerung des Klimagases. In Brandenburg ist jetzt die erste Demonstrationsanlage für die Speicherung von Kohlendioxid in Betrieb genommen worden.

Kohlendioxid ist als Gas unsichtbar, geruchlos und der Klimakiller schlechthin, da Hauptverursacher des Treibhauseffekts. Die Kraftwerksbetreiber sind daher dabei, herauszufinden, wie die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken mit diversen Carbon-Capture-and-Storage-Technologien (CCS) klimafreundlicher gemacht werden kann.

Die Frage bleibt jedoch, wohin künftig mit den Riesenmengen des Schadgases? Um dies herauszufinden, hat das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) jetzt mit der unterirdischen CO2-Speicherung in einem ehemaligen DDR-Erdgasspeicher in Ketzin in der Brandenburger Havelland-Region westlich Berlins begonnen. Im Rahmen des europäischen CO2-Sink-Projekts, das sowohl von der EU als auch vom Bund gefördert wird, sollen hier in den nächsten zwei Jahren bis zu 60 000 t CO2 langfristig in über 600 m Tiefe gespeichert werden.

Unter Federführung des GFZ wird europaweit erstmals untersucht, wie CO2 in tief gelegenen – mit Salzwasser gefüllten – porösen Gesteinsschichten eingebracht und gespeichert werden kann.

„Mit der Pilotanlage in Ketzin steht uns ein weltweit einzigartiges Großlabor zur Verfügung, in welchem wir die Speicherung von CO2 im Untergrund und die Wechselwirkungen mit der Geo- und Biosphäre unter realistischen Bedingungen detailliert untersuchen können“, sagt Klaus Freytag, Präsident des für die Genehmigung zuständigen Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR).

Die so genannten salinaren Aquiferen in Ketzin scheinen wegen ihrer Geologie bestens für das Vorhaben geeignet: Bereits in 400 m Tiefe über der Demonstrationsanlage befindet sich eine undurchlässige Deckschicht, für die der praktische Nachweis der Dichtheit schon durch den Betrieb des ehemaligen Erdgasspeichers erbracht ist. Der vorgesehene CO2-Testspeicher wiederum liegt fast doppelt so tief im Untergrund. Mehrere undurchlässige Schichten überdecken ihn.

Untersucht werden soll vor allem, wie sich das Klimagas unter den Tiefenbedingungen mit einer Temperatur von 35 °C und einem Druck von bis zu 80 bar in den Gesteinsschichten ausbreitet. Man müsse überprüfen, ob das Reservoir tatsächlich dicht und sicher sei, erläutert Günter Borm von der GFZ.

„Die Speicherung des Treibhausgases CO2 ist eine Erfolg versprechende Option zum Zeitgewinn bei der Entwicklung und Einführung CO2-armer Energietechnologien“, glaubt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Geoforschungszentrums, Professor Reinhard Hüttl. Doch ist die Einlagerung eigentlich erst der zweite Schritt zur effektiven Beseitigung des Klimakillers.

An der ersten Phase, der CO2-Abscheidung aus den Kraftwerksabgasen, wird derzeit allerorts gearbeitet: Deswegen fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit rund 4 Mio. € auch eine Versuchsanlage zur Weiterentwicklung der CO2-Wäschetechnik. Die errichtet RWE Power derzeit gemeinsam mit BASF und Linde am Kraftwerksstandort Niederaußem. Dort soll das Schadgas während der Verbrennung von Kohle in den Kraftwerken abgetrennt und aufgefangen werden.

„Die CCS-Technologie ist der eigentliche Schlüssel für eine klimaverträgliche Kohleverstromung“, ist Johannes Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE Power, überzeugt. Ziel ist es, die CO2-Abtrennung in Braunkohlenkraftwerken bis 2020 kommerziell zum Einsatz zu bringen.

Auf Grundlage dieser Technik könnten dann mehr als 90 % des Kohlendioxids aus den Verbrennungsabgasen eines Kraftwerks entfernt und einer anschließenden Speicherung im Untergrund zugeführt werden.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall baut derzeit im südbrandenburgischen Schwarze Pumpe ein Testkraftwerk mit entsprechender Technik, das er noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen will. Dabei soll die Kohle im Oxyfuel-Verfahren mit einem Gemisch aus reinem Sauerstoff und Rauchgas verbrannt werden. Das entstehende reine Kohlendioxid kann anschließend abgegriffen und endgelagert werden.

E.on Energie will an seinem Kohlekraftwerk Wilhelmshaven – zusammen mit der US-amerikanischen Firma Fluor Corporation – ebenfalls die Technologie zur Abscheidung von Kohlendioxid aus den Rauchgasen weiterentwickeln.

Inzwischen kommt E.on auf insgesamt sieben solcher CCS-Projekte: Neben TNO hatte E.on bisher bereits CCS-Projekte mit Alstom, Hitachi und Siemens vereinbart, jetzt kommen drei weitere mit Mitsubishi, Cansolv und Fluor hinzu.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, CCS bis 2020 kommerziell verfügbar zu machen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat. E.on konzentriert sich bei seinen jetzigen Projekten auf die so genannte Post-Combustion-Methode, mit der auch bereits existierende Kohlekraftwerke nachgerüstet werden könnten. Man hofft mit diesem Verfahren den Preis für die CO2-Abscheidung von heute gut 40 €/t Kohlendioxid bis 2020 noch auf etwa 30 €/t senken zu können.

„Pilotprojekte wie das in Ketzin sind deshalb so wichtig, weil wir durch die Praxis lernen müssen, wie sich technologische Entwicklungen beschleunigen und Kosten reduzieren lassen und CCS schließlich auch zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Technologie werden kann“, glaubt Graeme Sweeney, Shell-Bereichs-Chef für Future Fuels und CO2, wo es mit CCS schon reichlich Erfahrungen gibt.

Shell nutzt die Technologie seit Jahrzehnten in der Öl- und Gasförderung. Der Energiemulti ist der Auffassung, dass die staatlichen Strategien, für die sich Europa in den kommenden fünf Jahren entscheidet, die globalen Energie-Rahmenbedingungen für die nächsten 50 Jahre prägen könnten.

Nach Schätzungen von Shell würde eine Verzögerung der weltweit laufenden CCS-Projekte um sieben Jahre bedeuten, dass 90 Mrd. t bis 100 Mrd. t vermeidbarer CO2-Emissionen in die Atmosphäre gelangen, und dass sich das CO2-Niveau so langfristig um 10 ppm erhöhen könnte.

EDGAR LANGE

Von Edgar Lange

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

AWO Psychiatriezentrum-Firmenlogo
AWO Psychiatriezentrum Ingenieur in der Versorgungstechnik (m/w/d) Königslutter
Stadt Langenfeld-Firmenlogo
Stadt Langenfeld Referatsleitung Umwelt, Verkehr, Tiefbau (m/w/d) Langenfeld
STEAG New Energies GmbH-Firmenlogo
STEAG New Energies GmbH Projektingenieur BHKW- / Energiesystemtechnik (m/w/d) Essen
H.C. Starck Tantalum and Niobium GmbH-Firmenlogo
H.C. Starck Tantalum and Niobium GmbH Energiemanager / Betriebsingenieur (w/m/d) Laufenburg, Goslar
swa Netze GmbH-Firmenlogo
swa Netze GmbH Stellvertretender Teamleiter (m/w/d) Anlagenbetreuung Gas / Wasser / Fernwärme Augsburg
Planungsbüro Philipp-Firmenlogo
Planungsbüro Philipp Stadtplaner/innen Albersdorf
Stadt Salzgitter-Firmenlogo
Stadt Salzgitter Teamleitung (m/w/d) Salzgitter
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH Stellvertretender Teamleiter Anlagenbetreuung Gas / Wasser / Fernwärme (m/w/d) Augsburg
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Ingenieurin und Ingenieur (m/w/d) der Fachrichtung Bauingenieurwesen, Umweltschutz / -technik, Versorgungstechnik oder Abfall-, Entsorgungstechnik München
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Konstruktionsingenieur (m/w/d) Wärmepumpe Allendorf

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Umwelt