Umwelt 09.09.2005, 18:40 Uhr

Katrina wirbelt US-Automobilbranche durcheinander  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 9. 05 – Die direkten Schäden für die im Süden der USA beheimateten Autofabriken hielten sich in Grenzen, aber potenzielle Langfristschäden werden als gewaltig eingestuft.

Amerikas Autoindustrie hat schon vor Jahren damit begonnen, einen Großteil der Produktionswerke in die Südstaaten zu verlegen. Hauptgründe sind das geringe Lohnniveau, gewerkschaftsfreie Arbeitskräfte, hohe Ansiedlungsprämien, weniger Schadstoffauflagen und viele Vergünstigungen bei der Logistik und der Energie. In den drei vom Hurrikan Katrina betroffenen Staaten befinden sich daher Werke von DaimlerChrysler (Vance, Alabama), Hyundai (Montgomery, Alabama), General Motors (Shreeveport, Louisiana) und Nissan (Canton, Mississippi).

Schwere Beschädigungen gab es nach Unternehmensmeldungen an keinem der Werke. Allerdings musste Nissan sein Werk „witterungsbedingt“ für drei Tage schließen, und das, obwohl Canton rund 280 km weit landeinwärts von dem Küstenstreifen liegt, an dem Katrina an Land ging. Vom Fertigungsstillstand bei Nissan waren die Modelle Titan (Pick-up), Quest (Minivan), Altima (Sedan) sowie die SUVs QX56 und Armada betroffen. Bei allen anderen Werken gab es zwar keine Produktionsausfälle, aber Versorgungsengpässe, da die Logistik im gesamten Süden zum Erliegen kam. Betroffen waren vor allem die Rohmaterialien, die über den Hafen von New Orleans eingeführt werden, überwiegend sind das Kunststoffe und Rohgummi.

Wesentlich schlimmer als die Hersteller traf es die Händler entlang des Küstengebiets. Die rund 80 Autohändler in New Orleans rechnen aufgrund des Hochwassers mit einem Totalausfall und die Hersteller selbst haben immer noch keine Übersicht, welche Schäden ihren Filialen in Mississippi und Alabama entstanden sind. Denn dort gibt es noch immer keinen Strom und kein Telefon. „Es wird mindestens sechs Monate dauern, bis die Händler wieder ihre Türen öffnen können“, sagt Bob Israel, Vice-President des Händlerverbandes in Louisiana.

Einige hegten die Hoffnung, dass die hohe Zahl an zerstörten Fahrzeugen einen Umsatzschub geben würde. Doch J. D. Power, Amerikas führende Automobil-Agentur, machte diese Hoffnung zunichte: „Das ist die ärmste Region, wir registrieren für unsere landesweiten Statistiken keine Umsätze im Süden, da sie unerheblich sind“, sagte Analyst-Direktor Tom Libby.

In der Tat haben die vom Hurrikan betroffenen Staaten zusammen weniger als 3 % am US-Bruttosozialprodukt. Folglich konnten sich die US-Hersteller auch großzügig gegenüber ihren dortigen Kunde zeigen. Sofort nach Bekanntwerden des Chaos gab es Finanzerleichterungen. Wer sein Fahrzeug beim Hersteller finanziert hat, bekommt seine Zahlungen für drei Monate kostenlos gestundet.

Doch auch wenn die Region selbst kein Umsatzmotor ist, so sehen die Wirtschaftswissenschaftler einen langfristigen Schaden für die US-Autoindustrie. Obwohl noch immer nicht klar ist, wie hoch der Schaden an der Ölproduktion in der Region tatsächlich ist, so steht doch fest, dass es viele Monate dauern wird und Milliarden kostet, um alle Schäden zu beseitigen.

Das renommierte Wirtschaftsinstitut Global Insight hält trotz der Freigabe weltweiter Reserven einen Ölpreis von 100 $ für realistisch. Das bedeutet für die USA einen weiter dramatisch ansteigenden Benzinpreis. In einigen Regionen sprang der Preis bereits auf fast 4 $ pro Gallone – etwa 1 $/l.

Innerhalb eines Jahres hat sich damit der Benzinpreis in den USA verdoppelt, was nach Meinung der Volkswirtschaftler zu einem Umdenken führt. „Ein Abwenden der Kunden von den Benzin fressenden Pick-ups und SUVs würde vor allem DaimlerChrysler, Ford und GM treffen, da diese drei damit ihre größten Gewinne machen“, sagt Analyst Cormac Doyle von Global Insight. Besonders kritisch sei dieses für GM, die mit einer neuen Generation an Fullsize-SUVs ins neue Jahr starten wollen.

Hatte man bei GM im Sommer noch erklärt, dass man mit diesen Modellen zurück in die Gewinnzone fahren wolle, kamen nach dem Hurrikan leisere Töne aus Detroit: „Wir rechnen nicht mehr mit den Spitzenverkaufszahlen früherer Jahre“, hieß es in einer Analysten-Information. Gleichzeitig macht man sich selber Mut: „Der Preis für eine Gallone wird wieder unter 2 $ sinken“, hofft GMs Analyst. Demgegenüber meint die Rating-Agentur Moody“s, dass der Autoindustrie aufgrund des Benzinpreises noch schwere Zeiten bevorstehen. „Wir rechnen mit Abwertungen bei den Fluggesellschaften, den Fahrzeugherstellern und den Zulieferern“, heißt es in einem Investorbrief.

Dabei hatte sich die Autoindustrie so gut vorbereitet, denn dass nach Katrina keine größeren Schäden in der Produktion zu beklagen waren, geht vor allem auf eine sorgfältige Planung zurück. Keines der Südstaatenwerke ist dichter als 200 km an der Küste, was normalerweise als Sicherheitsabstand ausreicht. Denn Hurrikane verlieren sofort an Kraft, sobald sie über Land sind. Dort mutieren sie zu riesigen Tiefdruckzonen mit sehr viel Regen. H. WEISS

Von H. Weiss
Von H. Weiss

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