Filterung des CO2 08.10.2014, 10:29 Uhr

Kanadische Pilotanlage will Kohlekraftwerken grüne Zukunft geben

Können Kohlekraftwerke das Image der Dreckschleuder loswerden? Ja, sagt ein kanadischer Stromerzeuger, der jetzt eine Pilotanlage in Betrieb genommen hat. Sie fängt 90 Prozent der CO2-Emissionen ein, die beim Verbrennen der Kohle entstehen. 

Die Pilotanlage des kanadischen Energieunternehmens SaskPowerCCS verhindert die Emission von einer Million Tonnen CO2 pro Jahr. Die Baukosten betrugen 1,4 Milliarden US-Dollar. 

Die Pilotanlage des kanadischen Energieunternehmens SaskPowerCCS verhindert die Emission von einer Million Tonnen CO2 pro Jahr. Die Baukosten betrugen 1,4 Milliarden US-Dollar. 

Foto: SaskPowerCCS

Seit mehr als zehn Jahren experimentieren Verfahrenstechniker in aller Welt mit dem so genannten Carbon Capture and Storage (CCS), also der Abscheidung und Lagerung umweltschädlicher CO2-Emissionen aus den Abgasen der Kohlekraftwerke. Mehr als 20 Milliarden US-Dollar sind bislang für Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet in Europa, Amerika und Japan ausgegeben worden. Nach schier unzähligen Rückschlägen funktioniert diese Technik nun endlich – in einem Kohlekraftwerk in der kanadischen Provinz Saskatchewan.

90 Prozent des CO2 wird abgespalten und eingefangen

Das kanadische Energieversorgungsunternehmen SaskPower kann mit dem Pilotkraftwerk 90 Prozent der CO2-Ausscheidungen eingefangen. Das verhindert, dass jährlich eine Million Tonnen CO2 in die Luft emittiert werden. Dieses Kohlendioxid wird stattdessen größtenteils zu nahe gelegenen Ölfeldern gepumpt und dort in die Bohrlöcher gepresst, um gewinnbares Öl an die Oberfläche zu treiben.

Die Anlage pumpt das CO2 zu nahe gelegenen Ölfeldern. Dort wird es in Bohrlöcher gepresst, um Öl an die Oberfläche zu treiben. 

Die Anlage pumpt das CO2 zu nahe gelegenen Ölfeldern. Dort wird es in Bohrlöcher gepresst, um Öl an die Oberfläche zu treiben. 

Foto: SaskPowerCCS

Die CCS-Technik ist im Prinzip seit mehreren Jahren genau bekannt. Bei der Verwirklichung in Kohlekraftwerken steckt allerdings der Teufel im Detail. Die meisten Versuche in Europa und Nordamerika führten zu erheblichen Zeitverzögerungen beim Bau, zu ungewöhnlich hohen Überschreitungen der Kostenansätze und damit vielfach zum Aus für die neue Technik. Die kanadische Regierung hat sich allerdings davon nicht abschrecken lassen. Zu den Baukosten des neuen Kraftwerks von rund 1,4 Milliarden US-Dollar hat sie immerhin 240 Millionen Dollar hinzugegeben.

Enthusiasmus bei der Internationalen Energie-Agentur 

Die Direktorin der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Maria van der Hieven, hat den kanadischen CCS-Erfolg geradezu enthusiastisch begrüßt: „Wir wünschen dem Kraftwerksbetreiber allen Erfolg dabei, der Welt zu zeigen, dass CCS nicht etwa Science Fiction, sondern unsere heutige Realität ist.” Konkret geht es auch für die Internationale Energieagentur darum, zu beweisen, dass Steinkohle mit der neuen Technik auf Dauer eine wertvolle Energie bleiben kann, die die Ziele der Klimapolitik nicht gefährdet. Van der Hieven formuliert das so: „CCS ist die einzige heute bekannte Technik, die es erlaubt, fossile Brennstoffe weiter zu benutzen und zugleich die Energiezeugung vom Kohlenstoffdioxid zu befreien.” 

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