Bisherige Annahme widerlegt 04.07.2013, 13:30 Uhr

Grasendes Vieh in Steppen reduziert Lachgas-Entstehung

Grasendes Vieh in Steppen und Prärien senkt die Emissionen von Lachgas, einem der Treibhausgase. Bisher war die Forschung vom Gegenteil ausgegangen. Das internationale Forscherteam, dem diese Entdeckung zu verdanken ist, wird dafür nun mit dem Erwin-Schrödinger-Preis ausgezeichnet.

Das Grasen des Viehs in den Steppen sorgt dafür, dass weniger Lachgas freigesetzt wird.

Das Grasen des Viehs in den Steppen sorgt dafür, dass weniger Lachgas freigesetzt wird.

Foto: Benjamin Wolf

Bislang war die Forschung davon ausgegangen, dass Viehhaltung in großflächigen Steppen- und Präriegebieten die Entstehung von Lachgas antreibt, das neben Kohlendioxid und Methan das wichtigste Treibhausgas ist. Dass das Gegenteil der Fall ist, konnte ein deutsch-chinesisches Forscherteam feststellen, das ein ganzes Jahr lang in der Inneren Mongolei Daten sammelte.

Trockenheit und Kälte

Dort entsteht ein Großteil der natürlichen Lachgasemissionen während der Tauperiode im Frühjahr. Haben Tiere eine Fläche vor dem Winter abgeweidet, kann sich in den kalten Monaten nicht so viel Schnee zwischen den kurzgefressenen Gräsern ansammeln. Der Wind trägt den Schnee leichter weg. Ist die Schneedecke dünner, sind die Böden schlechter isoliert und kälter. Außerdem bleiben sie trockener, weil während der Tauperiode im März weniger Schmelzwasser entsteht. Kälte und Trockenheit hemmen die mikrobiellen Aktivitäten: Es entsteht weniger Lachgas. 

Preis für interdisziplinäre Forschung

An dem Forschungsprojekt unter der Leitung von Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) waren außerdem der Jülicher Ökosystemforscher Nicolas Brüggemann, Xunhua Zheng von der Chinese Academy of Sciences (CAS), Michael Dannenmann vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung und Benjamin Wolf, inzwischen Postdoc an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in der Schweiz, beteiligt. Für ihre Forschung erhalten sie im September den mit 50.000 Euro dotierten Erwin Schrödinger-Preis 2013. Mit dieser Auszeichnung würdigen der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam herausragende wissenschaftliche Leistungen, an denen Forscher verschiedener Disziplinen beteiligt waren.

Zukunftsweisende Arbeit

Die Arbeit der fünf Forscher zeigt auch Ansätze zur Verbesserung der Treibhausgasbilanz von Steppengebieten auf. Eine Steigerung der Viehwirtschaft allerdings wäre keine Lösung: Mehr Vieh bedeutet mehr freigesetztes Methan. Herbstliches Heumachen, bei dem das Gras vor dem Winter abgemäht wird, ist der Lösungsansatz, der sich gut mit der lokalen Praxis der Viehzüchter vereinbaren lässt.

Von Andea Ziech Tags:
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