Abfallwirtschaft 23.01.2009, 19:39 Uhr

Gelbe Tonne Plus im Osten auf Erfolgskurs  

In die sogenannte Gelbe Tonne gehört Verpackungsmüll, und zwar die mit dem grünen Punkt. So wurde fast das Umweltbewusstsein einer ganzen Generation geprägt. Doch seit vier Jahren geht man vor allem in Ostdeutschland andere Wege. Neben Verpackungen kommt alles an Abfall in die Tonne, was wieder verwertet werden kann. Ein Erfolgsmodell aus Sicht der Betreiber. VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 1. 09, swe

Gelbe Tonne Plus: Nicht nur Verpackungsmüll.

Gelbe Tonne Plus: Nicht nur Verpackungsmüll.

Foto: Duales System Deutschland

Die Mülltrennung à la Deutschland erfordert mehr Detailwissen, als manchem lieb ist. Streng genommen gehört die Aluminiumfolie von der Rolle in den Restmüll, die von der Schokoladentafel indes in die Gelbe Tonne, weil Letztere als Verpackungsmaterial über das Duale System Deutschland lizenziert ist.

Verglichen mit der gängigen Praxis macht das junge Konzept „Gelbe Tonne Plus“ es den Bürgern leichter. In Leipzig feierte es soeben seinen vierjährigen Geburtstag. Das Konzept: Alle Arten von Metallen und Kunststoffen, ob Verpackungen, Wannen oder Blumentöpfe, dürfen in die bestehende Gelbe Tonne eingeworfen werden. Auch Elektrokleingeräte und Holz landen in der Wertstofftonne.

Berlin praktiziert ebenfalls eine vergleichbare erweiterte Sammlung von Wertstoffen in der Gelben Tonne Plus. Das Konzept hat gute Zensuren bekommen und macht nun Schule.

Ostthüringen will den Beispielen bald folgen. „In der Stadt Gera und im Landkreis Greitz wird die Gelbe Tonne Plus ab dem Januar 2010 eingeführt werden“, teilt Dietmar Lübcke, Geschäftsleiter vom Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen, mit. Derzeit würden die notwendigen Vereinbarungen zwischen den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern und dem Dualen System Deutschland getroffen.

Ein wichtiges Motiv für die Umstellung ist die Erleichterung für die Bürger. Schwerer wiegt jedoch die Aussicht, mehr Wertstoffe recyceln und damit Erlöse erwirtschaften zu können.

Derzeit landen die Altmetalle – wie fast überall in Deutschland – überwiegend im Hausmüll. In Ostthüringen wird der Restmüll dann in eine Müllverbrennungsanlage bei Weißenfels gefahren. Die Schlacken werden mit dem Lkw wieder zurücktransportiert. Der Schrott wird aufwändig herausgelöst und dann in die Metallaufarbeitung gebracht. „Das ist kein guter Zustand“, klagt Lübcke.

Der Missstand veranlasste seinen Verband, über die Gelbe Tonne Plus nachzudenken. Der Abfallzweckverband Ostthüringen veranlasste 2008 Stoffstromanalysen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen beim Ingenieurbüro Sabrowski-Hertrich-Consult im hessischen Erlenbach.

Man wollte wissen, ob sich die Gelbe Tonne Plus rechnet. Denn nur dann sei sie sinnvoll, so Geschäftsleiter Lübcke. Die Sammel- und Sortierkosten für Restmüll und Gelbe Tonne Plus werden dabei gegen die Erlöse zusätzlich recycelter Kunststoffe und Metalle aufgerechnet. Unter dem Strich sollte eine Null stehen, besser ein Gewinn.

Die Analysen der Ingenieure erbrachten, dass aus dem Hausmüll 6 kg/Einwohner und Jahr zusätzlich in die Gelbe Tonne Plus wandern könnten. Das wäre ein Zuwachs von einem Fünftel. Noch wichtiger: „Bezogen auf das Jahr 2007 ist die Gelbe Tonne Plus mit zusätzlicher Sammlung von Metallen und Plastik kostendeckend“, lässt Lübcke durchblicken. Genaue Zahlen will er aufgrund der laufenden Vertragsverhandlungen nicht nennen. „Das rechnet sich, vorausgesetzt die Rohstoffpreise sind vernünftig“, fügt er hinzu.

Damit spielt er auf ein aktuelles Dilemma an: Mit der Finanzkrise sind die Rohstoffpreise drastisch eingebrochen. Der Wert für Eisenbestandteile sei von 250 € im Sommer 2008 auf Null im November gerutscht, berichtet Lübcke. Derzeit müssen öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger im System Gelbe Tonne Plus zuzahlen, gesteht der Geschäftsleiter. Dieses Schwankungsrisiko mache dieses System so kompliziert.

Auf lange Sicht rechnet der Abfallexperte jedoch mit steigenden Rohstoffpreisen. Im Gefolge würden sich auch die Preise für die recycelte Ware erholen. Lübcke ist deshalb zutiefst überzeugt, dass kein Weg am Miterfassen von Kunststoffen und Metallen in der schon vorhandenen Gelben Tonne vorbeiführt. „Dadurch erzielt man mit einer kleinen Veränderung einen deutlichen Fortschritt.“

In der Tat zieht das Ingenieurbüro Sabrowski-Hertrich-Consult nach den Erfahrungen mit der Gelben Tonne Plus in Berlin und Leipzig eine positive Bilanz. In beiden Städten wurden 7 kg/Einwohner und Jahr mehr an Wertstoffen gesammelt.

Folien und Hartkunststoffe fanden sich häufiger in der Gelben Tonne. Töpfe, Werkzeuge, Rohre, Besteck und Nägel tauchten stellvertretend für die Metalle vermehrt darin auf.

Die Rezyklatmengen seien gestiegen, die Gebühren für die Gelbe Tonne Plus in Leipzig sogar um 50 Cent gesunken, berichtet Rainer Sabrowski vom Ingenieurbüro. Denn in der sächsischen Landeshauptstadt wurde mit dem System ein stattlicher Gewinn erwirtschaftet.

„Probleme machte lediglich die Erfassung der Elektrokleingeräte“, übermittelt er. Obwohl eine spezielle Röntgensortiermaschine eingebaut wurde, um Rasierapparate, Föns und andere Geräte auszusortieren, seien diese vorrangig in der Restfraktion gelandet. „Deshalb hat man davon in Ostthüringen Abstand genommen“, verrät Sabrowski.

Uwe Rantzsch, Geschäftsführer des Entsorgers Alba in Leipzig, widerspricht. Nach Anfangsschwierigkeiten bereite die Abtrennung der Kleingeräte heute keine Probleme. Doch könnte man darüber nachdenken, diese trotzdem aus der Wertstofftonne herauszunehmen, weil ihr Anteil mit etwa 19 000 t im Jahr in der Größenordnung von Fehlwürfen läge.

Obwohl die erweiterte Wertstoffsammlung den Leipziger Entsorgungsträger aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise Geld kostet, rechnet Rantzsch fest damit, dass das Konzept grundsätzlich beibehalten wird. „Wir haben im November die Talsohle bei den Rohstoffpreisen durchschritten“, gibt er sich zuversichtlich. Die Leipziger würden es nicht anders wollen, wenn man Befragungen glauben darf. „Der Bürger hat die Gelbe Tonne nie verstanden“, sagt Rantzsch, „im Volksmund hieß sie Plastiktonne. Es war immer ein erheblicher Anteil stoffgleicher Nichtverpackungen darin.“ SUSANNE DONNER

Ein Beitrag von:

  • Susanne Donner

    Susanne Donner ist studierte Chemikerin und schreibt als Wirtschaftsjournalistin über Technik- und Medizinthemen u.a für die Wirtschaftswoche, GEO, FAZ und ingenieur.de.

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