Messprogramm der NASA 05.08.2014, 15:51 Uhr

Fracking belastet Atmosphäre mit gefährlichen Gasen

Die umstrittene Technologie zur Erdgasförderung, Fracking, belastet die Atmosphäre mit klima- und gesundheitsschädlichen Gasen. Das zumindest behaupten Forscher aus Innsbruck. Sie haben im Auftrag der NASA Luftmessungen in einem Frackinggebiet im US-Bundesstaat Colorado durchgeführt. 

Fracking im US-Bundesstaat Pennsylvania: Mit hohem Druck pressen die Betreiber Chemikalien in die Tiefe. Im Schiefergestein bilden sich Risse, so dass gebundenes Erdgas entweicht und über Rohrleitungen an die Oberfläche gelangt. 

Fracking im US-Bundesstaat Pennsylvania: Mit hohem Druck pressen die Betreiber Chemikalien in die Tiefe. Im Schiefergestein bilden sich Risse, so dass gebundenes Erdgas entweicht und über Rohrleitungen an die Oberfläche gelangt. 

Foto: dpa

Das hierzulande stark umstrittene Fracking, mit dem Erdgas aus Schiefergesteinen in der Tiefe der Erdkruste gewonnen wird, setzt klimaschädliche Gase frei. Das haben Forscher vom Institut für Ionenphysik der Universität Innsbruck jetzt herausgefunden. Die Wissenschaftler um Armin Wisthaler haben in einem Frackinggebiet im US-Bundesstaat Colorado verschiedenste Gase messen können. „Bei der Förderung, Aufbereitung und Verteilung gelangen über zahllose Lecks klima- und gesundheitsschädliche Gase in die Atmosphäre“, sagt Armin Wisthaler.

„Wir finden krebserregendes Benzol, giftiges und übelriechenden Schwefelwasserstoff und eine Vielzahl von Vorläufersubstanzen für gesundheitsschädliches Ozon in ländlichen Gegenden, wo man eigentlich saubere Luft erwarten würde“, berichtet Wisthaler. „Unsere Messungen bestätigen die Befunde amerikanischer Kollegen aus anderen Gegenden, in denen Fracking intensiv betrieben wird. Hier sind dringend strengere Umweltauflagen und Kontrollen notwendig.“

Tiroler Luftspion findet organische Spurenstoffe in Sekundenbruchteilen

Fündig wurde Wisthaler in Colorado mit hochsensiblen Messinstrumenten, welche an Bord des Forschungsflugzeugs P-38 der Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und am Boden stationiert waren. Die Messinstrumente sind mithilfe eines neuartigen Massenspektrometers in der Lage, die Zusammensetzung organischer Spurenstoffe in der Atmosphäre in Sekundenbruchteilen zu messen. Entwickelt haben diesen Luftspion die Wissenschaftler um Wisthaler in Gemeinschaftsarbeit mit der Tiroler Hightech-Schmiede Ionicon Analytik.

Das Forschungsflugzeugs P-38 der NASA: An Bord ist ein neues Massenspektrometer aus Tirol, das die Zusammensetzung organischer Spurenstoffe in der Atmosphäre misst. 

Das Forschungsflugzeugs P-38 der NASA: An Bord ist ein neues Massenspektrometer aus Tirol, das die Zusammensetzung organischer Spurenstoffe in der Atmosphäre misst. 

Foto: Universität Innsbruck

Die Messkampagne der Innsbrucker Forscher ist ein Teil eines Messprogramms der NASA zur Umweltüberwachung mit dem langen Titel „Deriving Information on Surface Conditions from Column and Vertically Resolved Observations Relevant to Air Quality“ (DISCOVER-AQ). Es geht darum, die Qualität der Satelliten zu verbessern, damit sich deren Daten für die Vorhersage und das Monitoring der Luftqualität einsetzen lassen. Der Tiroler Luftspion soll dazu beitragen, Daten in bisher unerreichter zeitlicher und räumlicher Auflösung zu liefern.

„Verstehen, wie sich diese Luftschadstoffe vertikal verteilen“

„Wir sind bei DISCOVER-AQ an der vordersten Forschungsfront mit dabei. Zur kontinuierlichen Überwachung der Luftqualität in verschmutzen Gebieten gibt es bisher lediglich relativ zeitnahe Daten von vereinzelten Messstationen am Boden“, erläutert Wisthaler. „Wir müssen aber verstehen, wie sich diese Luftschadstoffe vertikal in der Atmosphäre verteilen, weil die Satellitensensoren nicht erkennen, in welcher Höhe sich die Schadstoffe befinden. Das neue Gerät liefert dabei Daten zu organischen Spurenstoffen.“

Das Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik kooperiert inzwischen bereits seit sechs Jahren erfolgreich mit der NASA. Gefördert hat die Zusammenarbeit das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit).

Fracking boomt in den USA

In den USA boomt das Fracking wie nirgendwo sonst. Die Methode ist immer gleich: Bohrungen erschließen die tiefliegenden gashaltigen Schiefergesteinsschichten. Dann wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und diversen Chemikalien, das sogenannte Frackfluid, in das Schiefergestein gepresst. Dort entstehen feinste Gesteinsrisse, über die Gas und auch Öl entweichen und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen. 

Erst am vergangenen Donnerstag hatte das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin ein umfangreiches Gutachten zum Fracking in Deutschland vorgestellt. In diesem Zusammenhang forderte das UBA, hierzulande auf Fracking zu verzichten, weil die Fördertechnologie unbeherrschbare Risiken mit sich bringe. Im vergangenen Sommer ließ eine Studie aufhorchen. Forscher der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina hatten in zahlreichen privaten Trinkwasserbrunnen im Marcellus-Becken, einem gasreichen Frackinggebiet im US-Bundesstaat Pennsylvania, Methan, Ethan und Propan gefunden.

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