Umwelt 10.02.2012, 12:01 Uhr

Forschungsprojekt „KlimaAlltag“: Mit Kleinigkeiten Strom sparen

Die meisten Leute wissen zumindest ansatzweise, wie sie sich klimafreundlich verhalten sollten, doch im Alltag muss es schnell und bequem zugehen. An welchen Stellschrauben kann man drehen – und das in verschiedenen Bevölkerungsgruppen? Das herauszufinden war Zweck des Kölner Feldversuchs KlimaAlltag. Dessen Teilnehmer sollten die Großstadtbevölkerung möglichst genau nach Einkommen, Alter, Familienstand und ökologischem Engagement abbilden. Nach sechs Monaten intensiver Beratung und Suche liegen die Ergebnisse vor.

Für die Cordings hat es sich schon gelohnt. Monatelang haben sie Broschüren gelesen, Fragebögen und Checklisten ausgefüllt und der Beraterin von der Verbraucherzentrale alle Elektrogeräte und die Heizung vorgeführt. Jede Alltagsroutine haben sie hinterfragt. Seitdem schleppt die vierköpfige Familie keine Kisten mit Mineralwasserflaschen mehr: Sie trinkt Wasser aus dem Hahn. Gemüse baut sie selbst auf einem nahegelegenen „Bürgeracker“ an.

Samstags nimmt Kai Cording nun das Fahrrad, um vom Haus am Stadtrand aus zum Büro in der Innenstadt zu gelangen. An den Werktagen kann er nicht auf den Wagen verzichten, aber nach einem Ecodrive-Training hat er zumindest dessen Sprithunger reduziert. „Vorher dachte ich, ich bin mit 7,9 l für ein großes Auto im Stadtverkehr sehr gut. Nach dem Training schaffe ich 6,7 l“.

Mit einer Tankfüllung bis zu 70 km weiter und dabei recht entspannt fahren zu können, hätte er nicht gedacht. „Und es macht auch noch Spaß, gegen den eigenen Tacho zu fahren“, staunt Cording. Er hat das seinen Mitarbeitern in der Firma erzählt. Vielleicht lässt sich auch der Verbrauch der Firmenfahrzeuge senken.

Forschungsprojekt „KlimaAlltag“ berät 80 Haushalte in puncto Stromsparen

Der Unternehmerfamilie ging es auch ums Geld, vor allem aber um die Erkenntnis. Die Cordings sind einer von 90 Kölner Haushalten, die am Forschungsprojekt „KlimaAlltag“ teilnahmen. 80 haben durchgehalten und ihr tägliches Verhalten Schritt für Schritt umgestellt.

„Vor allem Haushalte mit geringem Einkommen befürchten, durch Klimaschutzmaßnahmen finanziell oder zeitlich überfordert zu sein“, sagte der Leiter des Forschungsprojekts, Immanuel Stieß, vom Institut für sozial-ökonomische Forschung, ISOE. Und das, obwohl es quer durch die Bevölkerung eine große Bereitschaft gebe, selbst etwas zu tun.

Eine individuell zugeschnittene Beratung tut Not. Bei den türkischstämmigen Teilnehmern etwa stellte man fest, dass sie nur Getränke in Flaschen für gut und gesund hielten, weil das in der Türkei so üblich ist. Doch sie ließen sich von der hohen Qualität des hiesigen Leitungswassers überzeugen.

Auch die Vorbehalte gegen Energiesparleuchten müssen noch ausgeräumt werden. Kai Cording fand sich im Baumarkt vor einer riesigen Auswahl an Lampen – und ging unverrichteter Dinge wieder fort. Die vielen unverständlichen Bezeichnungen hätten ihn überfordert. Der nächste Anlauf wird in einem Fachgeschäft sein, verspricht er.

„KlimaAlltag“ reduziert CO2-Emmissionen der Teilnehmer um 25 %

Unterm Strich sei es gelungen, die CO2-Emissionen um 25 % zu senken – im Ganzen, nicht beim einzelnen Teilnehmer, sagte der Leiter des Feldversuchs, Frank Waskow von der Verbraucherzentrale NRW. Mit kleinen Dingen, die eher Geld sparen als kosten: Bei Elektrogeräten konsequent den Stecker ziehen, die Heizung herunterdrehen, wenn man aus dem Haus geht. Mit Deckel kochen, die Waschmaschine auf niedrigere Temperatur und Schleuderzahl einstellen, mehr regionale Produkte essen und öfter mit Rad oder Bus und Bahn fahren.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten tun das die meisten Teilnehmer, zeigt die Auswertung der Daten nach Ende des Feldversuchs. Ein paar Haushalte sind auf Ökostrom gewechselt, größere technische Maßnahmen wie Dämmung oder eine neue Heizungsanlage wurden im Rahmen des Projekts nicht umgesetzt. Vielleicht kommt das noch: Ungefähr ein Drittel der Haushalte will in nächster Zeit investieren. Und über die Hälfte haben vom Thema noch nicht genug.

„Nicht der alte Kühlschrank fraß die meiste Energie, sondern der PC“

Viele Aha-Erlebnisse habe ein geliehenes Strommessgerät gebracht. „Nicht der alte Kühlschrank fraß die meiste Energie, sondern der PC“, sagte Waskow: „Das wird demnächst viele Kaufentscheidungen beeinflussen.“ Eklatante Informationsdefizite gebe es aber vor allem im Bereich Ernährung. Den meisten Teilnehmern war nicht bewusst, wie viel Essbares sie wegwarfen. Jungen Menschen fehlte oft das traditionelle Wissen darüber, was je nach Saison geerntet wird. Manch einer hielt Biolebensmittel für unerschwinglichen Luxus.

Familie Reiterer kaufte wegen der Kleinkinder auch schon früher Bio und gab lieber Geld für gutes Essen aus als für andere Dinge. Aber auch die jungen Eltern konnten etwas klimafreundlicher werden – indem sie öfter auf Fleisch und Milchprodukte verzichteten. Beatrix Reiterer: „Mein Mann tat sich anfangs schwer damit, aber er ließ sich überzeugen: Das Essen schmeckt ja trotzdem.“

Es heißt, vor allem sozial Bessergestellte profitierten von der Klimaschutzpolitik. Bis Herbst 2013 will ISOE durch Umfragen in Frankfurt/Main und München herausfinden, wie die Kommunen CO2-neutrale Lebensstile auch bei Haushalten mit niedrigem Einkommen fördern können. „Die Städte investieren viel Geld in die Infrastruktur, doch wie kommen sie an ihre Bevölkerung heran?“, fragt Projektleiter Stieß. Mit Flyern sei es nicht getan. Das habe der Feldversuch gezeigt, doch eine ähnlich intensive Betreuung Einzelner sei auch nicht zu leisten.

Von Matilda Jordanova-Duda

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