METHANAUSBRÜCHE AM MEERESBODEN 25.08.2014, 15:21 Uhr

Fataler Kreisprozess bedroht das Klima

Aus dem Meeresboden blubbert in großen Mengen Methan: Die gigantischen Hydratlager an den Küsten drohen instabil zu werden. US-Forscher haben jetzt hunderte Ausbrüche entdeckt, es könnten sogar zehntausende sein. Dadurch versauert das Meerwasser und der Treibhauseffekt verschärft sich.

Okeanos Explorer: Die Methanausbrüche entdeckten die Forscher bei der Auswertung von Sonardaten und Fotos, die die das amerikanische Meeresforschungsschiff  während mehrerer Expeditionen zwischen 2011 und 2013 gesammelt hat.

Okeanos Explorer: Die Methanausbrüche entdeckten die Forscher bei der Auswertung von Sonardaten und Fotos, die die das amerikanische Meeresforschungsschiff  während mehrerer Expeditionen zwischen 2011 und 2013 gesammelt hat.

Foto: Wikimedia

Einem gefährlichen, möglicherweise sogar katastrophalen Kreisprozess sind amerikanische Wissenschaftler jetzt auf die Spur gekommen. Weil die Durchschnittstemperaturen wegen des Klimawandels steigen erwärmen sich die Meere. Das destabilisiert Hydratlager in einigen 100 Metern Tiefe, sodass Erdgas (Methan) frei wird, das eine 25-mal stärkere Treibhauswirkung hat als Kohlendioxid. Ein Teil des Klimagases gelangt in die Atmosphäre. Dort verstärkt es den Treibhauseeffekt, sodass die Meere noch wärmer werden und noch mehr Methan austritt.

Bisher war der Zerfall von Methanhydraten lediglich aus den sich besonders schnell erwärmenden arktischen Gewässern bekannt. Jetzt haben die Forscher vor der amerikanischen Ostküste gleich 570 Stellen entdeckt, an denen Erdgas frei wird. Dort lagern gigantische Mengen an Hydraten in einer Tiefe von 500 Metern und mehr.

Methangas strömt in 425 Metern Tiefe aus dem Meeresgrund vor Virginia.

Methangas strömt in 425 Metern Tiefe aus dem Meeresgrund vor Virginia.

Foto: NOAA Okeanos Explorer Program

Sie galten wegen des dort herrschenden hohen Drucks und der tiefen Temperatur bisher als stabil. Diese Auffassung muss jetzt revidiert werden. Adam Skarke von der Mississippi State University und sein Team werteten Sonardaten und Fotos aus, die das amerikanische Meeresforschungsschiff „Okeanos Explorer“ während mehrerer Expeditionen zwischen 2011 und 2013 gesammelt haben.

Forscher fürchten Zehntausende weitere verborgene Ausbruchstellen

Da die Ausbrüche, die an Hand von aufsteigenden Gasbläschen zu erkennen sind, bisher verborgen blieben, fürchten die Wissenschaftler, dass es noch zehntausende weitere Ausbruchstellen gibt, die bisher unbekannt sind. Außer an Nordamerikas Küsten gibt es vor allem in Südostasien große Hydridvorkommen, die instabil werden könnten. Die Mengen an Methan, die dabei frei werden, lassen sich nicht einmal abschätzen.

Mikroorganismen reduzieren die Gefahr

Das austretende Erdgas nutzen Mikroorganismen für ihren Stoffwechsel. Dabei wird es zu Kohlendioxid, das sich im Wasser löst. Ein Teil des Methans erreicht die Atmosphäre und trägt zum Klimawandel bei. Die leichte Entschärfung des Problems beruhigt die Wissenschaftler jedoch nicht. Die zunehmende Kohlendioxidkonzentration lässt das Meerwasser immer saurer werden. Das bedroht Flora und Fauna im Wasser.

Methanhydrat gilt als Energiequelle der Zukunft. Es ähnelt schmutzig-weißem Eis und enthält weit mehr Erdgas als alle irdischen Lager. Weil es bei einem leichten Anstieg von Temperatur und sinkendem Druck gleich entweicht, gibt es noch keine sichere Fördertechnik.

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