Umwelttechnik 20.10.2006, 19:24 Uhr

EU verlangt höhere Recyclingquoten bei Batterien  

die stufenweise Steigerung der Sammel- und Recyclingziele bis 2016, Registrierung aller Batteriehersteller und ein Cadmiumverbot. Experten sind zuversichtlich, dass Deutschland die EU-Vorgaben erfüllt.

Beim Sammeln von Altbatterien sind die Deutschen Musterschüler. Ab 2012, so verlangt die neue EU-Batterierichtlinie, müssen 25 % der in Verkehr gebrachten Batterien gesammelt werden. „Unsere Sammelquote lag zuletzt bei 37 %“, sagte Jürgen Fricke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS) letzte Woche auf einem Forum zur neuen Richtlinie in Berlin.

Dieser Teil der Brüsseler Vorgabe ist hierzulande bereits übererfüllt, während die neuen und teils auch die alten EU-Mitglieder noch Rücknahmesysteme aufbauen. Grund zum Ausruhen sieht Fricke nicht. Denn unterm Strich hat es die Richtlinie in sich.

Brüssel verlangt 2016 als zweite Stufe 45 % Sammelquote – und die sind schon wesentlich schwerer zu knacken. Die deutsche Quote wurde erst nach jahrelanger intensiver Aufklärung erreicht doch nach Erkenntnissen der GRS zeigt sich fast ein Drittel der Bevölkerung gegen Appelle zur Batterierückgabe resistent.

Zudem birgt das 45 %-Ziel statistische Tücken. Denn während sich diese Quote jeweils aus den Verkäufen der drei Vorjahre errechnet, wird jede zweite Batterie erst nach fünf Jahren zurückgegeben. „Weil jährlich mehr Batterien in den Markt gelangen, entspricht eine 45 %ige Quote real über 50 %“, warnt Fricke. Das Ziel für 2016 sei nur zu erreichen, wenn alle Beteiligten mitziehen. Dafür müsse man auch die Schulen stärker als bisher in die Aufklärungsarbeit einbeziehen.

Der Handel und die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, die zusammen drei Viertel aller Batterien sammeln, signalisierten beim Berliner Forum weitere Unterstützung. „Der Handel begrüßt die neue Batterierichtlinie“, stellte Verena Böttcher, umweltpolitische Expertin im Hauptverband des deutschen Einzelhandels, klar.

Letztes Jahr hätten Kaufhäuser und Läden knapp die Hälfte der 12 300 t verbrauchten Gerätebatterien und -akkus gesammelt, um sie dem kostenlosen Entsorgungssystem der GRS zuzuführen. Der Handel werde auch künftig seinen Teil beitragen.

Für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger erklärte Torsten Höppner vom Wegezweckverband Kreis Segeberg, dass sie gerne mehr als die aktuell 25 % zur Sammelmenge beitragen würden, zumal die GRS ihr Engagement auch finanziell honoriere.

Die 1998 von Batterieherstellern gegründete Stiftung holt gesammelte Batterien kostenlos ab und führt sie diversen Verwertungsanlagen im Bundesgebiet zu. Zuletzt wurden 82 % der identifizierbaren Batterien verwertet.

Bis 2009 strebt Brüssel eine 100 %ige Recyclingquote an und legt zudem fest, welche Anteile der unterschiedlichen Batterietypen im Markt verwertet werden sollen. Bei diesen Quoten gibt es allerdings große Unsicherheiten. Denn während moderne Sortieranlagen Batterieschrott mit elektromagnetischen, UV- oder Röntgensensoren rasend schnell und praktisch fehlerlos (>98 %) sortieren, variiert die Batteriezusammensetzung erheblich. Und nicht alle Inhaltsstoffe sind verwertbar.

Das berücksichtigt die EU-Richtlinie. Sie legt fest, dass Nickel-Cadmium(NiCd)-Batterien zu 75 %, Blei(Pb)-Batterien zu 65 % und alle anderen zur Hälfte verwertet werden sollen. Doch worauf die Prozentsätze sich genau beziehen, muss die EU noch klären. Brüssel wird wohl das Batteriegewicht zugrunde legen und die 50 %-Recyclingquote als Mittelwert für alle Nicht-NiCd- und Pb-Systeme festlegen.

Der Teufel stecke im Detail, erklärte Prof. Bernd Friedrich, Leiter des Instituts für Metallurgische Prozesstechnik und Metallrecycling der RWTH Aachen. Letztlich sei nicht einmal geklärt, was Verwertung meine. „Reicht es, mit Schlacke aus Batterien natürliche Ressourcen im Straßenbau zu ersetzen? Oder gilt es, Metalle aus Batterien für die Produktion neuer Batterien zu gewinnen?“, fragte er.

Dennoch sieht der Wissenschaftler gute Chancen, die EU-Quoten zu erreichen. „Wenn Schlacke als Produkt betrachtet wird, erreichen heutige Recyclingverfahren bereits die vorgeschriebenen 50 %, selbst wenn Elektrolyte in die Berechnung einfließen“, beruhigt er. Ohne Schlacke lägen die besten Verfahren bei 47 % bis 49 % Recyclingeffizienz.

Im Zuge der Diskussion um die Verwertung wurde allerdings auch klar, dass eine 100 %ige Sammlung und Verwertung von Batterien kaum zu erreichen ist. Zwar schreibt das Elektrogesetz den Entsorgern vor, fest eingebaute Batterien aus Geräten zu separieren und gemäß Batterieverordnung zu entsorgen. Doch das hat laut Gerhard Jokic, Geschäftsführer der Remondis Electrorecycling GmbH Grenzen.

Zwar gelinge es, in diversen mechanischen Zerkleinerungsschritten des Elektroschrotts einen Gutteil der verbauten Batterien und Akkus zu erfassen. Doch angesprochen auf Kleinbatterien, die in moderner Unterhaltungselektronik weit verbreitet sind, räumte er ein: „Die können Sie nicht erfassen.“ Bei 50 g Batteriegewicht stoße die Sortierung an Grenzen – moderne Lithiumknopfzellen wiegen teils nur 0,08 g.

PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
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