Umwelttechnik 18.07.2008, 19:36 Uhr

„Es gibt noch viel Konsolidierungspotenzial“  

VDI nachrichten, Köln, 18. 7. 08, mg – Die französische Sita-Gruppe tut sich noch schwer in Deutschland. Der europäische Marktführer im Bereich Entsorgung ist hierzulande nur die Nummer vier. Künftig will das Unternehmen mit Dualen Systemen, Rohstoffe-Bündelung und Beteiligungen an städtischen Abfallbetrieben wachsen. VDI nachrichten sprach mit dem Sita-Deutschland-Chef Oliver Gross.

Gross: Frankreich, Benelux und Deutschland sind unsere Kernmärkte. Vor allem in den Niederlanden und Belgien sind wir sehr präsent. In Frankreich gehören wir mit Veolia zu den Marktführern. Und Großbritannien ist ebenfalls ein sehr interessanter Markt.

VDI nachrichten: Wie wichtig ist der deutsche Markt für Sita?

Gross: Deutschland ist einer der größten Entsorgungsmärkte innerhalb Europas. Das Volumen liegt bei über 40 Mrd. €. Interessant für Sita ist, dass weniger als die Hälfte des Markts von privaten Dienstleistern versorgt wird. Da sehen wir ein großes Wachstumspotenzial. Mit 468 Mio. Umsatz ist Sita derzeit das viertgrößte Entsorgungsunternehmen in Deutschland. Dazu beigetragen haben auch Zukäufe. Sita hat in den 90er Jahren mit der Übernahme der Otto Entsorgung den deutschen Markt betreten. Es folgten einige kleiner Akquisitionen und im vergangenen Jahr die Übernahme der BellandVision.

VDI nachrichten: Werden Sie in den Rathäusern immer noch kritisch als französischer Entsorgungsriese beäugt, der nur an die Rendite denkt?

Gross: Nein, wir haben uns in Deutschland als Sita etabliert und unsere Marktposition gefestigt. Wir werden nicht (mehr) argwöhnisch beäugt (wie Anfang der 90er Jahre). Wir sind zwar ein internationaler Konzern, betreiben unser Geschäft aber sehr lokal.

VDI nachrichten: Lange Zeit war Privatisierung das Zauberwort, inzwischen lässt sich eher ein Trend in Richtung Rekommunalisierung beobachten. Leiden Sie darunter?

Gross: Die Diskussion um Privatisierung und kommunale Daseinsvorsorge wird Jahr für Jahr neu angefacht. Derzeit erlebt das Thema Rekommunalisierung ein kleines Zwischenhoch. Langfristig aber wird die Privatisierung unserer Meinung nach weiter voranschreiten.

VDI nachrichten: Der deutsche Abfallmarkt ist im Umbruch. In den drei letzten Jahren gab es zahlreiche Übernahmen und Fusionen. Wird sich der Markt weiter konsolidieren?

Gross: Der Markt stagniert insgesamt, so dass Wachstum nur über Verschiebungen, also Akquisitionen, möglich ist. Es wird eine Konzentration wie in der Logistik geben. Die vier Großen werden weiter stark wachsen. Der Marktführer Remondis kontrolliert nach unseren Informationen gerade mal 12 % des gesamten Markts. Da ist noch viel Konsolidierungspotenzial. In Frankreich ist die Marktdurchdringung viel höher. Die große Frage lautet: Was wird aus den Mittelständlern? In der Logistikbranche haben sich viele Mittelständler durchgesetzt, weil sie Partnerschaften eingingen. Wenn sie dies auch im Entsorgungsmarkt tun, haben sie gute Zukunftsperspektiven.

VDI nachrichten: Sita hat vor kurzem BellandVision übernommen. Warum ist das Geschäft mit den dualen Systemen für Sie interessant?

Gross: Es war für uns wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken. Dafür ist es notwendig auch im Lizenzbereich tätig sein, denn Deutschland bleibt das Land der Mülltrenner. Damit war es ein konsequenter Schritt – wie für die anderen großen Entsorger auch -, ein eigenes duales System zu schaffen.

VDI nachrichten: Mit Edeka hat Belland einen wichtigen Kunden gewonnen. Werden Sie den Markt der dualen Systeme von hinten nun aufrollen?

Gross: Früher gab es einen Monopolisten, jetzt gibt es zahlreiche Wettbewerber. Das kann nur gut sein, aber ich gehe auch davon aus, dass sich nicht alle Systeme auf Dauer im Markt behaupten können. Ich glaube, dass sich die Marktanteile weiter verschieben werden. Das DSD wird weiter Marktanteile abgeben müssen. Aufgrund des stetigen Wachstums bei Belland peilen wir einen zweistelligen Marktanteil an.

VDI nachrichten: Wird die Novelle der Verpackungsverordnung einen neuen Wachstumsschub geben?

Gross: Die verschärfte Gesetzgebung ist positiv. Nun kommt es darauf an, die Kontrollen zu verstärken und die „Trittbrettfahrer“ einzufangen.

VDI nachrichten: Derzeit findet in Deutschland ein regelrechter „Altpapier-Krieg“ statt. Beteiligen Sie sich an dieser Schlacht?

Gross: Nein, wir sind nicht in einen „Häuserkampf“ eingetreten und haben zusätzliche „Blaue Tonnen“ aufgestellt. Die „Blaue Tonne“ macht nur in wenigen Gebieten Deutschlands Sinn, wo es noch Bündelsammlung und keine Depotcontainer gibt. Das sind, unserer Meinung nach etwa 4 Mio. Bundesbürger, die davon betroffen sind.

VDI nachrichten: Gibt es aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Sita in Benelux eine Veränderung in der Betrachtungsweise des Altpapiermarktes?

Gross: Wir plädieren beim Altpapier für eine europäische Lösung. In Deutschland haben wir 500 000 t Altpapier, die wir vermarkten können. Zusammen mit Benelux kontrollieren wir 1,3 Mio. t. Es macht mehr Sinn, international die Mengenströme zu bündeln. Sita steuert die Rohstoffmengen von Deutschland und Benelux zentral über die nordeuropäische Region. Wir versuchen, mittelgroße Einheiten zu bündeln.

VDI nachrichten: Hatten Sie sich nicht auch für die Aufbereitung der Hausmüllabfälle aus Neapel beworben?

Gross: Da sind wir leer ausgegangen. Die Abfallmengen aus Neapel, die nach Deutschland transportiert wurden, werden nach unseren Informationen größtenteils in Verbrennungsanlagen in Nordrhein-Westfalen beseitigt.

VDI nachrichten: Welche neuen Projekte haben Sie in letzter Zeit an Land gezogen?

Gross: Wir haben den Landkreis Karlsruhe erneut gewonnen und werden dort bis 2016 die Hausmüll- und Sperrmüllsammlung betreiben. Außerdem haben wir den Auftrag bekommen, ein Entsorgungskonzept für alle deutschen Standorte eines großen, internationalen Industriekonzerns zu erstellen.

Unser Ziel ist es, unsere Marktpositionen langfristig zu festigen und auszubauen. Wir wollen weiter wachsen und den Abstand zu den Marktführern in Deutschland verringern. NOTKER BLECHNER

Das Unternehmen

  • Gegründet 1959 ist die Sita Deutschland GmbH in Deutschland eines der großen privaten Entsorgungsunternehmen. Mit 120 Standorten und rund 3500 Mitarbeitern kam Sita Deutschland 2007 auf 468 Mio. € Umsatz.
  • Sita gehört zur Umwelttochter Suez Environnement des französischen Suez-Konzerns. Zurzeit bereitet Suez den Börsengang seines Umweltzweiges vor, Hintergrund ist die Fusion von Suez mit Gaz de France.
  • Sita Deutschland entsorgt für Städte, Gemeinden und Landkreise sowie für Industrie-, Handels- und Gewerbeunternehmen. Das Geschäft ist dreigeteilt in die Bereiche Umwelt-Service, Kommunal-Service und Rohstoffwirtschaft. swe

Ein Beitrag von:

  • Notker Blechner

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