Umwelttechnik 12.05.2006, 19:21 Uhr

Düstere Prognosen für den Grünen Punkt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 5. 06, Si – Vorbei sind die Zeiten, in denen der Grüne Punkt als Lizenz zum Gelddrucken galt. Inzwischen sieht sich das Duale System Deutschland (DSD), Köln, in einer existenzbedrohenden Krise. Denn die Umsätze des einstigen Monopolisten für die Entsorgung und Verwertung von gebrauchten Verkaufsverpackungen gehen zurück. Zum Hauptproblem wird für Stefan Schreiter jedoch die Verwertung von nicht lizenzierten Verpackungsabfällen. Der DSD-Geschäftsführer fordert deshalb eine Novelle der deutschen Verpackungsverordnung. Das soll helfen, ungerechtfertigtes Trittbrettfahren auf Kosten der dualen Systeme zu stoppen.

DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter

DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter

Foto: Duales System Deutschland

Erhebliche Umsatzeinbußen hat das Duale System Deutschland (DSD), Köln, in den vergangenen Jahren hinnehmen müssen. Machte die Gesellschaft mit ihrem Grüner-Punkt-Konzept in den Anfangsjahren der privatwirtschaftlichen Entsorgung von Verpackungsabfällen noch Jahresumsätze von 2 Mrd. €, so konnte der einstige Monopolist in 2002 und 2003 nur noch Umsätze in Höhe von 1,8 Mrd. € einfahren. Und 2005 schrumpfte der DSD-Umsatz weiter auf 1,2 Mrd. €.

Seit der Einführung des Pflichtpfands auf Dosen und Einwegflaschen gingen dem Grünen-Punkt-System allein 300 Mio. € Jahresumsatz verloren. Hinzu kommt ein geschätzter Umsatzverlust von jährlich 700 Mio. € bis 900 Mio. €, der auf das Konto von Verpackungen geht, die ohne die Lizenzmarke in den Handel kommen und für die die Hersteller keine Entsorgungskosten an das DSD zahlen.

Düstere Prognosen für den Grünen Punkt  

Düstere Prognosen für den Grünen Punkt  

Das sind zum einen die großen Drogeriemarktketten dm und Schlecker, die Selbstentsorgersysteme betreiben. Große Verluste entstehen dem DSD aber auch durch so genannte Trittbrettfahrer-Unternehmen, die keine Gebühren für die von ihnen in den Verkehr gebrachten Verpackungen zahlen und das System kostenlos mitnutzen. Denn letztlich landet ein großer Teil dieser Mengen auch in den Gelben Tonnen – auf Kosten der dualen Systeme.

Bei der Verwertung der gesammelten Materialien schoss die DSD deshalb zum Teil weit über die gesetzlichen Zielvorgaben der Verpackungsverordnung hinaus. Statt der vorgegebenen Verwertungsquoten von beispielsweise 70 % für Papier und Weißblech wurden 117 % bzw. 100 % dieser Abfallfraktionen verwertet. Der Grund: In den Gelben Tonnen landeten große Mengen an Verpackungen ohne den Grünen Punkt, die zurück in den Wertstoffkreislauf flossen.

Mit einem Marktanteil von 94 % ist das DSD zwar immer noch unbestrittener Marktführer unter den dualen Systemen, doch das wird kaum so bleiben. „Wir rechnen damit, dass unsere Konkurrenten Interseroh und Landbell bis Ende 2006 die Zulassung für eine flächendeckende Sammlung erstritten haben“, erklärte Stefan Schreiter Anfang Mai auf der DSD-Bilanzpressekonferenz in Bonn. „Dann“, so räumte der Vorstandschef ein, „wird unser Anteil auf 80 % schrumpfen.“

„Unser Hauptproblem“, so Schreiter weiter, „sind aber die Mengen, die nicht über unser System oder andere duale Systeme lizenziert werden, die aber trotzdem – de facto unbezahlt – in den Gelben Tonnen oder Säcken landen und auf unsere Kosten entsorgt werden.“ Inzwischen bestehe ein Drittel der dabei eingesammelten Leichtverpackungen aus unbezahltem Abfall. 11 % der Mengen in den Gelben Tonnen gehen laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung alleine auf das Konto der Selbstentsorger. Schreiter: „Bei diesen Rahmenbedingungen laufen wir in den nächsten 24 Monaten in eine bedenkliche Kostenschere hinein.“ Bis 2008 rechnet der DSD-Vorstandschef mit einem Umsatzrückgang auf jährlich weniger als 1 Mrd. €.

Das durch die Verpackungsverordnung legitimierte System der Selbstentsorgung sei in der Praxis weitgehend gescheitert und verzerre den Wettbewerb. Schreiter: „Jetzt ist die Politik gefragt. Der Gesetzgeber muss jeden Hersteller und Abfüller, der Verkaufsverpackungen für private Verbraucher in den Umlauf bringt, zur Teilnahme an den Kosten für die haushaltsnahe Entsorgung verpflichten. Wir fordern eine Novelle der Verpackungsverordnung.“

Dazu gibt es bereits Signale aus der Politik. Die Laga (Länderarbeitsgemeinschaft Abfall) arbeitet an einem Bericht über die Probleme der dualen Systeme. Und die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner kündigte bereits an, dass die Umweltministerkonferenz die Verpackungsverordnung auf ihrer Sitzung Ende Mai auf den Prüfstand stellen will. Denn bei der Entsorgung von Verkaufsverpackungen verschafften sich Trittbrettfahrer ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile und für den Verbraucher sei die Rückgabe der Verpackungen im Laden ohnehin keine praktikable Lösung. M. WOLLENWEBER/Si

Von Wollenweber/Jürgen Siebenlist
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