Klima 10.03.2006, 18:43 Uhr

Doppelpass zwischen Umwelt und Fußball  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 3. 06, swe – Selbst wenn es auf dem Rasen für Deutschland nicht klappen sollte, in Sachen Umweltschutz sind die Deutschen jetzt schon Weltmeister. Erstmals bei einem sportlichen Groß-Event spielen Klimaschutz und Abfallvermeidung eine tragende Rolle.

Profifußball und Umweltschutz. Nicht selten gibt es hier Reibungspunkte. Riesige Fußballstadien werden am Rande der Städte errichtet. Bei Bundesligaspielen am Wochenende rollt eine Blechlawine hin und zurück. Und im Stadion hinterlassen Tausende von Zuschauern Abfallberge.

Das soll bei der in knapp drei Monaten beginnenden Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht passieren. „Wir organisieren die erste klimaneutrale Weltmeisterschaft“, verkündet Hartmut Stahl vom Darmstädter Öko-Institut. Stahl ist verantwortlicher Projektleiter für das Umweltkonzept der WM, das den bezeichnenden Titel „Green Goal“ (Grünes Tor) trägt. Im Auftrag des WM-Organisationskomitees (WM-OK) hat das Öko-Institut in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium Maßnahmen entwickelt, mit denen die Umweltauswirkungen der WM neutralisiert werden sollen.

Die Öko-Experten haben errechnet, dass die 64 WM-Spiele in zwölf Städten mit mindestens 3,2 Mio. Zuschauern für einen Ausstoß von rund 100 000 t CO2 sorgen – vor allem wegen des Autoverkehrs. Diese Menge an CO2 soll vor allem durch Klimaschutzprojekte kompensiert werden. So spendieren die WM-Organisatoren 500 000 € für die Errichtung von Biogasanlagen in Tamil Nadu in Südindien. Die Anlagen sollen Kuhmist in Energie umwandeln. Dadurch sollen rund 30 000 t CO2 eingespart werden. Denn bisher heizte die Dorfbevölkerung von Tamil Nadu mit Brennholz und Kerosin und setzte viele Schadstoffe frei.

Der Rest des CO2-Ausstoßes soll in Südafrika eingespart werden. An diesem Freitag werden in Berlin die WM-Organisatoren und das Öko-Institut die ausgesuchten Projekte vorstellen. Die Deutsche Telekom will als offizieller WM-Partner 200 000 € für die Klimaschutzprojekte zur Verfügung stellen. Der europäische Verband der Plastikhersteller Plastics Europe macht 100 000 € locker.

Doch auch vor Ort in den WM-Stadien und -Städten wird auf die Minimierung von Treibhausgasen geachtet. Der Energieversorger EnBW will 10 Mio. kWh Ökostrom (aus Schweizer Wasserkraftwerken) ins Netz einspeisen. Das entspricht der Menge an Strom, die in allen zwölf Stadien und den Pressezentren während der WM verbraucht wird.

Zusätzliche Energie liefert die Sonne. In Dortmund sorgt eine große Photovoltaikanlage wenige Meter vom Westfalenstadion für 250 000 kWh Strom – genug, um während der sechs WM-Spiele in Dortmund das Flutlicht zu betreiben. Kaiserslautern hat gar ein eigenes Umweltkonzept zur WM entwickelt und ein Solardächerprogramm aufgelegt.

Schwieriger dürfte es dagegen werden, die Stadionbesucher zum Umsteigen in die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen. „Jeder Zweite soll mit Bus und Bahn anreisen“, nennt Hartmut Stahl als Ziel. Für Park- und Ride-Anlagen sowie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs haben die WM-Städte 700 Mio. € investiert.

Die Macher der ersten „Öko-Fußball-WM“ haben messbare Umweltschutzziele gesteckt: Der Wasser- und Energieverbrauch sowie die Abfallmenge in den Stadien soll zur WM um 20 % gesenkt werden.

Am weitesten bei der Erreichung des ehrgeizigen Ziels scheinen die Planer beim Thema Wasser zu sein. Im Frankenstadion in Nürnberg sammeln Zisternen bis zu 1 Mio. l Regenwasser und bewässern damit das Spielfeld, Grünflächen und Trainingsplätze. „10 000 m3 Wasser lassen sich so einsparen“, erklärt Green-Goal-Projektleiter Stahl stolz. Zur Minimierung des Wasserverbrauchs tragen ebenfalls Trockenurinale bei, die in vier WM-Stadien eingerichtet wurden.

Bei der Abfallvermeidung haben die Organisatoren ein Mehrwegsystem in den Stadien durchgesetzt. Der Müll wird getrennt gesammelt, nur Mehrweggeschirr wird ausgegeben. Ob WM-Top-Sponsor Coca-Cola da mitmacht, ist noch ungewiss. Der Brausekonzern möchte zur WM wieder die alt bewährte Cola-Dose einführen.

Zwar sind Umweltschutzmaßnahmen freiwillig. Dennoch sind die Green-Goal-Organisatoren zuversichtlich, die quantitativen Umweltschutzziele zu erreichen. „Die WM in Deutschland wird ein großes Turnier für die Umwelt“, ist Klaus Töpfer, Chef des UN-Umweltprogramms, überzeugt.

Schon jetzt gibt es Nachahmer für das deutsche Ökokonzept. Für die Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz ist ein weit reichendes Nachhaltigkeitskonzept geplant, das die Förderung des Ökotourismus und den Einsatz junger Arbeitsloser vorsieht. Und auch in Südafrika wird über ein grünes Konzept für die WM 2010 nachgedacht.

NOTKER BLECHNER

 

Von Notker Blechner

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