Klimawandel 13.08.2013, 12:09 Uhr

Die USA setzen auf Geo-Engineering

In den Vereinigten Staaten setzt sich eine gänzlich andere Denkweise als in Europa im Blick auf den Klimawechsel durch. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, den Klimawandel zu verzögern und so gering wie möglich zu halten, sondern vielmehr darum, die negativen Folgen dieses Klimawandels erfolgversprechend zu bekämpfen. Das wissenschaftlich-technische Werkzeug dazu liefert das so genannte Geo-Engineering.

Die USA wollen die Folgen des Klimawandels mit Geo-Engineering bekämpfen. Dabei geht es auch um die Beeinflussbarkeit des Wetters.

Die USA wollen die Folgen des Klimawandels mit Geo-Engineering bekämpfen. Dabei geht es auch um die Beeinflussbarkeit des Wetters.

Foto: Max-Planck-Gesellschaft

Auffällig ist die breite Basis für das Geo-Engineering. Die amerikanische Regierung ist stark dafür, vor allem das Verteidigungsministerium. Und auch die Behörden, die für die Sicherheit des Landes im Blick auf Terrorismus, das Sagen haben. Wesentlich unterstützt wird diese Bewegung durch die wehrtechnische Industrie sowie durch andere Industrien, die sich davon umfangreiche Aufträge versprechen. Bezahlt werden die amerikanischen Anstrengungen bisher vor allem aus dem Verteidigungshaushalt.

Geo-Engineering hat aber auch zahlreiche Gegner

Die Gegner kommen teils aus dem linken Lager, teils aus kirchlichen und sonstigen weltanschaulichen Bewegungen, die im Geo-Engineering vor allem etwas Gefährliches und damit Böses sehen. Das geht soweit, dass schon Filme gedreht und Bücher über die bösen Mächte geschrieben worden sind, die mittels Geo-Engineering im Begriff stehen, die Welt kaputt zu machen. Diese Ablehnung konzentriert sich bislang vor allem auf das seit 1993 laufende HAARP-Programm (High Frequency Active Auroral Research Program).

HAARP-Empfangsanlagen zur Ionosphärenbeobachtung.

HAARP-Empfangsanlagen zur Ionosphärenbeobachtung.

Foto: HAARP/Wikipedia

HAARP wird hauptsächlich von den amerikanischen Streitkräften und der Universität von Alaska finanziert. Obwohl das Programm eigentlich längst abgeschlossen sein sollte, wird es von Jahr zu Jahr immer wieder fortgesetzt. Es geht dabei um die Untersuchung der Ionossphäre (ionisierter Teil der Erdatmosphäre) mit dem Nahziel, diese für die Verbesserung des weltweiten Funkverkehrs und die genaue Beobachtung der Klimaveränderungen zu nutzen. Dabei geht es auch um die Beeinflussbarkeit des Wetters.

Treibhausgase wieder aus der Atmosphäre herausfiltern

Auf den ersten Blick muten die längerfristigen Zielsetzungen des Geo-Engineering ausgesprochen futuristisch an. Dabei geht es besonders darum, die so genannten Treibhausgase aus der Atmosphäre wieder herauszufiltern. Mit riesigen Spiegeln soll die höhere Bestrahlung der Erde stark vermindert werden. Spezielle Düngemittel sollen das Wachstum der Algen in den Ozeanen fördern, um auf diese Weise wesentlich mehr CO2 als bisher in den Meeren zu binden.

Im Herbst 2013 und Winter 2013/14 soll in den Vereinigten Staaten eine so genannte Machbarkeitsstudie erarbeitet werden. Dabei geht es darum, herauszufinden, welche der futuristisch anmutenden Technologien tatsächlich in einer annehmbaren Zeitspanne realisierbar sind – und zu welchen Kosten das voraussichtlich möglich sein wird. An dieser Studie beteiligen sich außer den eingangs genannten Organisationen auch das amerikanische Wetteramt und die Ozeanographie-Behörde des Landes.

Aus europäischer Sicht wichtig ist dabei die Grundhaltung der Beteiligten, die sich in etwa als „alles ist möglich“ charakterisieren lässt. Selbst wenn in verschiedenen europäischen Ländern ähnliche Geo-Engineering-Ideen diskutiert werden, dann bleibt der große Unterschied zu den Vereinigten Staaten, dass dort die erforderlichen ganz erheblichen Finanzmittel mit Sicherheit schnell zur Realisierung der einmal breit akzeptierten Vorhaben beschafft werden können. Mit dem Geo-Engineering werden dabei in den USA ganz erhebliche Anstöße für die Forschung auf den verschiedensten Gebieten kommen, die schließlich auch Auswirkungen auf zivile Arbeiten haben werden, die mit dem Geo-Engineering direkt überhaupt nichts zu tun haben.

Von Peter Odrich

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