Umwelt 05.10.2007, 19:30 Uhr

„Die Unsicherheit besteht leider immer noch“  

China-ROHS könnte ein massives Handelshemmnis werden.

Holger Busch ließ und ließ nicht locker: „Das Problem für alle ausländischen Hersteller ist: Zurzeit besteht Unsicherheit darüber, ob Prüfberichte ausländischer Herkunft über den Schadstoffgehalt der nach China eingeführten Produkte für das chinesische ROHS als Zertifizierung anerkannt werden oder nicht.“

Mehrfach befragte der Ingenieur, weltweit verantwortlich für die Produktzertifizierung und Europaverantwortlicher beim Consumer-Testing- Dienstleister SGS, auf dem deutsch-chinesischen Umweltsymposium am Donnerstag letzter Woche in Osnabrück seine chinesischen Geschäftspartner. Dort trafen sich Umweltexperten aus beiden Ländern, um über den Stand der chinesischen Pendants zu der EU-weiten Elektroschrottrichtlinie WEEE (Waste Electrical and Electronic Equipment) und der Schadstoff-Richtlinie ROHS (Restriction of Hazardous Substances) zu debattieren.

Der erste Teil der China-ROHS ist bereits seit März diesen Jahres in Kraft. Danach müssen die Hersteller in einer Selbsterklärung angeben, ob und wie viel der sechs Hauptschadstoffe im Produkt vorhanden ist. Das Produkt und die Verpackung benötigen bestimmte Kennzeichnungen auf Chinesisch.

Prüfzwang durch chinesische Labore – ja oder nein? Holger Busch hat mit der bestehenden Unsicherheit darüber ein Problem, denn sein Unternehmen berät unter anderem weltweit Hersteller von elektrischen und elektronischen Geräten und Komponenten, die mit China Handel treiben und dorthin exportieren wollen. Die SGS bietet dabei Dienste an, die den Geräteproduzenten eigentlich den Weg ebnen sollen durch die chinesischen Umweltregelungen. Nur ohne Sicherheit über die Verfahren wird die Praxis zum Vabanquespiel.

Wen Lei, Deputy Director des Büros für Wirtschaftssystemreformen und Wirtschaftsoperation im chinesischen Informationsministerium (MII) und verantwortlich für China-ROHs, sagte einerseits, dass Berichte ausländischer Labore für die erforderliche Selbsterklärung der ausländischen Hersteller über den Schadstoffgehalt der eingeführten Produkte anerkannt würden. Dabei verweist Lei auf die Regelung, dass die Importeure für die Selbstdeklaration unabhängige Dritte hinzuziehen können.

Andererseits verwies Lei nachdrücklich darauf, dass nur ganz bestimmte Organisationen in China zu Zertifizierungen befugt seien. Und er sagte, dass die chinesische Regierung auch stichprobenartige Überprüfungen der Selbsterklärungen durchführen werde. Und dass trotz einer Überprüfung Dritter, also ausländischer Labors, die vom Hersteller abgegebene Selbsterklärung von der chinesischen Regierung noch einmal gesondert überprüft wird. Ohne dass Lei irgendeine dieser Bemerkungen weiter klärend ausführt.

„Die Unsicherheit besteht leider immer noch“, so das Fazit von Busch. Obwohl hochrangige Vertreter der chinesischen Seite vor Ort in Osnabrück waren, ließ sich keine endgültige Klarheit in den derzeitigen Stand der Dinge für die betroffenen Hersteller bringen. Wen Lin sagte Holger Busch in einem anschließenden Gespräch zu, die zweite Phase von China-ROHS-Details noch einmal zu überdenken und den Rat von europäischen Herstellen und SGS in China zu suchen.

Busch befürchtet, dass ähnlich wie bei der in China geltenden CCC-Richtlinie (vergleichbar einer verschärften und umfangreicheren CE-Richtlinie) auch für China-ROHS nur chinesische Labors die Zertifizierungen werden vornehmen können.

Auch ohne diese Unsicherheit wird das China-ROHS eine Knacknuss für europäische Hersteller. Grund dafür ist der Produktkatalog Electronic Information Products, kurz EIP. Dieser legt im Endeffekt fest, für welche Produkte konkret die China-ROHS jetzt gilt. Bisher gibt es jedoch nur Angaben über Geräteklassen. Obwohl die China-ROHS ja schon in der ersten Phase gültig ist, kommt der Katalog jedoch erst 2008 heraus.

Beispiel: der Elektronikhersteller Phönix Contact. Umweltbeauftragter Jürgen Husemann: „Wir setzen Kupfer ein, in dem ein gewisser Bleianteil enthalten ist“, erläutert er. In der europäischen ROHS-Richtlinie gebe es dafür eine Ausnahme beim Bleiverbot. Bis zu 4 % seien erlaubt. „In der China-ROHS ist das nicht erlaubt, auch einzelne Produktkategorien sind nicht ausgenommen“, sagt Husemann und prophezeit ein „erhebliches Problem“, kämen die eigenen Produkte in den EIP. S. EDER

Die Chinesen verstehen die Probleme der Importeure bislang noch nicht

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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