Umwelttechnik 18.06.1999, 17:21 Uhr

Die Tücken des beruflichen Alltags erleben

Die Simulation von Projekten hat sich das Projektbüro Umwelttechnik an der Ruhr-Uni Bochum zum Ziel gesetzt. Studenten können dabei Scheine erwerben oder auch ihre Diplomarbeit schreiben.

Ein Großraumbüro mit vielen Schreibtischen und noch mehr Computern das Telefon schellt. „Das staatliche Bauamt für Thorsten Richter!“ Der Gewünschte läuft zum Telefon, auf den Anruf hat er bereits gewartet. Es geht um die Sanierung von Schäden an Gebäuden der Ruhr-Universität in Bochum. Mit dem Bauamt möchte Richter Maßnahmen durchsprechen. Der zuständige Mitarbeiter in der Behörde wird ihm auch ein Architekturbüro nennen, mit dem er kooperieren kann. Sind wir also in einem Ingenieurbüro?
Die Umstände sprechen dafür, aber Richter ist noch kein Ingenieur, sondern Student im achten Semester Bauingenieurwesen. Schauplatz der Szene ist das neue Projektbüro Umwelttechnik an der Bochumer Uni. Initiiert von Harro Stolpe, Professor für Bauingenieurwesen, bietet das Büro unter Mitwirkung von Hartwig Junge, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer des Projektbüros, seit Beginn des laufenden Sommersemesters Bauingenieurstudenten des Wahlpflichtfaches Umwelttechnik die Chance, durch die Arbeit an einem konkreten Projekt den Berufsalltag zu simulieren.
Auf eigene Faust oder nach Absprache mit Junge suchen sich die Studenten zunächst ein Projekt. Für dessen Bearbeitung bekommen sie ein Großraumbüro zur Verfügung gestellt, das mit Computern und Telefonen ausgestattet ist. Daneben stehen Meßgeräte, Versuchseinrichtungen und Laborplätze zur Verfügung. In einem gesonderten Bereich können Besprechungen abgehalten werden.
Ziel ist, daß die Studenten mit allen Höhen und Tiefen des Arbeits-alltags vertraut werden. Dabei hat die Eigenverantwortung von Beginn an einen hohen Stellenwert, denn die gesamte Planung, Organisation und der Abschluß des Projekts liegen in der Hand der Studierenden. „Sie sollen selbst erfahren, was beispielsweise die Untere Wasserbehörde ist“, führt Geschäftsführer Hartwig Junge an, der vor seiner Tätigkeit an der Universität selbst zehn Jahre in einem Umweltbüro gearbeitet hat. Treten Schwierigkeiten auf, stehen Stolpe und Junge mit Rat und Tat zur Seite.
Die Studenten können entweder durch sieben Wochenstunden Arbeit in dem Projektbüro während zwei Semestern die für das Vertiefungsstudium Umwelttechnik geforderten Pflichtveranstaltungen abgelten oder aber ihre dreimonatige Diplomarbeit dort bearbeiten. Im ersten Fall müssen sie nach zwei Semestern ihre Ergebnisse in Form eines Studienberichts vorlegen im zweiten Fall muß die Diplomarbeit abgegeben werden. Zur Verbesserung der internen Kommunikation sind bei Erstellen des Studienberichts Vorträge als Zwischenberichte der Studenten vorgesehen.
Wesentlich für das Projektbüro ist der Kontakt zu den Praktikern. War der Fachbereich Umwelttechnik schon immer im regen Austausch mit Vertretern der entsprechenden Berufsfelder, sollen diese Beziehungen nun noch vertieft werden. Die Studenten suchen sich ihre Ansprechpartner entweder selbst oder mit Hilfe von Stolpe und Junge, die dabei auf ihre langjährigen Praxiskontakte zurückgreifen.
Vor allem Behörden und Ingenieurbüros haben sich – angetan von der Idee – zur Verfügung gestellt, wobei sie nicht nur als Auftraggeber fungieren, sondern auch Hilfestellungen geben und den Studierenden Unterlagen zur Verfügung stellen.
So waren die ersten Erfahrungen von „Büromitarbeiter“ Thorsten Richter durchweg positiv: „Bei meinem ersten Gespräch mit dem staatlichen Bauamt hatte ich das Gefühl, offene Türen einzurennen.“
Geplant sind auch Projekte im Ausland oder mit internationalen Kooperationspartnern. „Das Projektbüro bietet auch gute Möglichkeiten, bereits Kontakte für die Zeit nach dem Studium zu knüpfen“, erläutert Fachschaftsmitarbeiterin Britta Humme einen weiteren positiven Nebeneffekt, den sich die Studenten erhoffen.
Harro Stolpe sieht sein Projekt auch als Beitrag zur Studienreform: „Vor allem hinsichtlich seiner praktischen Ausrichtung ist das heutige Ingenieur-Studium einfach noch verbesserungswürdig.“ Der Hochschullehrer weiß, wovon er spricht. Er hat den Sprung ins kalte Wasser des Ingenieurberufs selbst erlebt und kennt nach annähernd 20jähriger Tätigkeit als Geschäftsführer von Ingenieurbüros die Tücken des Berufsalltages genau. Die Erkenntnis, daß die theoretischen Grundlagen nicht allein über einen erfolgreichen Berufseinstieg entscheiden, hält er heute für wichtiger denn je.
Für die zweijährige Aufbau- und Erprobungsphase in Bochum hat das Land NRW Mittel in Höhe von 436 000 DM zur Verfügung gestellt. Danach soll das Projektbüro eine ständige Einrichtung der Ruhr-Uni werden.
J. BAER-HENNEY/A. LEIMBACH
Gebäudesanierung ist eines der Themen, um die sich Studenten der Ruhr-Uni Bochum im Projektbüro Umwelttechnik kümmern.

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