Umwelt 20.05.2005, 18:38 Uhr

Die Kehrseite von Wasserstoff  

VDI nachrichten, Berlin, 20. 5. 05 – Nach der europäischen Vision sollen in 15 Jahren 5 % aller Kfz Wasserstoff getriebene Brennstoffzellen unter der Haube haben. Kleinserien fahren bereits, zudem gibt es reihenweise Tests im Alltagsverkehr. Doch ganz so unproblematisch wie gedacht ist Wasserstoff wohl nicht.

Weiße Wölkchen entweichen dem Auspuff eines mit Wasserstoff getriebenen Linienbusses. Da mag man sich wohl fragen: Wie dampfig wird es in den Straßen, wenn alle Autos gasförmiges Wasser auspusten?

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„Das dürfte in den unteren Luftschichten überhaupt kein Problem darstellen“, beruhigt Andreas Ostermeier vom Umweltbundesamt, UBA. Bei allen Verbrennungsprozessen im Motor entsteht unter anderem jede Menge Wasser – egal ob Benzin oder Diesel eingesetzt wird und ganz besonders bei den Erdgasfahrzeugen.

Nun heißt es aus dem Bundesumweltministerium: Der Weg führt übers Erdgas ins Wasserstoffzeitalter. „Noch aber gibt es keine H2-Netze wie bei Erdgas“, schränkt Ulrich Schmidtchen vom Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband ein.

Lediglich Versorgungsleitungen für größere Chemiestandorte etwa im Ruhrgebiet oder im sächsischen Chemiedreieck transportieren den Reaktionspartner über kurze Strecken in die Chemiebetriebe. So hofft man, Teile der vernetzten Erdgasinfrastruktur später auch für Wasserstoff nutzen zu können.

Die Probleme der gasförmigen Energieträger, H2 und CH4 (Erdgas), sind womöglich gar nicht so verschieden. Fachleuten bereiten eher die diffusen Emissionen Sorge. Als problematisch wurden bisher etwa die Leckagen im russischen Erdgasnetz gesehen, denn CH4 ist 21-mal klimawirksamer als CO2.

Doch eine gerade veröffentlichte gemeinsame Studie des Wuppertal Instituts und des Max-Planck-Instituts für Chemie zeigt, dass nicht einmal 1 % des Energieträgers wegen maroder Exportleitungen aus Sibirien auf der Strecke bleibt. Das ist weit weniger als angenommen.

Beim Wasserstoffgas könnte sich der Nachteil aber verschärfen. Das kleine Molekül braucht höheren Druck, wenn es gespeichert oder über lange Wege transportiert wird. „Die Entwicklung geht hin zu 700-bar-Speichern. Im Gegensatz zu Methan, dem 250 bar zur Lagerung reichen“, erklärt Ostermeier.

„Zudem wird Wasserstoff leichter durch die Leitungen entweichen, mit hohen Diffusionsgeschwindigkeiten gast es aus und versprödet die Rohre“, meint der UBA-Verkehrsexperte.

Noch ist das Problem unsichtbar wie das Gas selbst. Vor etwa einem Jahr schlugen Wissenschaftler vom California Institute of Technology, CIT, Alarm. Sie wiesen dem Wasserstoff gefährliche Wirkungen auf die Ozonschicht nach. In ihrer Studie stellt die CIT-Arbeitsgruppe fest, dass Wasserstoff den Ozonabbau beschleunigt und so das Schließen des Ozonlochs verzögert.

Zwar seien diese Berechnungen etwas übertrieben gewesen, weil von unrealistisch hohen Freisetzungen ausgegangen wurde, weiß man im Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Einer Reihe von Klimaexperten lässt das keine Ruhe, und so finden sich seit kurzem Atmosphärenforscher und Industrievertreter unter Führung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie zusammen.

Ziel der Experten: Sie wollen den Informationsaustausch verbessern, den gegenwärtigen Wasserstoffbestand über ausgefeilte Modellrechnungen dingfest machen und Zukunftsszenarien genauer betrachten. KATHLEEN SPILOK

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