Umfrage zu Dienstwagen 21.07.2013, 06:59 Uhr

Der Tchibo-Chef fährt im Dienst nur Elektro-Smart

Große deutsche Unternehmen bevorzugen nach wie vor große Dienstwagen mit hohen Emissionen. Tchibo ist eine Ausnahme: Der Chef fährt Smart.

Tchibo-Chef Markus Conrad fährt einen Elektro-Smart als Dienstwagen. Er ist damit der Vorstandschef in Deutschland mit dem kleinsten Dienstflitzer.

Tchibo-Chef Markus Conrad fährt einen Elektro-Smart als Dienstwagen. Er ist damit der Vorstandschef in Deutschland mit dem kleinsten Dienstflitzer.

Foto: Tchibo

Markus Conrad ist nicht gerade klein. In den Elektro-Smart passt der Vorstandsvorsitzende des Kafferösters und Handelsunternehmens Tchibo dennoch spielend. Conrad ist der einzige Vorstandschef in Deutschland, der sich mit einem Smart begnügt und den Elektroflitzer einer S-Klasse, einem Siebener von BMW oder einem Audi A8 vorzieht.

Manche Vorstände haben gar keinen Dienstwagen

Damit liegt Conrads Dienstwagen beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) unter denen aller anderen Vorstandvorsitzenden, die die Deutschen Umwelthilfe befragt hat. Aufgrund des deutschen Strommixes mit hohem Kohleanteil emittiert das Fahrzeug gerade mal 86 Gramm CO2 pro Kilometer. Und doch gibt es einige Unternehmensführer, die noch sparsamer sind. Stefan Heidenreich von Beiersdorf, Bernd Köhler von Phoenix Solar und einige andere Vorstandsvorsitzende haben gar keine Dienstwagen.

Anders dagegen Stefan Dräger vom gleichnamigen Lübecker Spezialisten für Medizin-, Sicherheits- und Tauchtechnik: Sein VW Phaeton mit gut 300 PS emittiert laut Umwelthilfe stolze 308 Gramm pro Kilometer.

Die Deutsche Umwelthilfe befragt jährlich die größten Deutschen Unternehmen. Sie will wissen, welches Fahrzeug der jeweilige Chef fährt und wie viel CO2 die Fahrzeugflotte im Durchschnitt emittiert. 166 Unternehmen wurden befragt, ganze 26 benannten den Dienstwagen des Chefs.

Bei den durchschnittlichen Emissionen der jeweiligen Formenflotte waren die Unternehmen schon Auskunftsfreudiger. Er liegt aktuell bei 142 Gramm pro Kilometer. Im Vorjahr waren es 147 Gramm, 2011 sogar 156 Gramm. Daraus schließt die Stiftung, dass sich die Klimafreundlichkeit der Firmenflotten in Deutschland „allenfalls im Schneckentempo“ verbessert. Bei den Chefs tut sich dagegen nichts. Da stagnierten die Emissionen bei 186 Gramm.

Metro-Anreiz: kleinerer Dienstwagen, höhere Betriebsrente

Mit einer grünen Karte zeichnete die Stiftung fünf Unternehmen aus. Neben Tchibo und Phoenix sind das Kaiser`s Tengelmann, Pfeiffer Vacuum und SMA Solar Technology. Die Umwelthilfe registrierte zudem eine Reihe von Initiativen, die den Spritverbrauch von Firmenflotten reduzieren sollen. So beteiligt die Deutsche Telekom diejenigen, die sich für Spritfresser entscheiden, an den Mehrkosten. Im Gegenzug werden diejenigen finanziell belohnt, die sich für sparsame Fahrzeuge entscheiden. Die gleiche Taktik wendet Heidelberger Druckmaschinen an. Der Handelskonzern Metro belohnt diejenigen mit einer Erhöhung der Betriebsrent, die sich für einen Dienstwagen entscheiden, der kleiner ist als der ihnen zustehende.

Die Deutsche Telekom wiederum hat bisher rund 13 000 Mitarbeiter in einen Kursus geschickt, in dem spritsparendes Fahren vermittelt wird. Das gleiche Angebot macht Wincor Nixdorf seinen Mitarbeitern. BASF ersetzt nach und nach rund 1300 Mofas, mit denen Mitarbeiter auf dem weiläufigen Werksgelände in Ludwigshafen unterwegs sind, durch Pedelecs, also Elektrofahrräder. Und die Deutsche Post bezahlt für die, die auf einen Mietwagen verzichten, eine Bahncard für die Erste Klasse. Die dürfen sie auch privat nutzen. „Da ist erfreulich viel Phantasie im Spiel“, lobt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe.

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